Aufholjagd im US-Markt: T-Mobiles neue Frust-Fusion

Aufholjagd im US-Markt: T-Mobiles neue Frust-Fusion

Bild vergrößern

Ohne Zugpferd - T-Mobile-Shops sollen mit Billigtarifen ohne Vertrag Kunden anlocken

von Jürgen Berke und Matthias Hohensee

T-Mobile will mit dem amerikanischen Konkurrenten MetroPCS zusammengehen. Wer denkt, dass im krisengeschüttelten US-Geschäft nun alles gut wird, irrt gewaltig.

René Obermann gehört nicht zu den Top-Managern, die sich ständig selber auf die Schulter klopfen und Erfolge mit Superlativen feiern. Ihm eile der Ruf eines „unterkühlten Deutschen“ voraus, frotzelte der Telekom-Chef kürzlich. Da hatte er gerade die Fusion des amerikanischen Ablegers seiner Mobilfunksparte T-Mobile mit dem weitaus kleineren US-Konkurrenten MetroPCS verkündet. Doch dieses Mal sei er aufgrund der tollen Wachstumsmöglichkeiten durch den Deal in den nächsten Jahren wirklich „enthusiastisch“.

Was der Telekom-Chef als Megadeal für sein krisengeschütteltes US-Geschäft feiert, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als riskante Zwischenlösung. T-Mobile, die Nummer vier in den Vereinigten Staaten (33,2 Millionen Kunden), schließt sich mit der Nummer fünf MetroPCS (9,3 Millionen Kunden) zusammen und rückt mit insgesamt 42,5 Millionen Kunden und einem Umsatz von 24,8 Milliarden US-Dollar näher an die beiden übermächtigen Marktführer Verizon und AT&T heran. Die kontrollieren mit einem Marktanteil von rund 65 Prozent zwei Drittel des US-Mobilfunkgeschäfts.

Anzeige

Mit der Fusion geht ein Strategiewechsel einher. Statt Kunden zu verlieren wie in vergangenen Quartalen, will Obermann dazugewinnen. Sein Fünfjahresplan sieht vor, dass der Umsatz jedes Jahr um drei bis fünf Prozent und der operative Gewinn um sieben bis zehn Prozent überproportional steigen. „Wir treten nicht an, um zu überleben“, kündigte Obermann an. „Wir wollen angreifen und eine starke Alternative bieten.“

Deutsche Bank stuft T-Aktie wegen US-Flirt hochVideo abspielen
Deutsche Bank stuft T-Aktie wegen US-Flirt hoch

Offenes Happy End

Doch ob der Zusammenschluss wirklich die Trendwende bringt und der Deutschen Telekom das erhoffte Happy End der langen Leidensgeschichte in den USA beschert, ist fraglich. Möglicherweise droht Obermann nur die Fortsetzung des bisherigen langjährigen amerikanischen Abenteuers. Das war er im Sommer 2000 zusammen mit dem damaligen Telekom-Chef Ron Sommer eingegangen, als die Telekom für sagenhafte 50 Milliarden US-Dollar die kleine US-Mobiltelefongesellschaft VoiceStream übernahm. Der Magenta-Konzern hat sich bis heute nicht so richtig von den daraus resultierenden Schulden erholt. Auch dem umbenannten Voice-Stream-Nachfolger T-Mobile gelang nicht der Durchbruch. Zuletzt scheiterte ein Verkauf an AT&T am Veto der Aufsichtsbehörden.

Mehrere Haken

Zwar wirkt die neue Partnerschaft mit MetroPCS auf den ersten Blick charmant. Durch den Zusammenschluss in Form einer umgekehrten Übernahme wäre Obermann mit T-Mobile in den USA indirekt an der New Yorker Börse gelistet und könnte sich künftig flexibel Kapital besorgen.

Doch die Sache hat mehrere Haken. Das fusionierte Unternehmen startet mit einer Schuldenlast von 18,6 Milliarden US-Dollar. Und die könnte sogar noch steigen. Denn sobald die Fusion von den Aufsichtsbehörden genehmigt ist, will das neue Unternehmen Milliarden in den landesweiten Ausbau ultraschneller Mobilfunknetze der neuesten Generation investieren. Nur so kann Obermann die ehrgeizigen Wachstumsversprechungen einlösen. Neue Geschäftskunden und Vielsurfer kann er nur gewinnen, wenn er ihnen ein technologisch überlegenes und flächendeckend ausgebautes T-Mobile-Netz bietet.

Die wesentlich finanzkräftigeren Konkurrenten Verizon und AT&T können solche Attacken allerdings leicht abwehren. Dank ihrer Marktmacht handeln die beiden Marktführer höhere Rabatte bei den Handyherstellern und Netzausrüstern aus und können auch Marketinggelder aufgrund ihrer starken Kundenbasis viel effektiver einsetzen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%