Apple, Spotify und Deezer im Visier: Was Aldis Angriff auf den Streaming-Markt bedeutet

Apple, Spotify und Deezer im Visier: Was Aldis Angriff auf den Streaming-Markt bedeutet

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Mit "Aldi life" steigt der Discounter ins Musikstreaminggeschäft ein.

von Stephan Happel

Aldi steigt ins Geschäft mit dem Musik-Streaming ein. Was hinter dem Angriff auf Apple, Spotify sowie Deezer steckt, wie es die Branche verändert – und warum sich Napster als Kooperationspartner anbot.

Wurst, Käse, Eier und etwas Musik aus dem Internet. Einkaufslisten für den Aldi-Besuch könnten künftig anders aussehen. Am Donnerstag startet der Discounter ein eigenes Musikstreaming-Angebot namens  „Aldi life“ für Mobilgeräte mit Android, iOS oder Windows sowie den Browser an.

Für 34 Millionen Lieder und 10.000 Hörbücher verlangt der Discounter 7,99 Euro pro 30 Tage. Der Preis ist eine Kampfansage an Spotify, Deezer und den jungen Dienst Apple Music. Die verlangen für ein vergleichbares Angebot zwei Euro mehr.

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Schon der aktuelle Kampfpreis könnte für die Streaming-Branche ernste Konsequenzen haben, glaubt Branchenkenner Peter Tschmuck, Professor für Kulturbetriebslehre an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. „Ein solches Angebot kann die anderen Anbieter unter Druck setzen, die Preise ebenfalls herabzusetzen.“

Ein noch schärferer Wettbewerb könnte aber für die noch vergleichsweise junge Branche zum Problem werden. „Die Angebote sind ohnehin schon sehr knapp kalkuliert“, sagt Tschmuck. „Wirtschaftlich kann das nicht sein.“

Apple, Spotify und Napster Fünf Punkte entscheiden über Zukunft des Streamings

Musikstreaming boomt, doch in der Branche wachsen die Probleme. Die ersten Dienste machen dicht, auf die Übrigen wartet ein brutaler Verdrängungskampf. Was die Zukunft für Anbieter wie Apple, Spotify und Napster bringt.

Musik streamen mit Spotify, Napster, Apple Beats und Google's All Access Quelle: Getty Images, Montage

Tatsächlich schossen zwar die Einnahmen mit Musik-Streaming in Deutschland im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 87 Prozent in die Höhe. Der Anteil am 686 Millionen Euro schweren Gesamtmarkt stieg dadurch auf 12,8 Prozent von 7,7 Prozent vor einem Jahr. Doch bislang verdient selbst der unangefochtene Branchenführer Spotify kein Geld. Zudem hat ein aggressiver Verdrängungswettbewerb begonnen. Zuletzt übernahm Deezer die Kunden des Konkurrenten Simfy.

Das erklärt auch eine weitere Überraschung am Aldi-Deal: Der Musikdienst Napster ist Grundlage für „Aldi life“ – bietet aber weiterhin sein eigenes, teureres Angebot an, das zumindest bislang mit dem Discounter-Angebot identisch ist.

Die Sorge, sich mit der Kooperation die eigenen Kunden abspenstig zu machen, steht bei Napster offenbar hinten an. „Momentan sind wir noch in einer Marktphase, in der es gilt, neue Vertriebswege und Zielgruppen zu erschließen. Und genau das tun wir mit Aldi“, sagt Patrick Niederländer, bei Napster zuständig für das Europa-Geschäft.

Der deutsche Musikmarkt im Wandel

  • Musikverkauf insgesamt (physisch u. digital)

    2005: 1,748 Milliarden Euro
    2009: 1,575 Milliarden Euro
    2013: 1,452 Milliarden Euro
    2014: 1,479 Milliarden Euro
    Veränderung 2013/14: +1,8 Prozent


    * Gesamtumsatz aus Musikverkauf, Synchronisation und Leistungsschutzrechten

    Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie

  • Davon physisch

    2005: 1,717 Milliarden Euro
    2009: 1,402 Milliarden Euro
    2013: 1,124 Milliarden Euro
    2014: 1,107 Milliarden Euro
    Veränderung 2013/14: -1,5 Prozent

    * Cds, Schallplatten etc.

  • Davon digital

    2005: 30 Millionen Euro
    2009: 173 Millionen Euro
    2013: 328 Millionen Euro
    2014: 371 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: +13,1 Prozent

    * Downloads und Streaming

Im Wettbewerb mit der Branchengröße Spotify und finanzstarken Angreifen wie Apple oder Google ist ausgerechnet das Ladengeschäft des Discounters für Napster eine der wenigen verbliebenen Chancen auf Wachstum.

„Aldi ist in Deutschland bekannt, Napster vielleicht noch nicht allen Kunden ein Begriff“, sagt auch Sandro Fabris, Leiter des Produktmarketings von Medion und mitverantwortlich für den Streaming-Dienst.

Mit mehr als 4.000 Filialen ist der Discounter deutschlandweit vertreten und kann eine neue Kundengruppe ansprechen. „Das Wachstum der Streaming-Portale geht derzeit vor allem auf jüngere Konsumenten zurück“, sagt Fabris „Wir glauben, auch ältere Kunden gewinnen zu können.“

Umsatzentwicklung digitaler Musikverkäufe

  • Download Singles

    2008: 47 Millionen Euro
    2013: 108 Millionen Euro
    2014: 100 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: -7,4 Prozent

    Quelle: Jahrbuch der Musikindustrie 2014

  • Download Album

    2008: 41 Millionen Euro
    2013: 147 Millionen Euro
    2014: 145 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: -1,2 Prozent

  • Streaming

    2008: 12 Millionen Euro
    2013: 61 Millionen Euro
    2014: 108 Millionen Euro
    Veränderung 2013/14: 78,6 Prozent

Sowohl Napster als auch Aldi schweigen darüber, wie sich der Deal finanziell auszahlt. Für Medion-Manager Fabris liegt der Schlüssel aber im konsequenten Premium-Modell. Anders als Spotify und Deezer, die den Großteil ihrer Kunden Musik kostenlos mit Werbeeinblendungen hören lassen, wollen die Billigheimer die Musik nicht zur Kundengewinnung verschenken.

Branchenkenner Tschmuck geht davon aus, dass der Streamingdienst vor allem „ein geschicktes Promotion-Instrument“ von Aldi ist. Der Discounter baut darauf, dass der Streaming-Dienst bei der Vermarktung der eigenen Billig-Telefontarife unter dem Label „Aldi Talk“ hilft. Von denen bietet der Händler künftig zwei neue an - mit höherem Datenvolumen für die Musik-Downloads.

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