Chinesischer IT-Riese expandiert: Die riskante Strategie von Lenovo

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Chinesischer IT-Riese expandiert: Die riskante Strategie von Lenovo

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Ein Schritt vorwärts, zwei zurück Lenovo-Chef Yang gilt als chinesischer Top-Manager mit der ausgeprägtesten West-Orientierung.

von Philipp Mattheis

Lenovo ist der größte PC-Hersteller der Welt und eines der wenigen chinesischen Unternehmen, denen der Aufbau einer internationalen Marke gelungen ist. Jetzt greift der Konzern nach der nächsten Branche.

Der Saal ist dunkel, das Publikum mucksmäuschenstill. Nur die Stimme einer Moderatorin hallt durch den großen Ballsaal des Hilton Hotels im zentralchinesischen Wuhan. „Er ist hier“, sagt die bekannte TV-Moderatorin. „Gleich spricht YY zu uns!“ Das Kürzel genügt – jeder hier weiß, wer „YY“ ist. Dann ertönt eine Fanfare, Scheinwerfer leuchten auf, als ein schlanker, hochgewachsener Mann die Bühne betritt, junge Frauen im Publikum können vor Aufregung nicht mehr still sitzen und kreischen.

YY, ausgesprochen „Waiwai“, das ist Yang Yuanqing, der Boss von Lenovo. Der Konzern aus China, der sich unter anderem die PC-Sparte des US-Konzerns IBM und den deutschen Computerbauer Medion einverleibte, ist nicht nur der größte seiner Branche und will noch weiter wachsen, weshalb Yang hier in Wuhan die Belegschaft auf die verstärkte Expansion nach Europa und in die USA einschwört.

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Der 49-Jährige hat sich noch mehr vorgenommen: Lenovo soll auch weltgrößter Smartphone-Hersteller werden. In China hat er den globalen Spitzenreiter Samsung schon überholt. Weltweit liegt Lenovo mit knapp 16 Millionen verkauften Smartphones im vergangenen Quartal zwar erst auf Platz vier hinter Samsung, Apple und Huawei, ebenfalls aus China. Doch der Schalter ist umgelegt: Googles Handysparte Motorola kommt vorbehaltlich des Segens der Kartellbehörden unter das Lenovo-Dach.

Nur wenige Autominuten entfernt vom Hilton, in dem Yang seine weiblichen Landsleute betört, hat er umgerechnet 800 Millionen US-Dollar in eine gigantische Fabrik gesteckt, die jährlich bis zu 40 Millionen hochgezüchtete Mobiltelefone ausspucken soll. Um weltweit für Aufmerksamkeit zu sorgen, spannt Yang seit Oktober 2013 den US-Schauspieler Ashton Kutcher als „Product Manager“ ein.

Yangs neue Masche und das teure Investment sind eine riskante Wette auf die Zukunft: Gute Telefone gibt es viele – doch reicht die Bekanntheit der Marke Lenovo, um auch im Milliardenmarkt Smartphones mehr als ein Wörtchen mitzureden?

Vom Arbeiter zum Chef

Wenn Experten es einem chinesischen Unternehmer zutrauen, zum Inhaber einer weiteren weltbekannten Marke aufzusteigen, dann ist das Yang und Lenovo. Der einst namenlose Elektronikfertiger aus Peking bringt Voraussetzungen mit, die kaum ein anderes chinesisches Unternehmen bieten kann. Yang ist heute in mehr als 60 Ländern aktiv, seine Produkte werden in 160 Ländern verkauft, der Konzern mit 46.000 Mitarbeitern machte im Geschäftsjahr 2013/14 bei 38,7 Milliarden US-Dollar Umsatz 817 Millionen Gewinn. Selbst 30 Prozent der Deutschen kennen die Marke bereits, so viele wie bei keiner anderen chinesischen Firma.

Dabei ist Lenovo erst 30 Jahre alt. 1984 gründete eine Gruppe junger Computerwissenschaftler um den heute 70-jährigen Informatiker Liu Chuanzhi ein Unternehmen namens Legend, um PCs zu fertigen. Die Beteiligten sind Mitglieder der Chinese Academy of Sciences (CASS), einem Thinktank der Regierung in Peking. 25.000 Dollar soll das Startkapital damals betragen haben. CASS hält bis heute ein Drittel an der Legend Holding und die wiederum ein Drittel an Lenovo.

Lenovo-Chef Yang Yuanqing "Wir wollen überall größer werden"

Der Lenovo-Chef will auch bei Mobiltelefonen an die Spitze.

Quelle: REUTERS

Yang ist beim Start nicht dabei, sondern heuert 1989 im Alter von 24 Jahren an. Er wächst auf in Armut während der Kulturrevolution, als Intellektuelle zu körperlicher Arbeit aufs Land umgesiedelt werden. Yang studiert Informatik und arbeitet bei Legend zunächst im Vertrieb für kärgliche 30 US-Dollar im Monat. Yang fällt Legend-Mitgründer Liu als Denker und Stratege auf. Vier Jahre später macht der ihn zum Chef der PC-Sparte.

Coups in der PC-Sparte

Der neue Herr über die Computer nutzt den Job für seine zweite Kulturrevolution. Bei Lenovo arbeiten die Angestellten noch nach dem einstigen Motto am chinesischen Hof: „Abwarten, bis man erkennen kann, was der Kaiser wünscht.“ Eigenverantwortung und Engagement sind vielen Mitarbeitern fremd. Das ändert Yang. Er schafft Titel ab und ermutigt die Mitarbeiter, sich mit Vornamen anzureden. Bis heute, sagt Yang, wolle er drei Eigenschaften seiner Mitarbeiter fördern: Eigenverantwortung, Pioniergeist und Verbindlichkeit.

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