SAP-Chef Bill McDermott: "Daten gehören den Kunden – auch in China"

ThemaSAP

Bill McDermott: "Daten gehören den Kunden – auch in China"

Bild vergrößern

SAP-Chef Bill McDermott.

von Michael Kroker und Astrid Maier

Der SAP-Vorstandschef Bill McDermott hat auch im achten Jahr an der Spitze des Softwarekonzerns große Pläne. Ein Gespräch über Wachstumsambitionen, deutsche Digitalpolitik – und warum er mehr verdient als jeder andere Dax-CEO.

WirtschaftsWoche: Mr. McDermott, seit Ihrem Amtsantritt 2010 hat sich der Börsenwert von SAP auf 100 Milliarden Euro verzweieinhalbfacht. Kein deutscher Konzern ist wertvoller. Kürzlich sagten Sie, dass auch 300 Milliarden drin seien. Sind Sie ein Träumer?

Bill McDermott: Ein Unternehmenslenker kann doch nicht tiefstapeln. Meine Aufgabe ist es, die 86.000 Frauen und Männer bei SAP zu motivieren, die ihrerseits Träume haben. Sie erwarten, dass ich als Vorstandschef ambitionierte Ziele setze. Und wenn Sie die Wachstumsraten von SAP betrachten, gibt es keinen Grund, warum wir das Ziel einer Marktkapitalisierung von 300 Milliarden Euro nicht erreichen sollten.

Anzeige

Wann wird es so weit sein?
Wir haben bewusst kein Datum genannt, aber wir sind uns sicher, das Ziel erreichen zu können. Und die Zahlen für Umsatz und Gewinn und die Prognosen bis 2020, die wir bereits öffentlich verkündet haben, zeigen, dass wir nicht mehr weit davon entfernt sein dürften.

Zur Person

  • Bill McDermott

    McDermott, 56, steht seit Mai 2014 allein an der Spitze des Weltmarktführers für Unternehmenssoftware, nachdem er SAP zuvor als Co-CEO mit Jim Hagemann Snabe geführt hatte. Mitte 2015 verlor er bei einem Unfall sein linkes Auge, führte SAP aber die ganze Zeit über weiter.

Der Aktienkurs soll sich also innerhalb von drei Jahren nochmals verdreifachen. Das ist ein sehr ambitionierter Zeitplan.
Die Kapitalmärkte entscheiden letztlich über den Wert einer Aktie, darauf haben wir nur begrenzt Einfluss, und daher kann ich auch keinen genauen Zeitpunkt angeben. Für uns ist es vor allem wichtig, dass wir bis 2020 unsere Unternehmensziele erreichen. Wir wollen den Umsatz von heute 18 Milliarden auf 28 bis 29 Milliarden Euro und den operativen Gewinn von zuletzt 6,6 Milliarden auf 8,5 bis 9 Milliarden Euro steigern. Wenn wir hier liefern – und das werden wir –, wird unsere Marktkapitalisierung entsprechend nachziehen.

Trotz Optimismus und Aktienhoch haben sich einige Aktionäre auf der Hauptversammlung neulich über Ihr Gehalt beschwert. Sie haben zuletzt 14 Millionen Euro und damit mehr als jeder andere Dax-Chef verdient. Sind Sie wirklich so viel wert?
Das ist eine kulturell geprägte Debatte. In Deutschland gelten bei der Entlohnung andere Benimmregeln als etwa in den USA. Der Großteil der Bezahlung des gesamten SAP-Vorstands ist eng an das Erreichen unserer Unternehmensziele und an den Aktienkurs gekoppelt. Wenn der Kurs nicht steigt, verdienen wir weniger. Das ist ein transparentes System und geht für mich in Ordnung.

Würden Sie auch für weniger arbeiten?
Verglichen mit dem, was amerikanische Vorstände in unserer Branche verdienen, ist mein Gehalt immer noch signifikant niedriger. SAP kann sich einfach auch keine überproportional unattraktiven Gehälter leisten. Denn dann könnten wir nicht die Talente anheuern und halten, die wir brauchen.

Kursentwicklung der SAP-Aktie seit Amtsantritt von Bill McDermott.

Kursentwicklung der SAP-Aktie seit Amtsantritt von Bill McDermott.

Das Argument bringen deutsche Vorstände immer, um ihre hohen Einkommen zu rechtfertigen. Warum sind Sie bei SAP, wenn Sie anderswo mehr verdienen könnten?
Weil ich SAP als meine Familie betrachte. Ich arbeite hier seit nunmehr 15 Jahren. Ich habe mich schon geehrt gefühlt, als mich Aufsichtsratschef und Mitgründer Hasso Plattner 2002 persönlich als Chef von SAP Nordamerika angeheuert hat – und noch mehr, als ich erst Co-Vorstandschef und schließlich 2014 alleiniger CEO wurde. Dass ich inzwischen seit mehr als sieben Jahren an der Spitze von SAP stehe, macht mich sehr stolz. Es gibt für mich wichtigere Dinge, als mein Gehalt zu maximieren.

Obwohl bei SAP alles so gut läuft, haben Sie einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende verhängt. Warum müssen ausgerechnet Sie sparen?
Wir haben bereits in der ersten Jahreshälfte mehr als 7000 neue Mitarbeiter eingestellt – das waren mehr als geplant. Und wir stellen weiter ein. Aber wir priorisieren stärker und achten darauf, dass wir vor allem in der Entwicklung und im Vertrieb einstellen. Auch ein Unternehmen, bei dem es gut läuft, muss diszipliniert agieren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%