Apple-Smartphone wird 10: Ein Ständchen zum iPhone-Geburtstag

Apple-Smartphone wird 10: Ein Ständchen zum iPhone-Geburtstag

, aktualisiert 09. Januar 2017, 15:57 Uhr
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Apple-Gründer Steve Jobs zeigt das Iphone am 9.Januar 2007 in San Francisco.

Quelle:Handelsblatt Online

Das iPhone wird zehn Jahre alt: Zum Geburtstag erinnern sich unsere Kollegen an die schönsten Momente mit ihrem Apple-Smartphone – oder eben an die schlimmsten. Was sie dem Geburtstagskind zu sagen haben.

DüsseldorfVor zehn Jahren stellte Apple das iPhone vor. Damals konnte sich kaum jemand vorstellen, dass Marktführer wie Nokia verschwinden würden. Inzwischen gibt es Smartphones wie Sand am Meer, doch das iPhone fasziniert noch immer.

Katharina Kort: Die Apple-Arroganz

Liebes iPhone,

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ich war ein Fan der ersten Stunde. Ich war gerade in New York bei einer Freundin, als du auf den Markt kamst. Sie hatte sich stundenlang in die Schlange gestellt, um dich zu ergattern. Wow, man konnte damit im Internet surfen, per Mausklick direkt von der Website auf die Nummer wählen, Musik hören und Navi und Kompass waren auch dabei. Ich war überzeugt.

Kurze Zeit später hatte auch ich ein iPhone. Aber ich war ein „First-Mover“ und blieb dann hängen. Du hast mich abgehängt. Von Anfang an hast du es mir nicht leicht gemacht: Du wolltest nicht so recht mit meinem Computer kommunizieren. Und irgendwann wolltest du dich nicht mehr updaten lassen. Ich kaufte noch ein neues Modell. Aber auch das gehörte innerhalb kurzer Zeit zur Steinzeit. „Da müssen Sie ein Neues kaufen“ kommentierte der junge Mann im Apple-Store, als ich ihn beim Update um Hilfe bat. Am liebsten hätte ich ihm entgegnet: „Ich hatte schon ein iPhone, als du noch im Sandkasten gespielt hast“.

Letztlich war es die Apple-Arroganz, die mich zu Samsung brachte. Aber vielleicht komme ich demnächst wieder zu dir zurück, liebes iPhone. Ich habe gehört, die Apple-Mitarbeiter sollen hier in Deutschland sehr hilfsbereit sein.

Katharina Kort


Johannes Steger: Mein teurer Weggefährte

Mein Verhältnis zu Apple lässt sich an einem simplen Beispiel illustrieren: Unlängst fiel auf einem Termin das Wlan aus, die Deadline aber nicht. Zum Glück gab es ein LAN-Kabel, aber leider hatte ich den passenden Adapter im Büro liegen lassen. So ist das nämlich bei Apple: Die Welt ist exklusiv, der Zugang kostet – und drin zu bleiben auch.

Aber das Design ist unschlagbar – und ich bin ein Opfer meiner ästhetischen Ansprüche. Da zahlt man doch gerne mehr.

So wie ich: Wenn die Konkurrenz-Handys meiner Freunde auf den Steinboden knallten, blieb der Schaden gering. Bei meinem iPhone habe ich in knapp drei Jahren vier Mal das Frontglas austauschen müssen. Innerlich wiederholte ich dann das Mantra: „Es ist doch so makellos und schön. Das lohnt sich.“

Irgendwann wurde es mir dann aber doch zu teuer. Ich wechselte zur Konkurrenz. Tschüss Opfer-Dasein, hallo Steinfußböden! Mein neues Smartphone von Nexus fällt und fällt – und geht dabei dennoch nicht kaputt. Ach wie schön, ist das Leben ohne iPhone.

Ende des Jahres habe ich übrigens ein neues Diensthandy bekommen. Es ist ein iPhone. Ich habe das Gefühl, dass ich meinem privaten Handy in unbeachteten Momenten verächtliche Blicke zuwerfe.

Johannes Steger


Milena Merten: Mein schlimmster Moment mit dem iPhone

0 Bilder, 0 Videos, keine einzige Nachricht. Fassungslos starre ich auf das Display meines iPhones. Beim Update auf die Version 10.2 sind alle meine Daten verloren gegangen. Dabei hatte ich das regelmäßige iCloud-Back-up, also das regelmäßige Speichern meiner Kontakte, Fotos und Videos in der Datenwolke aktiviert. Ich war davon ausgegangen, dass meine Daten irgendwo in diesem diffusen Daten-Orbit herumschwirren und jederzeit wieder abrufbar seien. Falsch gedacht. Alles weg.

„Kann man nichts machen“, teilt mir der junge, vollbärtige Mitarbeiter des Apple-Stores mit und wirft mir über den Rand seiner Hipster-Brille einen mitleidigen Blick zu. „Sie haben doch bestimmt zusätzlich über iTunes Ihre Daten gesichert, bevor Sie das Update geladen haben, oder?“ Tja, habe ich natürlich nicht. Das letzte Mal habe ich meine Daten vor drei Monaten gesichert – im digitalen Zeitalter eine halbe Ewigkeit. Rund 300 Dateien sind somit für immer verschollen.

So ein Anfänger-Fehler passiert vermutlich sonst nur sogenannten digitalen Spätzündern – jenen Menschen über 40, die ohne Smartphone aufgewachsen sind und von denen niemand weiß, wie sie sich in ihrer Jugend verabredet oder den neuen Klatsch und Tratsch ausgetauscht haben. Mitfühlende Freunde beginnen sofort damit, mir Fotos von vergangenen Events über WhatsApp zuzuschicken, damit mein Fotoordner nicht länger verwaist bleibt.

Beim Durchscrollen werde ich fast rührselig: Verwackelte Bilder durchfeierter Nächte, Omas Geburtstagskuchen, das neue Hundewelpen meiner Freundin. Alltagsschnappschüsse, auf die man eigentlich auch gut verzichten könnte. Dennoch bin ich froh, sie wieder zu haben. Und merke mir fürs nächste Mal: Doppelt gesichert hält besser.

Milena Merten


Michael Verfürden: Friede und ihr Äpfelchen

Ihr Allerheiligstes trägt Friede in einer selbstgestrickten Socke durch die Gegend. Mit ihrem iPhone, das sie immer nur „mein Äpfelchen“ nennt, informiert sich die 70-Jährige über das Weltgeschehen, ab und zu verschickt sie eine „Omail“ an ihre Enkel und die Langeweile im Wartezimmer vertreibt sie sich mit der App „Quizduell“.

Einer ihrer Enkel hat es mal gut mit ihr gemeint und der Smartphone-begeisterten Oma einen Laptop geschenkt. Den hat Friede allerdings nur ein einziges Mal hochgefahren. Seitdem fristet das Gerät ein Dasein als Briefbeschwerer. Friede bleibt lieber ihrem „Äpfelchen“ treu. Das hat zwar ein kleineres Display – tut aber wenigstens, was sie will.

Auf der letzten Familienfeier diskutierten die unterschiedlichen Generationen der Familie über die Vor- und Nachteile von Smartphones. Man müsse das alles auch kritisch sehen, sagten die Jüngeren, das Ständig-Erreichbar-Sein sei schließlich eher Fluch als Segen. Da schüttelte Friede nur mit dem Kopf. „Warum schaltet ihr nicht einfach den Flugmodus an, wenn es euch zu viel wird?“, fragte sie in die Runde. Eine Antwort darauf konnte ihr keiner geben.

Michael Verfürden


Ina Karabasz: Will mich mein iPhone im Stich lassen?

Mein iPhone und ich. Eigentlich pflegen wir ein gute Beziehung. Es klingelt, wenn jemand anruft. Es klingelt mich morgens wach. Es klingelt, wenn eine Nachricht kommt. Dafür lade ich es mit zunehmender Regelmäßigkeit und achte darauf, dass ihm nichts passiert. Wir sind immer zusammen. Und wenn ich mal nicht mehr weiter weiß, zeigt es mir den Weg. Wenn auch nicht immer den kürzesten. Es ersetzt meine Zeitungen, mein Radio, meine CD-Sammlung, manchmal sogar den Fernseher oder meinen Arbeitsrechner. Wir haben viel zusammen gesehen, Fotos gemacht. Unsere Unstimmigkeiten über Speicherplatz haben wir auch beigelegt.

Doch dann wurde es auf einmal kalt. Ausgerechnet dann, als ich mein iPhone gebraucht hätte. Zunächst habe ich es nicht verstanden. Auf einmal war der Bildschirm schwarz. Schwarz und kalt. Und dann wurde mir kalt, weil ich die Person nicht finden konnte, die ich treffen wollte. Tatsächlich ließ mich mein iPhone im Stich. Es klingelte nicht mehr, es ließ sich nicht anklingeln. Dabei hatte ich es aufgeladen, hatte mich gekümmert.

Tagelang habe ich mir Gedanken um unsere Beziehung gemacht. Funktioniert sie noch? Wird es Zeit, sich zu trennen? Dann erlöste mich ein Kollege: Mein iPhone wollte mich nicht im Stich lassen. Es konnte nur nicht anders. Die Kälte kam nicht von innen. Sondern von außen. Gegen eisige Temperaturen hat es sich nicht wehren können, mein iPhone. Es fiel in Schockstarre.

Seit diesem Erlebnis ist unsere Beziehung noch inniger geworden. Ich lasse mein iPhone ganz nah an mich heran, wenn es draußen kalt ist. Dann wärmt es sich an mir und ich mich an dem Gedanken, dass es funktioniert.

Ina Karabasz


Christof Kerkmann: Der empfindliche Wegbegleiter

Freunde und Kollegen fragen mich öfter um Rat, wenn sie sich ein neues Smartphone kaufen wollen. Ich berichte beim Handelsblatt über Technologie und teste regelmäßig Geräte, viele Produkte hatte ich zumindest schon mal in der Hand. Meine Standardantwort lautet: „Wenn es nicht aufs Geld ankommt, nimm‘ das iPhone“ – das kürzt viele Diskussionen ab. Manchmal, aber nur manchmal, frage ich mich allerdings, ob ich damit nicht einen Fehler mache.

Grundsätzlich bietet das iPhone viele Vorteile, auch heute noch, da die Android-Geräte längst technisch aufgeholt haben. So sind Hardware und Software perfekt aufeinander abgestimmt, was sich an Dingen wie dem 2013 eingeführten Fingerabdrucksensor „TouchID“ oder den neuen Kopfhörern „Airpods“ bemerkbar macht: „It just works“, wie der inzwischen verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs sagen würde.

Weitere Punkte, die mir wichtig sind: Software-Updates kann ich noch am gleichen Tag installieren, was in Sachen IT-Sicherheit wichtig ist – bei vielen Android-Geräten können Sie von Glück sagen, wenn Sie überhaupt eine Aktualisierung bekommen. Und weil Hersteller Apple sein Produkt so teuer verkauft (mit Preisen bis zu 1.000 Euro), muss er nicht auch noch aus meinen Daten Kapital schlagen.

Doch all das gerät ab fünf Grad Celsius in Vergessenheit. Denn mein iPhone 6, ein Modell von Ende 2014, mag keine Kälte. Sobald sich die Außentemperaturen dem Gefrierpunkt nähern, schwächelt der Akku. Wichtige Gespräche reißen dann ab, trotz 30 Prozent Ladung: Musik, Podcasts oder die Navigation ebenso. „Das ist doch kein Premium!“, schimpfe ich dann in mich hinein. Sollte das bei einem Gerät für 700 Euro nicht besser gehen? Wenn ich das iPhone nächstes Mal empfehle, rate ich gleich auch zum Kauf eines Zusatzakkus.

Christof Kerkmann


Christian Wermke: Mein iUndAlles

Ich liebe mein iPhone. Und ich hasse seinen viel zu kleinen Speicher. Am Anfang dachte ich, 16 Gigabyte reichen locker aus. Ein nervenaufreibender Trugschluss: Andauernd muss ich Apps löschen, Fotos auf den Laptop überspielen, WhatsApp-Chats leeren. Und das nur, um Platz für wahnsinnig wichtige App-Updates (Bugfix Nr. 132 oder den endlosen Fortsetzungsroman von „Wir-haben-für-dich-total-tolle-Verbesserungen“) zu schaffen. Auch die neuen iOS-Versionen, die gefühlt jede Woche meine Aufmerksamkeit verlangen, brauchen Platz. Sehr viel Platz, gern kommen sie auch mal im Gigabyte-Gewand.

Aber was beschwere ich mich. Es hat sich ja ziemlich viel getan seit meinem ersten Handy: ein blaues Motorola, Typ M3888, Baujahr 2000. Blau, lange Antenne, auf Ebay heute unter den Tags „Handy-Nostalgie“, „Retro“ oder „Kultknochen“ zu finden. Damit konnte man ganz gut telefonieren, obwohl man ständig das Gefühl hatte, unter einem strahlenden Strommast durchzulaufen. Kurznachrichten schreiben konnte man auch schon, war aber teuer. Das Internet kannte ich damals nur als piepsendes Modem von Zuhause, das für den Download einer MP3-Datei 20 Minuten brauchte.

Und heute: Ich kann nicht mehr ohne Smartphone. Dieses kleine Metallding ist mein iUndAlles: Wecker, Diktiergerät, Notizblock. Mein Kalender, meine elektronische Erinnerung, mein Tor zur weiten Netzwelt. Einkaufswagen, Bankfiliale, Postfach. Und eigentlich auch mein Fotoapparat. Eigentlich, wäre da nicht schon wieder diese blöde Fehlermeldung, dass ich meinen Speicher doch bitte verwalten soll…

Christian Wermke


Catrin Bialek: Das Ritual der Perfektion

Es gibt eine Episode in der Nerd-Serie „Big Bang Theory“, in der zwei der Protagonisten die Schutzfolie eines neuen iPhones abreißen. Nein, sie reißen sie natürlich nicht ab, sie machen daraus ein Ritual. Streiten sich, wer es anfassen und daran ziehen darf. Langsam natürlich, es ist ja ein feierlicher Moment: das Auspacken eines neuen iPhones.

Wenn meine Kinder und ich diese Episode schauen, dann nicken wir. Wir wissen, was gemeint ist. Wir sind Apple-Fans. Nach dem Einzug meines ersten iPhones vor etlichen Jahren war es schwierig, jemals eine andere Technikmarke zuhause zu etablieren. Kein Laptop, kein Tablet ohne angebissenen Apfel hatte je mehr eine Chance. Und die Begeisterung reicht bis zur Verpackung.

Als ich vor einigen Jahren Reinhard Springer, den Gründer der früheren Kultagentur Springer & Jacoby, interviewte, sprach er von der Perfektion der Verpackung, die Apple mit den feinen weißen Kartons beweisen würde. Jeden Karton würde er aufbewahren, meinte Springer. Ich nickte damals wissend. Ich bewahre sie ja auch alle auf. Alle. Doch wir Apple-Jünger sind nicht in der Überzahl, vielleicht sogar eine aussterbende Art.

Neulich kam mein neues Firmen-iPhone an. Der Kollege aus der IT-Abteilung richtete das Gerät mit allem, was mein iPhone so braucht, ein, und besuchte mich in mein Büro. Achtlos riss er die durchsichtige Schutzfolie ab, warf den feinen, weißen Karton beiseite – und wunderte sich, warum ihn seine Kollegin mit großen, entsetzten Augen ansah.

Catrin Bialek


Angelika Ivanov: Wenn Logik nichts bringt

Immer wieder starrt meine Freundin auf ihr kaputtes Display. Klickt. Wischt. Klickt. Legt es kurz weg. „Willst du das Display nicht mal reparieren?“ , frage ich. „Nein. Das kostet um die 100 Euro und außerdem geht es sofort wieder kaputt, weil es aus Glas ist. Das ist bei allen iPhones so“, klärt sie mich auf. Ich verdrehe die Augen.

Wie kann es sein, dass ein Alltagsgegenstand so gebaut ist, dass er beim Benutzen kaputtgeht? Geplante Obsoleszenz nennt man das doch, wenn Hersteller die Lebensdauer von Geräten absichtlich verringern. Und hier ist das auch noch so offensichtlich.

Meine Freundin lässt sich einfach von Apple veräppeln. Genau wie Tausende andere Fans. Und Fan muss man wirklich sein. Denn nur so erklärt sich mir, wie man freiwillig zuviel Geld für ein Gerät ausgibt, das – ausgestattet mit den gleichen Funktionen – viel günstiger zu haben ist. Und einen Display hat, dem ein Sturz oder ein Tauchgang im Klo nichts anhaben kann.

„Aber Apple hat einfach ein total schlankes Betriebssystem“, unterbricht sie postwendend meine innere Hasstirade. Habe ich das alles etwa laut gesagt? Wir kennen uns einfach schon zu lange, denke ich und muss grinsen. „Und außerdem macht Apple einfach Spaß“, ergänzt sie und hält das Smartphone vor meinen Mund. „Frag Siri mal, was der Sinn des Lebens ist!“, fordert sie mich auf. Kurz ins Mikro gesprochen, ertönt eine nette Damenstimme: „Alles deutet darauf hin, dass es Schokolade ist.“ Ich muss lächeln und habe meinen Ärger wieder vergessen. Irgendwie doch ganz süß, dieses iPhone.

Angelika Ivanov


David Sauer: Eine sehr teure Liebe

Ich bin aufgewachsen als PC-Nerd, der alles selber basteln und im Griff behalten wollte. Für Apple hatte ich nie viel übrig, zu viel Bevormundung. So konnte ich auch dem iPhone nach Erscheinen zunächst nicht viel Gutes abgewinnen. Mein Android-Handy ließ mir schließlich weitreichende Freiheit über das Betriebssystem. Bis es unterm Strich aber mehr Kummer als Freude bereitete. Ständig funktionierte irgendetwas nicht so, wie es sollte. Dabei blieb der oberste, unantastbare Anspruch auf der Strecke, den ich an mein Smartphone heute stelle: Zuverlässigkeit.

Seit dem iPhone 4 hatte ich jedes Modell bis zum aktuellen iPhone 7 und seitdem ist alles so herrlich einfach. Mein iPhone macht genau, was ich von ihm erwarte. Die Bedienung ist angenehmer, ich bin produktiver, kein Basteln, kein Nachbessern, kein Ärger. Was könnte ich mir mehr wünschen?

Andere Hersteller übertreffen sich mit technischen Spezifikationen: Quadcore-Prozessor, 4GB Arbeitsspeicher, Kamera mit Fantastilliarden an Pixeln. Das alles interessiert mich gar nicht, es sind keine Argumente mehr. Office, Surfen, Spiele: Egal was ich mache, mein iPhone macht es schnell und ohne Mucken. Nichts hängt, nichts zuckt. Man merkt, dass Soft- und Hardware wie aus einem Guss sind. Mein iPhone war immer gut zu mir. Es ist schön, ich fasse es gerne an, wir lieben uns. Es ist eine teure Liebe.

David Sauer


Désirée Linde: Ein trotziges „trotzdem“

Mit meinem iPhone verbindet mich eine Hassliebe. Dabei bin ich, wie es bei Verliebten häufig ist, reichlich oberflächlich unterwegs. Ich ertappe mich in der Öffentlichkeit hin und wieder bei dem Gedanken: Hey, mit so einem kann man sich sehen lassen. Ich liebe sein Äußeres, die elegante Form, das verspielte Äpfelchen. Alles geht mit dem iPhone in der mit allem verknüpften Apple-Welt ganz einfach – vom Verwalten der Musik bis zum simplen Übertragen der Kontakte. Dieser Umstand macht es noch attraktiver.

Doch er ist es auch, der unsere fragile Liebe erschüttert. Denn in schöner Regelmäßigkeit ärgere ich mich darüber, wie wenig mein iPhone nun mit meinen anderen Geräten kompatibel ist. Denn einen Mac habe ich beispielsweise immer noch nicht. Von der wegdesignten Kopfhörerbuchse ganz zu schweigen.

Entstanden ist unsere ambivalente Beziehung übrigens aus einem Zufall. Eine Freundin hatte ein damals nagelneues iPhone S4 günstig abzugeben. Ich funktionierte offenbar genauso wie die Heerscharen von Apple-Kunden vor mir. Denn Apple arbeitet in seinen Stores mit einem Trick: Die Geräte werden so platziert, dass man sie anfassen muss, um sie näher zu betrachten. Einmal berührt, zack, steht man unter dem Apple-Zauber.

So war es mit meinen Widerstand gegen das Gerät schlagartig vorbei, als ich es in der Hand hielt. Wie weggewischt waren die negativen Eigenschaften, allen voran der exorbitant hohe Preis. Der lässt sich mit nichts anderem rechtfertigen als einem trotzigem „trotzdem“. Es war eine sehr späte Liebe auf den ersten Blick. Wie lange sie wohl halten wird? Das weiß man bei der Liebe ja nie so genau.

Désirée Linde

Quelle:  Handelsblatt Online
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