Apple Watch: Apples neuer Kassenschlager

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Apple Watch: Apples neuer Kassenschlager

, aktualisiert 10. März 2015, 16:21 Uhr

Die Apple Watch dürfte ein Kassenhit werden und Umsatz, Gewinn und Aktienkurs kräftig treiben. Gelingt dem oft als dröge empfundenen Tim Cook jetzt endlich ein Streich wie einst Steve Jobs?

Für Apple-Chef Tim Cook hängt vom Erfolg der Apple Watch mehr ab als nur die Antwort auf die Frage, ob es Leute gibt, die für einen kleinen Computer mit Internet-Zugang am Handgelenk 399 Euro bezahlen. Mit seiner Smartwatch, die im April in Deutschland auf den Markt kommen soll, drückt Cook dem Konzern erstmals seinen Stempel mit einem neuartigen Produkt auf – so, wie es die Anleger von seinem Vorgänger gewohnt waren, dem götzenhaft verehrten Steve Jobs. Mit dem oft als drögen Buchhalter verunglimpften Cook verbinden die Investoren hingegen bisher Dinge wie Aktienrückkaufprogramme und Dividenden.

Die Zeichen aber stehen gut, dass auch Cook einen Verlaufsschlager à la iPod oder iPhone produziert. Die Apple Watch hat etwas, was bisher allen Bestsellern von Apple gemeinsam war: Sie erleichtert den Kunden das Leben. Alltägliche Handgriffe wie die Suche nach dem Handy in Jacken und Manteltaschen werden überflüssig. Man schaut auf die Uhr und sieht, wer anruft oder schreibt. Mit einem Tipp auf das Display lässt sich ein Anruf ablehnen oder eine Nachricht löschen.

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Die Köpfe hinter Apple

  • Tim Cook: Apple-Chef

    Cook schlug zum Start als Apple-Chef mit dem Tod von Jobs im Oktober 2011 einige Skepsis entgegen. Denn er war zwar schon zuvor für das Tagesgeschäft zuständig und hatte den Gründer immer wieder mal während der Auszeiten wegen dessen Krebserkrankung vertreten.

    Der 55-jährige Manager hat Apple in den vergangenen Jahren seinen Stempel aufgedrückt. Der Konzern achtet mehr auf Umweltaspekte, Datenschutz sowie die Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern, kommuniziert offener als in der Jobs-Ära und schüttet Milliarden Dollar an Aktionäre aus. Zuletzt wagte Cook eine Konfrontation mit der US-Regierung um Verschlüsselung beim iPhone.

  • Angela Ahrendts: Apple Store

    Die Marketingexpertin interessierte sich früh für Kleidung. Sie heuerte beim Modelabel Donna Karan an. Zwischen 2002 und 2006 war die gebürtige US-Amerikanerin für die Marke Liz Claiborne verantwortlich und sanierte dann das Londoner Modehaus Burberry.

  • Jimmy Iovine: iTunes

    In den Siebzigerjahren arbeitete Iovine als Toningenieur mit Stars wie John Lennon und stieg zum Plattenboss bei Interscope Geffen A&M auf. 2006 gründete er mit Dr. Dre Beats. Parallel wirkte er bei der US-TV-Talentshow "American Idol" mit.

  • Kevin Lynch: Internet der Dinge

    Lynch startete im Elektronischen Visualisierungslabor der Universität von Chicago. Später ging er zur US-Softwarefirma Macromedia. Als Adobe diese 2005 kaufte, wurde er Technikchef. Mit Apple- Gründer Jobs stritt er, weil der die Adobe-Flash-Technik hasste.

  • Dr. Dre (André Young): iTunes

    Young war als Teenager DJ, rappte in der Hip-Hop-Gruppe N.W.A und gründete 1991 das Musiklabel Death Row Records. Er verpflichtete die späteren Megastars Eminem und 50 Cent. 2006 startete er mit Jimmy Iovine den Kopfhörerbauer Beats.

Sicher: Auch die Smartuhren anderer Hersteller können Ähnliches. Aber sie haben ihre Grenzen immer dort, wo die Systeme verschiedener Anbieter zusammenspielen müssen. So können etwa die Besitzer einer Smartwatch des Herstellers Pebble auf dem digitalen Zifferblatt sehen, wenn eine Mail für sie angekommen ist; sie müssen aber erst an ihren Computer, an ihr Handy oder Tablet gehen, um darauf antworten zu können. Weil die Apple Watch über die iCloud (Apples Datenwolke, in der jeder Kunde sich mit jedem Apple-Gerät anmelden kann) mit den anderen Apple-Geräten verbunden ist, hat die Uhr einen entscheidenden Vorteil. Apple-Kunden können per Sprachsteuerung eine Antwort direkt in die Apple Watch sprechen oder per Knopfdruck kurze, vorgefertigte Standardantworten schicken.

Seit der Vorstellung ist nun auch klar, dass man Apples Uhr jeden Abend laden muss; bei den Smartwatches der meisten anderen Hersteller ist das so. Da die meisten Smartwatch-Träger das Laden in ihre tägliche Routine einbauen wie das Zähneputzen, sollte das kein Verkaufshindernis sein.

Mit 178 Milliarden Dollar könnte Apple...

Derweil versuchen die Analysten an der Wall Street, das Umsatz- und Gewinnpotenzial des möglichen Verkaufsschlagers vorherzuberechnen. Klar ist: Es dürfte erheblich sein und den Aktienkurs bei sonst gleichen Bedingungen antreiben. Rod Hall, der Apple für die Investmentbank JP Morgan Chase analysiert, veröffentlichte eine eher offensive Schätzung: Er glaubt, Apple werde in diesem Jahr 26 Millionen Uhren verkaufen und den Absatz schon 2016 auf 55 Millionen Stück steigern. Auf den Gesamtkonzern gesehen, wäre das eine Umsatzsteigerung von fast 23 Milliarden Dollar oder zehn Prozent für 2016.

Der Erfolg eines Luxusmodells von Apple in einer Branche, in der etwa die Modelle des Schweizer Herstellers Patek Philippe von 16.000 Dollar aufwärts kosten, ist keine ausgemachte Sache – und nicht nur eine Frage des Markennamens: Teure Uhren sind mit einem hoch entwickelten Uhrwerk ausgestattet, in dem viel Handarbeit und teils jahrhundertealtes Wissen stecken, wogegen die Apple Watch wohl in allen Varianten das gleiche, billige Computer-Innenleben hat. Hall schätzt, dass Apple daher 95 Prozent des Uhrenumsatzes mit den billigeren Modellen machen wird.

weitere Artikel

In Basel findet vom 19. März an die wichtigste Ausstellung mechanischer Uhren statt, die Baselworld. Es wird interessant sein, zu sehen, wie Luxusuhrenhersteller wie die Swatch Group – die Marken wie Breguet und Blancpain produziert – auf die Herausforderung durch Apple reagieren.

Mit einem attraktiven Äußeren, neuartigen Funktionen und seiner Marketing- und Vertriebspower könnte Apple wieder einmal einer Produktgattung zum Durchbruch verhelfen, von der die Menschheit vorher gar nicht wusste, dass man sie unbedingt braucht.

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