Call-by-Call: Die Sparvorwahl lebt immer noch

Call-by-Call: Die Sparvorwahl lebt immer noch

, aktualisiert 04. Februar 2017, 12:51 Uhr
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Sparvorwahlen sind nicht mehr so beliebt wie früher. Heute sind andere Kommunikationswege im Trend.

Quelle:Handelsblatt Online

Sparvorwahlen waren einst beliebt, um die Gebühren für Telefonate zu drücken. Skype, WhatsApp und Flatrates machen solche Dienste heute eigentlich überflüssig. Doch Call-by-Call hält sich hartnäckig.

Köln/BonnAchselzucken in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom: „Keine Ahnung“, heißt es auf Nachfrage. Dabei müsste es der Branchenriese eigentlich genauer wissen, wie es um das sogenannte Call-by-Call steht. Diese Billigvorwahlen, die mit den Ziffern 010 beginnen und jedes Mal der eigentlichen Rufnummer vorangestellt werden, haben es einst geschafft, die Telekom vom hohen Ross des Monopols in den Wettbewerb zu stoßen. Das war vor fast 20 Jahren. Doch wer braucht diese Sparvorwahlen heute eigentlich noch?

Die Telekom selbst hatte eine eigene Billigvorwahl schon vor 15 Jahren mangels Interesse eingemottet. Und bei Telefónica wird das Call-by-Call als „historisches Relikt“ nur noch müde belächelt. Doch die Telekom ist als ehemaliger Monopolist nach wie vor verpflichtet, Call-by-Call zu ermöglichen. Vor allem bei Auslandsgesprächen seien solche Sparvorwahlen eine günstige Alternative, heißt es beispielsweise beim Online-Ratgeber Teltarif.

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Kein Wunder, dass immer noch viele kleine Anbieter um die Gunst der Kundschaft buhlen. Hansestar, Freenet, Fon4u oder Ventelo, Prompt, Callax oder einfach nur Telefondienste.de nennen sich die Firmen, die in diesem rückläufigen Geschäft immer noch Umsatz machen. Mit über 60 verschiedenen Vorwahlen, die zum Teil mehrfach bei einem Anbieter liegen, herrscht ein Tarifdschungel, der ohne Tarifrechner, -ratgeber und Tariftabellen kaum zu überschauen ist.

Kunden nutzten Call-by-Call entweder als preiswerte Alternative für alle Gespräche oder für spezielle Auslandsvorwahlen, die in den aktuellen Flatrates nicht eingeschlossen seien, heißt es beim Anbieter Freenet. „Hier ist und bleibt Call-by-Call technisch und von der Abrechnung her die einfachste Lösung“. Doch auch Freenet räumt ein: „Das Geschäft ist rückläufig und kein strategisches Produkt mehr“


Das letzte Arcor-Relikt

Beim Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Vodafone ist Call-by-Call keineswegs tot. Es ist vermutlich das einzige Produkt des Unternehmens, das im Internet noch unter dem alten Namen Arcor als Marke gepflegt und von Kunden genutzt wird. Doch mehr als ein kleines Zusatzgeschäft ist dieser Bereich kaum.

Bedrängt wird die Vorwahl für Sparfüchse vor allem durch das schnelle Internet und das verändertes Kommunikationsverhalten der Verbraucher. Texte via Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook & Co laufen der Sprache den Rang ab. Zum Telefonieren, Surfen und Fernsehen buchen die Kunden Doppel- oder Dreifachpakete (Telefonieren, Surfen, TV) und abonnieren Auslandsoptionen dazu. Der Datenverkehr wird mehr und mehr zur Haupteinnahmequelle.

Unmissverständlich stellt die Bundesnetzagentur fest: „Die Gesprächsminuten sind seit Jahren rückläufig“. Trotzdem – Call-by-Call hält sich hartnäckig. Vor allem die ältere Generation, aufgewachsen mit dem Telefon und dem Internet eher skeptisch zugewandt, halte an diesen Gewohnheiten fest, meint Bettina Seute von Teltarif.de. „Sie reagieren sehr sensibel, wenn die Preise in den Tariftabellen nicht stimmen“, berichtet sie.

Ganz verschwunden sind die Sparvorwahlen tatsächlich noch nicht: So registrierte die Bundesnetzagentur 2015 noch 4 Milliarden Gesprächsminuten mit Sparvorwahlen, wobei rund 700.000 Kunden die Billigvorwahl fest eingestellt hatten. Das war ein Anteil von immerhin 6 Prozent am gesamten Gesprächsvolumen, das auf die Wettbewerber der Telekom entfiel. 2010 hatte das Gesprächsvolumen aber dreimal so hoch und bei einem Anteil von 13 Prozent gelegen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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