
MünchenDie Kantine der Deutschland-Zentrale von Intel im Münchener Vorort Feldkirchen reichte bis vor kurzem noch völlig aus, wenn sich die Mitarbeiter des Chipkonzerns zur Betriebsversammlung oder Weihnachtsfeier trafen.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Über Jahrzehnte war die Bundesrepublik für den größten Halbleiterhersteller der Welt vor allem ein wichtiger Absatzmarkt. Entsprechend beschäftigte der Konzern hier insbesondere Verkäufer und Marketing-Experten.
Doch nun hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley zwischen Nordsee und Alpen zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsstandorte aufgebaut. Von 500 Mitarbeitern ist die Belegschaft innerhalb weniger Jahre auf 2500 gewachsen.
Doch das soll noch lange nicht das Ende sein. „Wir haben derzeit mehr als 350 freie Stellen“, sagte Deutschland-Chef Christian Lamprechter dem Handelsblatt. Erstmals in seiner Geschichte geht Intel deshalb hierzulande ganz gezielt auf die Personalsuche an den Hochschulen. „Wir brauchen vor allem Ingenieure und Entwickler“, erklärt Florian Wurzer, der das Mitarbeitermarketing betreibt.
Den größten Schub bei der Beschäftigtenzahl brachte der deutschen Filiale vergangenes Jahr die Übernahme des Mobilfunkgeschäfts des Münchener Halbleiter-anbieters Infineon: 1700 Experten stießen dazu.
Deutschland ist Knotenpunkte für viele Hersteller
Darüber hinaus baut die Firma Entwicklungszentren auf, zuletzt eines für das Geschäft mit der Autobranche in Karlsruhe. Intel-Chef Paul Otellini kam persönlich zur Eröffnung der Labors Anfang des Jahres - und nannte auch gleich den Grund, warum er nicht lieber im günstigeren Asien Leute einstellt: „Wir profitieren von den führenden technischen Universitäten und vom gewachsenen Zusammenspiel von Hard- und Softwareanbietern.“ Außerdem sei Deutschland Knotenpunkt für viele Automobilhersteller sowie die Zulieferer. „Durch die Nähe zur Industrie können wir die Anforderungen der Branche besser verstehen.“
Dazu kommen neue Forschungskooperationen, zum Beispiel mit den Universitäten in Darmstadt und Saarbrücken.
Weltweit beschäftigt Intel gut 100.000 Mitarbeiter. Da fällt die gestiegene Zahl der Arbeitnehmer in Deutschland auf den ersten Blick kaum ins Gewicht. Allerdings wird das Bild dadurch verzerrt, dass ein großer Teil der weltweiten Belegschaft in Chipfabriken tätig ist. Hierzulande gibt es keine Werke.
Die meisten Angestellten in der Bundesrepublik sind wesentlich besser ausgebildet als in anderen Standorten und bekleiden strategisch wichtige Positionen. So sind die ehemaligen Infineon-Beschäftigten dafür verantwortlich, dass die Intel-Halbleiter ihren Weg in moderne Smartphones finden. Bislang sind sie dort kaum vertreten.
„Wir müssen rausgehen und uns bekanntmachen“
Intel fällt es aber nicht leicht, neue Leute zu finden. „Wir müssen rausgehen und uns bekanntmachen“, sagt Personalwerber Wurzer. So sei Intel zwar eine gute Marke. „Aber wir stehen mit anderen Top-Firmen im Wettbewerb um die besten Köpfe.“
Namhafte deutsche Halbleiterproduzenten wie Infineon oder Bosch sind stets auf der Suche nach qualifiziertem Personal und haben freie Stellen. Darüber hinaus sind zahlreiche ausländische Chipanbieter hierzulande vertreten, etwa Globalfoundries mit zwei großen Werken in Dresden oder der US-Wettbewerber Texas Instruments, der eine Fabrik in Freising vor den Toren von München unterhält und dort auch elektronische Bauteile entwickelt.
Ein abruptes Ende der Einstellungswelle werde es auch dann nicht geben, wenn sich die Konjunkturaussichten weiter verdüstern, verspricht Deutschland-Chef Lamprechter. „Wir werden zwar selektiver. Aber Intel hat schon immer auch in schwierigen Zeiten investiert.“
Momentan profitiert Intel bei seiner Personalsuche sogar vom schwachen Wirtschaftsverlauf in einigen südeuropäischen Ländern. Denn Lamprechter bekommt immer öfter Bewerbungen von jungen Leuten aus Krisenstaaten wie Griechenland oder Spanien zugeschickt, die gerne einen Job im Norden haben möchten. „Oft scheitert das aber daran, dass die Uni-Absolventen dort kaum Englisch können“, so Personalwerber Wurzer.
























