Blackberry: Vom Hoffnungsträger zum Totengräber

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Blackberry: Vom Hoffnungsträger zum Totengräber

von Matthias Hohensee

Der gebürtige Deutsche Thorsten Heins sollte Blackberry retten. Doch die vorfristig bekanntgegebenen Quartalszahlen zeigen, dass die Lage hoffnungslos ist.

Als Thorsten Heins im Januar 2012 zum Vorstandschef des angeschlagenen kanadischen Handy-Herstellers Blackberry – damals noch Research in Motion – befördert wurde, säte er Hoffnung. Ganz wie es sich für einen neuen Chef gehört. „Ich habe alle Zutaten, um dieses Unternehmen in eine großartige Zukunft zu führen“, lobte er seine Mitarbeiter. Der gebürtige Deutsche war eine überraschende Wahl. Seine Vorgänger, Firmengründer Mike Lazaridis und dessen Geschäftspartner Jim Balsillie galten als die prominentesten Unternehmer Kanadas. Obwohl Heins schon seit 2007 für Research in Motion arbeitete, war er nur Insidern bekannt.

Nun ist Heins in Kanada ein Begriff. Allerdings kein positiver. Der jugendlich wirkende Ingenieur aus Deutschland wird nicht wie erhofft als der Retter, sondern als der Totengräber des vor kurzem noch wichtigsten Hightech-Unternehmens Kanadas in die Geschichte eingehen. Spätestens seit Freitagabend ist das klar. Da gab Blackberry vorab schon mal einen Einblick in die Zahlen des jüngsten Quartals, die offiziell erst Freitag nächster Woche gemeldet werden. Zu viel war schon vorher durchgesickert, wie der geplante Abbau von weiteren 4500 Mitarbeitern. Das Ergebnis ist noch katastrophaler als erwartet.

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Stellenabbau Blackberry wird allein kaum überleben können

Endlich haben die Kanadier zeitgemäße Produkte. Die will allerdings kaum jemand kaufen. Die nächste Woche verheißt neue Hiobsbotschaften. Eine Komplettübernahme kann das Unternehmen noch retten.

Quelle: dpa

Weil vor allem sein Smartphone Z10 wie Blei in den Regalen liegt oder wieder von Käufern wieder zurückgegeben wird, muss das Unternehmen eine massive Wertberichtigung von wahrscheinlich 960 Millionen Dollar vornehmen. Das wiederum verursacht einen Quartalsverlust von knapp einer Milliarde Dollar, bei gerade mal 1,6 Milliarden Dollar Umsatz. Auch der ist dramatisch abgerutscht. Im Vorjahresquartal betrug er noch 2,8 Milliarden Dollar. Blackberrys Quartalsverlust ist damit größer als der des gesamten Geschäftsjahres 2012, in dem 646 Millionen Dollar miese anfielen. Mit anderen Worten: Eine Katastrophe. Es ist für die stolzen Kanadier bitter, dass diese düstere Offenbarung ausgerechnet an dem Tag bekannt wird, an dem sich weltweit die Fans des Erzkonkurrenten Apple die Füße für dessen aufgerüstete iPhone 5 Reihe plattstehen. Die Aktie fiel nach Bekanntgabe der katastrophalen Zahlen um 17 Prozent.

Vor allem aber geht Blackberry so langsam das Geld aus. Das Unternehmen hat dank ehemals fetter Jahre zwar keine Schulden, aber nur noch etwa 2,5 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Viel schlimmer ist jedoch, dass keine Zukunftsstrategie erkennbar ist.

Blackberry will jetzt seine Modell-Palette vereinfachen und sich wieder stärker auf Unternehmenskunden fokussieren. Doch da die Grenzen zwischen privater und geschäftlicher Nutzung immer mehr verschwimmen, ist das leichter gesagt als getan. Das eigene Handy auch fürs Geschäft zu nutzen – nach dem Motto „Bring your own device“ - mag bei IT-Verantwortlichen wegen der Sicherheitsrisiken unpopulär sein. Doch das Rad lässt sich schwer zurückdrehen.

Auch das Geschäft mit der Software scheint derzeit still zu stehen. Eigentlich wollte Blackberry am Wochenende den hauseigenen Messenger für Android und iOS veröffentlichen. Kurzfristig wurde die Bereitstellung der App jedoch gestoppt, wie das Internetmagazin Golem berichtete. Die Hintergründe dazu sind unklar. Blackberry selbst behauptete im Konzern-Blog, dass die Android-Version ohne Freigabe der Kanadier im Google-Store erschienen sei.

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