Chef vor Rücktritt: Toshiba-Bilanzskandal weitet sich aus

Chef vor Rücktritt: Toshiba-Bilanzskandal weitet sich aus

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Toshiba-Chef Hisao Tanaka: Rückzug für September erwartet.

Über Jahre hat Toshiba zu viel Gewinn ausgewiesen. Wegen der Milliarden-Lasten in der Bilanz baut der japanische Mischkonzern hohe Rückstellungen auf. Experten erwarten auch den Rücktritt von Konzernchef Tanaka.

Der größte japanische Bilanzskandal seit Jahren weitet sich immer mehr aus. Der Technologiekonzern Toshiba werde wegen falscher Zahlen in den Büchern der vergangenen sechs Jahre wohl insgesamt Rückstellungen von 300 bis 400 Milliarden Yen (2,2 bis 3 Milliarden Euro) bilden müssen, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen am Mittwoch zu Reuters. Zudem werde Konzernchef Hisao Tanaka im September zurücktreten. Dann könne auch mehr als die Hälfte des Direktoriums ausgetauscht werden.

Der Skandal hatte im April seinen Lauf genommen, als Toshiba erklärte, Kosten für einige Projekte könnten zu niedrig angesetzt gewesen sein. Eine Prüfung durch externe Gutachter ergab inzwischen, dass das Unternehmen über Jahre insgesamt mehr als 170 Milliarden Yen zu viel Gewinn ausgewiesen hat. Zunächst hatte der Konzern nur von 50 Milliarden gesprochen. Dazu kommen Insidern zufolge noch bis zu 230 Milliarden Yen für Abschreibungen. Wie viel davon Toshiba noch im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchen will, blieb zunächst offen. Der Konzern hat wegen des Skandals bislang noch keine Bilanz für 2014/15 vorgelegt.

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Die zehn größten IT-Übernahmen weltweit nach Kaufpreis

  • Platz 10

    Im Jahr 2010 schluckte Microsoft die norwegische Suchmaschine Fast. Das 1997 gegründete Unternehmen ist auf Suchmaschinenprogramme für Firmenkunden spezialisiert. Der Kaufpreis soll 1,2 Milliarden US-Dollar betragen haben.
    Quelle: Statista

  • Platz 9

    2006 übernahm Google Youtube für 1,65 Milliarden US-Dollar. Youtube, damals noch ein defizitäres Start-Up-Unternehmen, war für Google zu diesem Zeitpunkt der teuerste Kauf in der achtjährigen Firmengeschichte.

  • Platz 8

    2014 überrasche Facebook Branchenkenner mit dem Kauf von von Oculus VR. Zwei Milliarden US-Dollar zahlte Facebook für den Hersteller von VR-Brillen, die speziell für PC-Spiele ausgelegt sind. Mit dem Unternehmen hat Mark Zuckerberg großes vor. „Oculus hat die Chance, die sozialste Plattform überhaupt zu werden“, sagte er anlässlich der Übernahme.

  • Platz 7

    Nur ein Jahr nach der Youtube-Übernahme kaufte Google für sage und schreibe 3,1 Milliarden US—Dollar den Anzeigenriesen Doubleclick. Auch Microsoft, AOL und Yahoo waren interessiert, hatten allerdings das Nachsehen. Schon vor dem Zukauf hatte Google die führende Stellung im Geschäft mit der Internet-Werbung inne. Mit der Übernahme konnte Google diese Position noch weiter ausbauen.

  • Platz 6

    Ähnlich viel wie für Doubleclick zahlte Google für den Kauf Nest Labs: 3,2 Milliarden US-Dollar. Die Firma, die smarte Thermostate und Rauchmelder herstellt hat für Google ein ganz besonderes Potenzial: Sie ermöglicht Google das Sammeln von Daten in der analogen Welt.

  • Platz 5

    Nur einen Monat, nachdem Google Microsoft Doubleclick vor der Nase weg kaufte, legte Microsoft 2007 nach und kaufte für 6,3 Milliarden US-Dollar Aquantive – einen Wettbewerber Doubleclick. Für Microsoft war das bis dato der größte Zukauf der Firmengeschichte. Letztendlich war es ein Flop für Microsoft.

  • Platz 4

    Im Jahr 2013 kaufte Microsoft für 5,4 Milliarden US-Dollar die Handysparte von Nokia. Bereits seit 2011 hatten beide Unternehmen zusammengearbeitet – Nokia war der wichtigste Hersteller für Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone.

  • Platz 3

    2011 tätigte Microsoft den bis dato teuersten Kauf seiner Firmengeschichte: Für 8,5 Milliarden US-Dollar übernahm Microsoft den Online-Telefondienst Skype. Rentiert hat sich das bis heute nicht. Skype fehlt es an zahlenden Kunden.

  • Platz 2

    Im August 2011 kündigte Google an, den Mobilfunk-Pionier Motorola Mobility zu übernehmen. Insgesamt 12,5 Milliarden US-Dollar zahlte Google dafür. Interessant seien für Google nach eigenen Angaben vor allem das 17.000 Eintragungen umfassende Patentportfolio Motorolas gewesen. Die Liasion hielt nicht lange. 2014 verkaufte Google das Unternehmen für knapp drei Milliarden US-Dollar an Lenovo.

  • Platz 1

    Im Februar 2014 kündigte Facebook an, den Messanger-Dienst Whatsapp zu übernehmen. Der damalige Kaufpreis: 19 Milliarden US-Dollar. Facebook hat Whatsapp wegen des schnell Nutzerzuwachs übernommen. Mittlerweile hat Whatsapp 700 Millionen Nutzer weltweit.

Insidern zufolge dürften die externen Gutachter Toshiba nahelegen, die Unternehmensführung umzukrempeln. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte, noch sei über das Vorgehen nicht entschieden. Man warte auf das Ergebnis des Gutachtens. Damit wird kommende Woche gerechnet. Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf die von der Regierung unterstützten Bemühungen, das Management japanischer Unternehmen zu verbessern.

Toshiba ist vor allem für seine Laptops bekannt, baut aber auch Atomkraftwerke. Insidern zufolge vermuten die Gutachter eine Ursache des Bilanzskandals darin, dass die Konzernführung nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 für andere Sparten zu ambitionierte Ziele ausgab. Dies könnte Manager dazu verleitet haben, die Einnahmen zu über- und die Kosten zu unterschätzen. Die Kontrolleure gingen auch der Frage nach, ob das Top-Management dazu bewusst ermutigte. Seit Bekanntwerden des Skandals verloren Toshiba-Aktien rund ein Viertel an Wert.

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