Apple-Zahlen : Tim Cook redet Klartext

GlosseApple-Zahlen : Tim Cook redet Klartext

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Apple-Chef Tim Cook.

von Matthias Hohensee

Wie der Apple-Chef sich äußern würde, wenn er die enttäuschenden Quartalszahlen nicht beschönigen müsste – eine analysierende Glosse.

Als Chef des nach Börsenwert mächtigsten Konzern der Welt ist Tim Cook zum dauerhaften Optimismus verdammt. Da auch nur der leiseste Zweifel des Apple-Vorstandschefs ein Börsenbeben auslösen würde – nicht nur für seinen Konzern, sondern auch andere Technologiewerte – muss immer alles super und großartig sein.

Wie aber erklärt man, dass Apple erstmals seit 13 Jahren einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal verkraften muss? Dass beim Kernprodukt iPhone, das rund zwei Drittel des Umsatzes des mächtigen kalifornischen Konzernes ausmacht, zum ersten Mal seit Produkteinführung vor neun Jahren die Absatzzahlen zurückgehen? Dass auch der Verkauf von Apples Tablet iPad trotz der im Herbst vorgestellten großen Pro-Variante weiter in die Knie geht? Und auch der Mac, einstige Keimzelle des Konzerns, schwächelt?

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Könnte sich Cook ohne Zwang äußern, würde er vor Analysten folgendes darlegen:

Tut mir leid. Wir haben uns allergrößte Mühe in dem Quartal gegeben. Aber die Stimmung ist einfach derzeit weltweit mies. Fragt Google, ich meine Alphabet, fragt Microsoft.

Selbst die Chinesen haben beim Konsum zurückgesteckt. Der Dollar ist viel zu stark, was uns das Auslandsgeschäft verhagelt, wo wir 67 Prozent unserer Umsätze erzielen. Im übrigen haben wir bereits vor Monaten vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Also tut nicht so überrascht.

Das wird sich übrigens auch im laufenden Quartal nicht groß ändern. Die Kunden nutzen ihre Geräte einfach länger. Auch wenn uns das nicht gefällt. Unser Marketingchef Phil Schiller hat ja neulich schon darauf hingewiesen, dass es weltweit 600 Millionen Computer gibt, die älter als fünf Jahre sind und mit einem iPad ersetzt werden könnten.

Leider hat er auch mir bislang nicht schlüssig darlegen können, wie er das genau tun will. Groß senken werden wir die Preise allerdings nicht. Da haben wir schließlich eine Tradition zu verteidigen.

Bei unserem Tablet iPad haben wir ebenfalls das Problem, dass nur noch die allergrößten Apple-Fanboys sich automatisch auf das neueste Modell stürzen. Wir sind ja immerhin so weit gegangen, dass wir ihn nun mit Tastatur und Stift ausgestattet haben, was Microsoft seit Jahren tut – möge Steve in Frieden ruhen.

Unsere Kunden upgraden regelmäßig

Und was das iPhone angeht: Was wollt ihr? Wir melken die Kuh seit neun Jahren mit aller Rafinesse. Immerhin upgraden unsere Kunden noch regelmässig. Aber nur, wenn man ihnen was wirklich ganz Neues vorsetzt. Jedenfalls im großen Stil. Was man richtig sehen kann. Wie beim iPhone 6. Ja, das mit dem übergroßen Display, mit dessen Dimensionen ich rein persönlich hadere. Aber der Markt hat danach gegiert und uns neue Verkaufsrekorde beschert. Wir haben Partys gefeiert! War doch aber klar, dass diese sich mit einem nur leicht modifizierten Modell nicht wiederholen lassen.

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Apple-Chef Tim Cook. Quelle: AP,AP

Das heißt, mit Retro scheint es noch zu funktionieren. Ich bin selber erstaunt, wie gut sich das neue iPhone SE verkauft. Ihr wisst schon, das neue Einstiegsprodukt mit dem kompakten Display, das im Grunde eine etwas aufgehübschte Version eines Vorvorgänger-Modells ist. Ich sage nur, Edelstahl. Kein Plastik! Da rennen uns die Kunden so sehr die Bude ein, dass wir Produktionsprobleme haben. Letzeres ist nicht gut. Aber ich frage euch: Wer in der Smartphone-Branche hätte nicht gern solche Probleme?

In diesem Quartal sind die Zahlen vom SE noch nicht enthalten. Aber sie werden uns helfen, dass das laufende Quartal wenigstens nicht ganz so mies ausschauen wird. Mit etwas Glück hilft uns hier ebenfalls ein kleinerer Bildschirm, der vom neuen iPad Pro nämlich. Von dem werde ich schwelgen, wenn wir uns in drei Monaten wieder versammeln.

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Hauke Reimer, stellvertretender Chefredakteur der WirtschaftsWoche Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Dann liegt schon der Sommer vor uns. Und unsere Kunden gelüsten dann so sehr nach dem neuen iPhone 7, dass wir im Herbst dank der gezielt angestauten Nachfrage wieder Verkaufsrekorde feiern können. Nicht, dass das iPhone 7 tatsächlich auch so heißen wird.
Habe ich wie in jedem Call bereits hingewiesen, dass laut aktuellen Erhebungen 95 Prozent unserer Kunden das iPhone lieben? Hiermit getan. Und unser Finanzchef Luca Maestri hat da noch eine Studie ausgegraben, dass 78 Prozent aller Unternehmenskunden ein iPhone wollen.

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