Bertelsmann kauft bei Random zu: Schlüsselposition für Gütersloher

Bertelsmann kauft bei Random zu: Schlüsselposition für Gütersloher

, aktualisiert 11. Juli 2017, 13:27 Uhr
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Bertelsmann erhöht die Anteile.

von Catrin BialekQuelle:Handelsblatt Online

Der Medienkonzern Bertelsmann stockt seinen Firmenanteil an Penguin Random House auf 75 Prozent auf. Das Buchgeschäft liegt in der DNA der Gütersloher – und soll für kräftige Umsatzsteigerung sorgen.

Düsseldorf„Dies ist ein guter Tag für Penguin Random House.“ Mit diesem Satz ließ sich am Dienstag Markus Dohle, Chef des weltgrößten Buchverlages Pengiun Random House, zitieren. Gut, weil nach fast genau vier Jahren der Mehrheitseigener Bertelsmann seine Firmenanteile von 53 auf 75 Prozent erhöht. Eine 100-prozentige Aufstockung stand offenbar nicht zur Debatte – der Minderheitseigener, der britische Medien- und Bildungskonzern Pearson, behält ein Viertel der Firmenanteile.

Beide Eigentümer hatten sich im Frühsommer auf eine Gesamtbewertung des Unternehmens in Höhe von 3,55 Milliarden Dollar verständigt, das ergibt einen Kaufpreis von 780 Millionen Dollar, umgerechnet 700 Millionen Euro, für den 22-Prozent-Anteil, den Bertelsmann nun erworben hat. Die Summe sei aus „vorhandener Liquidität finanziert worden“, hieß es bei Bertelsmann. Die Anteilsübernahme steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Freigaben.

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Für Penguin Random House ändert sich – so versicherte es Bertelsmann – nichts. Dohle, der das in New York ansässige Unternehmen seit der Fusion von Penguin und Random House im Juli 2013 führt, bleibt weiterhin an der Spitze. „Das ist und bleibt einer der schönsten Jobs der Medienwelt in einem großartigen Unternehmen mit tollen Kollegen und einzigartigen Autoren“, sagte Dohle.

Penguin Random House umfasst 250 unabhängig voneinander agierende Verlage, darunter in Deutschland beispielsweise C. Bertelmann, Goldmann, Heyne, Knaus und Siedler. Zu den Autoren der Gruppe gehören Bestseller-Autoren wie John Grisham und Dan Brown, aber auch das frühere US-Präsidentenpaar Michelle und Barack Obama, das seine Memoiren bald auf den Markt bringt. In diesem Herbst werden Grisham und Brown kurz hintereinander ihre neuen Romane veröffentlichen – Penguin Random House rechnet mit einem guten Jahr 2017.

Das Buchgeschäft ist die unternehmerische Heimat des Gütersloher Buchverlages Bertelsmann. Mit der Aufstockung stärkt Konzernchef Thomas Rabe eindeutig das Kerngeschäft – gleichwohl ist es nur eines von insgesamt acht Unternehmensbereichen. „Wir sind mit der Mehrheit von 75 Prozent am Ziel“, sagte Rabe am Dienstag.

Dass Bertelsmann nicht die vollständigen Firmenanteile erwirbt, ist allerdings eher die Ausnahme. Während der Konzern 100 Prozent an der Verlagstochter Gruner + Jahr, an der Printing Group, der Musiktochter BMG oder der Dienstleistungssparte Arvato hält, liegt der Firmenanteil lediglich bei der TV-Tochter RTL ebenfalls bei 75 Prozent.

Rabe erkennt in dem Festhalten Pearsons an dem weltgrößten Buchverlag ein Indiz „für den Wert und den Erfolg“ an dem Unternehmen. Pearson hatte nach einem Milliardenverlust 2016 Einsparungen und Geschäftsverkäufe angekündigt. An der Börse kletterte die Pearson-Aktie kurz nach dem Handelsstart um rund 2,4 Prozent.

Rabe verwies darauf, dass das Buchgeschäft für Bertelsmann „identitätsstiftend“ sei: Im Jahr 1835 gründete der Drucker und Buchbinder Carl Bertelsmann den C. Bertelsmann Verlag in Gütersloh. Doch neben dem Gründungsmythos sieht Rabe handfeste wirtschaftliche Vorteile: „Darüber hinaus ist die Transaktion wirtschaftlich attraktiv, da der Ergebnisanteil der Bertelsmann-Aktionäre um mehr als 60 Millionen Euro steigen wird.“


Gütersloher gewinnen an Einfluss

Das Buchgeschäft schwächelte im vergangenen Jahr allerdings. Während Bertelsmann-Töchter wie RTL, Arvato und BMG kräftige Umsatzzuwächse meldeten, ging bei Penguin Random House der Umsatz um 9,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Das Betriebsergebnis sank um 3,6 Prozent auf 537 Millionen Euro. Gründe für die Negativentwicklung waren Beteiligungsverkäufe, die Abwertung des britischen Pfunds infolge der Brexit-Entscheidung sowie die Verkaufstaktik von Amazon.

Der Onlinehändler hatte in früheren Jahren die Bücher mit hohen Rabatten verkauft und damit den Umsatz erhöht. Im vergangenen Jahr seien die Verkaufspreise wieder auf ein Normalmaß zurückgekehrt, das wiederum ließ den Umsatz sinken, hieß es bei Bertelsmann. Insgesamt setzt Bertelsmann mit allen acht Bereichen rund 17 Milliarden Euro im Jahr um.

Mit der strategischen Dreiviertel-Mehrheit sichert sich Bertelsmann mehr Governance-Rechte bei Penguin Random House und besetzt künftig vier Sitze im Board of Directors der Buchverlagsgruppe. Minderheitsgesellschafter Pearson begnügt sich mit zwei statt bisher drei Sitzen – und verliert das Recht, den Chairman des Board zu stellen. „Auch diese Schlüsselposition werden wir nun besetzen“, sagte Rabe.

Aber es ist nicht nur der Vorsitz im Board von Penguin Random House, der eine Schlüsselposition für die Gütersloher bereithält. Die Expansion nach Amerika steht bei Bertelsmann weit oben in der Agenda. Mit dem stärkeren Einfluss bei der Buchtochter, die eine dominante Rolle im amerikanischen und internationalen Buchmarkt einnimmt, macht der Gütersloher Konzern einmal mehr deutlich, dass die heimischen Gefilde längst nicht mehr ausreichen. Das Inhalte-Geschäft, wozu auch die TV-Tochter RTL oder die Musiktochter BMG beitragen, kann sich nicht mehr nur auf den deutschen Markt beschränken, sondern muss groß – und international – denken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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