Aufsichtsratschefs Lehner und Schröder: Diese Zwei räumen bei der Telekom auf

InterviewAufsichtsratschefs Lehner und Schröder: Diese Zwei räumen bei der Telekom auf

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Lehner (rechts), 66, ist seit April 2008 Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom. Schröder, 52, ist seit Juni 2006 stellvertretender Aufsichtsratschef bei der Deutschen Telekom und T-Mobile Deutschland.

von Jürgen Berke

Spitzelaffäre, Datenskandal, Großbaustelle USA – der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ulrich Lehner, und sein Stellvertreter, Lothar Schröder, verschärfen die Kontrollen.

WirtschaftsWoche: Herr Lehner, Herr Schröder, der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom musste sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Spitzelaffäre, dem Datenskandal und diversen Rückschlägen in den USA beschäftigen. Wann ist die Telekom endlich ein erfolgreiches Unternehmen, das regelmäßig mit guten Zahlen aufwartet und ohne Skandale auskommt?

Lehner: Vor wenigen Tagen gab es eine Schlagzeile in den Tageszeitungen, die lautete: „Die Telekom hat das beste Mobilfunknetz in Deutschland.“ Es gibt also auch gute Nachrichten über die Telekom. Ich hoffe sehr, dass diese zunehmen und die schlechten abnehmen. Wir arbeiten im Aufsichtsrat intensiv daran, dass die Probleme, die wir in der Vergangenheit hatten, die Probleme der Vergangenheit bleiben.

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Schröder: Ich wäre froh, wenn ich öfter mit Institutionen zu tun hätte, die so nachdrücklich aus solch einer brenzligen Situation gelernt haben wie die Deutsche Telekom. Die Firma hat sich das Vertrauen bei den Kunden und Mitarbeitern zurückerworben durch die Art und Weise, wie sie zum Beispiel die Bespitzelungsaffäre aufgearbeitet hat und heute die Prozesse neu gestaltet. Ich will nicht verharmlosen, aber in einem Unternehmen mit 230 000 Mitarbeitern gibt es immer schwarze Schafe, die gegen die Regeln einer guten Unternehmensführung verstoßen. Auf den Prozess der Selbstüberwachung und der Selbstheilung können wir heute ein Stück weit stolz sein.

Haben die Skandale die Arbeit des Aufsichtsrates verändert?

Lehner: Wir hatten vor der Bespitzelungsaffäre kein sehr gutes Vertrauensverhältnis. Das ist heute anders. Ich arbeite daran, dass dies so bleibt.

Schröder: Im Aufsichtsrat gibt es bei den Arbeitnehmervertretern und der Kapitalseite wieder eine große Bereitschaft zum Dialog. Der kann auch strittig sein – mit sehr kontroversen Positionen. Aber wichtig ist, dass das Argument der anderen Seite zählt und wir gemeinsam um die beste Idee ringen.

Altlasten sind und bleiben ein Problem der Telekom. Erst kürzlich verhagelte eine Abschreibung in Höhe von 7,4 Milliarden Euro auf die US-Tochter die Quartalsbilanz. Ist die Fusion mit dem Konkurrenten MetroPCS der erhoffte Befreiungsschlag?

Lehner: Wir hoffen, dass die Fusion mit MetroPCS sich auszahlt und damit eine gesunde wirtschaftliche Position in den USA erreicht werden kann. Die Synergien, die wir aus der Kombination erwarten, sind riesig und bewegen sich im Bereich von mehreren Milliarden Euro. Dadurch wird sich die Position der Deutschen Telekom in den USA deutlich verbessern.

Schröder: Warum sprechen Sie von Altlast?

Weil der damalige Telekom-Vorstand Ron Sommer zu viel für Voicestream, die Vorgängerfirma der heutigen US-Telekom-Tochter, bezahlt hat und nun gigantische Abschreibungen auf den Firmenwert erforderlich sind.

Schröder: Die Abschreibung ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wichtig ist, dass sich durch die Fusion mit MetroPCS die Marktposition in den USA deutlich verbessern wird. Das gemeinsame Unternehmen erreicht viel mehr Kunden und kann sich durch die Börsennotierung auch neue Finanzierungsquellen erschließen. Wir Gewerkschafter streiten mit dem Unternehmen noch über Arbeitnehmerrechte in den USA. Wir wollen, dass das dortige Agieren gegen Gewerkschafter aufhört, sich die Firma aus Gewerkschaftsanerkennungsverfahren raushält und sich das Arbeitsklima deutlich verbessert. Der Punkt ist noch offen. Aber insgesamt entwickelt sich das USA-Geschäft doch sehr positiv.

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