Apple zögert, Netflix investiert: Die riskante Milliarden-Wette auf das Streaming-Geschäft

Apple zögert, Netflix investiert: Die riskante Milliarden-Wette auf das Streaming-Geschäft

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Noch steigt Apple nicht in das TV-Geschäft mit eigenen Inhalten ein.

von Peter Steinkirchner

Auch ohne den Einstieg von Apple tobt im Geschäft mit Filmen und Serien im Internet der Kampf der 500-Pfund-Gorillas. Besonders Netflix fährt einen gewagten Kurs.

Neues iPhone, neues iPad, neues Apple TV – bei seiner jüngsten Produktvorstellung am Mittwoch packte Apple eine Menge aufgebrezelter Produkte aus.

Der Set-Top-Box widmete das Unternehmen aus Cupertino bei der Präsentation besonders viel Aufmerksamkeit. Bemüht, Apple TV für eine möglichst breite Kundenschicht attraktiv zu machen, bringt der Konzern Computer-Spiele und Einkaufs-Apps auf den Fernseher. Das Programm lässt sich jetzt auch mit Sprachsteuerung dirigieren.

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Apple-Event Tim Cooks große Parade

Neue iPhones, ein gigantisches iPad und ein überholtes Apple TV: Apple fährt eine Menge fürs Weihnachtsgeschäft auf. Anleger beeindruckte das Feuerwerk nicht. Denn das wichtigste Produkt hebt sich nicht stark genug ab.

huGO-BildID: 48910421 Apple CEO Tim Cook thanks employees who worked on the new products during an Apple media event in San Francisco, California, September 9, 2015. Reuters/Beck Diefenbach Quelle: REUTERS

Doch wer noch Neuigkeiten zum möglichen Start eines eigenen Internet-TV-Angebots erwartet hatte, das im boomenden Markt der Streaming-Anbieter mitspielen könnte, wurde enttäuscht.

Apples Angst

Vor allem zwei Gründe hindern Cook bislang daran, in eine der derzeit appetitlichsten Sparten des Mediengeschäfts einzusteigen, die zumindest den Marktführern wie Netflix, Hulu und Amazon Prime sehr ansehnliche Wachstumsraten beschert.

Zum einen, heißt es, habe Apple noch keine Vorstellung davon, wie groß die Bandbreiten sein müssen, die ein solcher Dienst am Ende verschlinge. Zum anderen, und wohl wesentlicher: Apple fehlt es offenbar noch immer an exklusiven Inhalten.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Netflix-Start

  • Was kostet Netflix?

    Die Preise des Dienstes sind gestaffelt. Wer die Filme und Serien in HD sehen will oder mehrere Zugänge für die ganze Familie braucht, zahlt mehr.

    Einstiegspreis: 7,99 Euro pro Monat (Standard Auflösung / ein Gerät)

    HD-Paket: 8,99 pro Monat (Höhere Auflösung / zwei Geräte zeitgleich)

    Familien-Paket: 11,99 (Höchste Auflösung (4K-Ultra-HD / vier Geräte zeitgleich)

  • Welche Geräte unterstützt Netflix?

    Das Netflix-Angebot ist auf mehreren Wegen abrufbar:

    Im Browser über www.netflix.com/de

    Über die Netflix-App für iOS und Android

    Über Spielekonsolen die PlayStation 3 und 4, die Xbox 360 und One und die Wii,

    Über Set-Top-Boxen  wie Apple TV und das Fire TV von Amazon sowie Googles Chromecast

    Über verschiedene Blue-Ray-Spieler und Smart-Tvs (vorrangig Geräte von Samsung und Sony)

  • Welche besonderen Serien bekomme ich?

    Nach ersten Berichten fällt das Angebot von Netflix in Deutschland bislang offenbar deutlich geringer aus, als in de USA. Bekannte Filme und Serien wie Breaking Bad, Sherlock, The Walking Dead oder Big Bang Theory sind aber dabei.
    Exklusiv gibt es offenbar Serien wie Fargo und From Dusk till Dawn.  Der von vielen sehnlichst erwartete Breaking-Bad-Ableger Better Call Saul soll parallel zum US-Serienstart im Februar 2015 starten.

    Wichtig für viele Film- und Serienfans: Alle englischsprachigen Produktionen gibt es synchronisiert und mit Originalton zu sehen – auf Wunsch mit deutschen Untertiteln.

  • Wie sieht es mit Eigenproduktionen von Netflix aus?

    In der Vergangenheit hat Netflix die Auslandsrechte an seinen eigenen Serien häufig verkauft. Das führt zu merkwürdigen Situationen: Das hochgelobte House of Cards war bereits vor dem Netflix-Start in Deutschland zu sehen. Und: Der Streamingdienst hat jetzt zwar die ersten beiden Staffeln im Angebot. Die dritte Staffel wird aber wohl bei Sky laufen. Auch Lillyhammer und Arrested Development sind derzeit nicht über Netflix abrufbar.

    In Zukunft wird Netflix aber vermutlich keine derartigen Deals mit der Konkurrenz mehr eingehen.  Die bereits angekündigten Eigenproduktionen Marco Polo und Sense8 werden wohl erstmal nur für Netflix-Kunden zu sehen sein.

Was Cook haben will, ist einigermaßen klar: Die attraktivsten Serien und Filme, und das am besten unterhalb der marktüblichen Preise. Fragt sich nur, warum Produzenten und Sender auf Cooks Begehrlichkeiten eingehen sollten.

Gerade weil das Geschäft mit dem Internet-Fernsehen in vielen Nutzerschichten dabei ist, Stück für Stück das herkömmliche lineare Fernsehen abzulösen; gerade weil immer mehr Zuschauer es vorziehen, dann „House of Cards“ oder „Piraten der Karibik“ anzusehen, wann es in ihren Zeitplan passt; und gerade weil davon Anbieter wie eben Netflix, Amazon, aber auch Maxdome und Sky profitieren, gibt es für die Inhalteproduzenten, die Kreativen und Findigen, wenig Anlass, sich Apple billig an den Hals zu schmeißen.

Abnehmer für ihre Ware gibt es mittlerweile reichlich: „In dem Markt sind mit Größen wie Netflix, Amazon Prime, iTunes, Google, Sky oder Maxdome sehr viele 500-Pfund-Gorillas unterwegs“, sagt Klaus Goldhammer, Medienexperte und Gründer des Beratungsunternehmens Goldmedia in Berlin, „wir befinden uns mitten in einer ziemlich heftigen Schlacht um Marktanteile.“

Wissenswertes über Netflix

  • Alternative zu Videotheken

    Die Netflix-Gründer Reed Hastings und Marc Randolph wollte eine Alternative zu den Videotheken aufbauen. 1997 fingen sie an, DVDs online zu verleihen – ohne Säumnisgebühren, die viele Nutzer nervten. Später führte das Unternehmen eine Flatrate ein.

  • Online-Dienst als zweites Standbein

    2007 führte das Unternehmen einen Online-Dienst ein, Nutzer konnten die Filme auch übers Internet streamen. Für dieses Nebenprodukt verlangt Netflix seit 2011 auch Geld – erst empörten sich die Nutzer darüber, dann arrangierten sie sich damit.

  • Den Vorlieben der Nutzer auf der Spur

    Netflix hat einen Algorithmus entwickelt, um die Vorlieben der Nutzer genau erfassen und passende Genres vorschlagen zu können. Das Unternehmen wertet zudem aus, welche Serien und Filme besonders häufig illegal heruntergeladen werden.

  • Einladung zum „Binge Watching“

    Der Online-Dienst bietet alle Folgen einer Serie auf einen Schlag an – wer will, kann beispielsweise ein ganzes Wochenende mit der neuen Staffel von „House of Cards“ verbringen. Experten sprechen vom „Binge Watching“, also einer Art „Koma-Gucken“.

  • Schlagzeilen mit Eigenproduktionen

    Netflix bietet größtenteils bereits ausgestrahlte Filme und Serien an, bemüht sich aber verstärkt um Eigenproduktionen. Die bekannteste ist wohl die hochgelobte Politserie „House of Cards“ mit Schauspieler Kevin Spacey. Auch Anbieter wie Amazon gehen inzwischen diesen Weg.

Allein Netflix konnte im vergangenen Quartal die Zahl seiner Abonnenten deutlich stärker steigern als ursprünglich prognostiziert. 3,3 Millionen neue Kunden überweisen jetzt bis zu zwölf Euro im Monat an das Unternehmen mit Hauptsitz in Los Gatos; ihre Zahl wuchs damit doppelt so stark wie im Vorjahreszeitraum.

Das lag in erster Linie daran, dass Netflix mittlerweile in vielen neuen Märkten aktiv ist, darunter seit genau einem Jahr auch in Deutschland. 2,4 Millionen der neuen Mitglieder stammen von außerhalb der USA. Insgesamt kommt Netflix weltweit damit auf fast 66 Millionen Kunden und die Tendenz ist weiter steigend.

Gefahren des Streaming-Geschäfts

Anfang September ging Netflix in Japan an den Start. Im vierten Quartal sollen Spanien, Portugal und Italien folgen. 2016 will Konzernchef Reed Hastings dann möglichst weltweit präsent sein; den Auftakt machen zu Beginn des Jahres Süd-Korea, Taiwan, Hongkong und Singapur. Das hat der Konzern gerade bekannt gegeben.

Besonders das Beispiel Netflix zeigt allerdings auch Apple, wo die Schwierigkeiten und strategischen Herausforderungen bei der Expansion ins Inhaltegeschäft lauern. Vor wenigen Tagen erst sorgte die Nachricht für Aufsehen, Netflix werde Ende des Monats Dutzende Filme und Serien aus seinem Angebot streichen müssen. Hintergrund: Im September läuft ein Vertrag mit Epix, dem Joint-Venture der Hollywoodstudios Lionsgate, MGM und Paramount, aus. Der Kontrakt lief über fünf Jahre und war  Netflix dem Vernehmen nach 2010 eine satte Milliarde Dollar wert.

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