Apple-Zahlen: Geizkragen-Effekt verhagelt iPad-Verkäufe

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KommentarApple-Zahlen: Geizkragen-Effekt verhagelt iPad-Verkäufe

von Thomas Kuhn

Apple hat mit dem jüngsten Quartalsabsatz seiner iPads Börse und Anleger erschreckt. Doch das im Vorjahresvergleich langsamere Wachstum ist gar nicht das entscheidende Problem für den iKonzern. Der Sprengstoff dieser Entwicklung liegt ganz woanders.

„Apple hat gerade SCHRECKLICHE iPad-Verkäufe gemeldet“ – mit reichlich drastischen Worten bewertete das für seine spitzen Kommentare bekannte US-Wirtschafts-Blog die jüngsten Absatzzahlen, die der iKonzern soeben verkündet hat. Und in der Tat, waren Analysten noch vor wenigen Tagen davon ausgegangen, dass die Kalifornier im jüngst beendeten Geschäftsquartal rund 17,5 Millionen der Rechentablets würden verkaufen können, bedeutet die nun von Apple-Chef Tim Cook gemeldete Zahl von „nur“ 14 Millionen Stück einen massiven Einbruch. Wer verfehlt die Börsenerwartungen schon gerne um 20 Prozent.

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Aber Vorsicht, das ist Klagen auf sehr hohem Niveau. Schließlich hat Apple beim Verkauf seiner Tablets beispielsweise im Vergleich zum Vorjahr noch immer um 26 Prozent zugelegt und damit ein Wachstum hingelegt, von dem der Rest der IT-Industrie in den allermeisten Fällen inzwischen nur noch träumen kann. Zudem gab es seit Einführung der Tablet überhaupt erst zwei Quartale, in denen die Kunden mehr iPads kauften als im abgelaufenen. Und auch Apples Erzrivale Samsung, der mit den Kaliforniern in Sachen Tablet-Computer rund um den Globus vor den Patentgerichten über Kreuz liegt, würde sich die Finger lecken, wenn er mit seinen Galaxy Tag genannten Flachrechnern auch nur annähernd in die Größenordnung des jüngsten iPad-Absatzes vorstieße.

Alles halb so wild also? Nicht ganz. Denn tatsächlich markiert der deutliche Wachstumsknick, minus 17,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal – da setzte Apple weltweit noch 17 Millionen Stück ab – einen atypischen Einbruch. Bisher war es stets so, dass die Nachfrage immer dann zurück ging, wenn eine neue, modernisierte und verbesserte iPad-Version vor der Ankündigung stand. Die Aussicht auf noch bessere, noch schnellere, noch innovativere Tablets ließ den Ansatz im Vorquartal ähnlich schrumpfen, wie das beispielsweise in der Autobranche jeweils vor der Einführung der nächsten neuen Fahrzeuggeneration ist.

Das war im März 2011 so, als das iPad 2 die erste Generation ersetzte, und im März dieses Jahres nicht anders als Apple-Chef Cook erwartungsgemäß dem iPad 2 das neue Spitzenmodell „The new iPad“ folgen ließ. Stets freute sich die Apple-Gemeinde auf ein noch wunderbareres iToy … und hielt sich beim Kauf des Vorgängers zurück.

Diesmal aber ist es anders. Denn eigentlich stand gar das iPad selbst gar nicht zur Generalüberholung an. Statt dessen war sich die Apple-Gemeinde sicher (und wurde ja durch das neue iPad mini darin auch bestätigt) dass sich zum etablierten Tablet eine kleinere, funktionell höchstwahrscheinlich auch weniger elaborierte Tablet-Version gesellen werde. Keine – ernsthafte – Alternative also für die eingefleischten iPad-Fans, allenfalls ein etwas preisreduzierter Teaser für die Kundengruppen, denen Apples Tablets bisher zu teuer oder zu klobig waren.

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Das jedenfalls war wohl gleichermaßen Apples Vermutung als auch die der externen Fachleute. Und genau dieser Irrtum ist der WIRKLICHE Sprengstoff der in den jüngsten iPad-Zahlen steckt. Denn der Absatzrückgang, der mit Sicherheit auf das erwartete iPad mini zurück zu führen ist, beweist das Gegenteil. Offenbar ist selbst eine tendenziell derart fanatische und zahlungskräftige Käuferschaft wie die Apple-Jünger, in höherem Maße als angenommen bereit hochpreisige iToys im Laden liegen zu lassen, wenn es Aussicht gibt, Ähnliches – auch weniger Hochtechnisches – aus dem Hause Apple für weniger Geld zu kaufen.

Das iPad ist das erste Produkt der Kalifornier, bei dem dieser Geizkragen-Effekt derart deutlich erkennbar ist. Dass es nur der Vorbote eines sich grundsätzlich ändernden Kunden- und Käuferverhaltens sein könnte, mit dem sich die Premiummarke Apple in Zukunft auseinandersetzen muss, ist die eigentliche Brisanz, die in den jüngsten Zahlen steckt. Dreieinhalb Millionen weniger verkaufte iPads sind gemessen an dem sich hier abzeichnenden Risiko in Wirklichkeit Peanuts!

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