Chiphersteller: Bei Infineon sinkt die Laune

Chiphersteller: Bei Infineon sinkt die Laune

, aktualisiert 16. November 2011, 10:43 Uhr
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Infineon ist in Rekordlaune.

Quelle:Handelsblatt Online

Rekordjahre sind schön, doch sie haben den Haken, dass es danach meist abwärts geht. Dumm ist, wenn Boom kürzer dauert als der Abschwung. Wie bei Infineon. Nach den fetten Monaten, drohen dem Chiphersteller magere Jahre.

MünchenDie aufziehende Konjunkturkrise bringt die Renditen des bayerischen Halbleiterkonzerns Infineon unter Druck. Für das neue Geschäftsjahr stellte das Unternehmen aus Neubiberg bei München am Mittwoch einen Umsatzschwund und rückläufige Margen in Aussicht. „Wir sind natürlich nicht immun gegen Konjunkturschwankungen“, sagte Vorstandschef Peter Bauer. Langfristig seien die Wachstumsperspektiven seines Hauses aber nach wie vor gut.

Für das seit Oktober laufende Geschäftsjahr 2011/2012 prognostizierte Infineon einen Umsatzrückgang um die fünf Prozent. Die operative Marge werde auf etwa zehn bis 15 Prozent schrumpfen. Im abgelaufenen Jahr hatte der Wert noch fast 20 Prozent erreicht. Vor allem die schwächelnde Nachfrage nach Chips für Industrietechnik macht dem Konzern zu schaffen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Infineon bei einem Umsatz von knapp vier Milliarden Euro ein Betriebsergebnis von 736 Millionen Euro erwirtschaftet und dank des Verkaufs der Mobilfunktechnik an Intel einen Überschuss von 1,1 Milliarden Euro verbucht.

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Für das laufende Quartal äußerte sich der Chiphersteller noch pessimistischer als zuletzt im Oktober. Der Umsatz werde wegen der Schwäche im Industriegeschäft im Jahresvergleich um ein Zehntel schrumpfen, hieß es. Die Marge werde zwischen 13 und 14 Prozent liegen. Zur Dividende hielt sich Infineon bedeckt. Der Aufsichtsrat habe sich noch nicht mit dem Thema befasst, hieß es. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern seine Aktionäre mit zehn Cent je Aktie am Gewinn beteiligt.


Investitionen werden nicht gedrosselt

Wie seine Konkurrenten Fairchild, Texas Instruments oder ST Micro bekommt Infineon den Abschwung der klassischen Chipindustrie zu spüren. Durch die Ausrichtung auf die nach wie vor brummende Autobranche, die Industrie und Sicherheitschips will Bauer sein Haus allerdings unabhängiger von den mitunter starken Schwankungen der Halbleiterindustrie gemacht haben. Über den gesamten Zyklus hinweg will er eine Durchschnittsmarge von um die 15 Prozent halten.

Trotz des bevorstehenden Umsatzrückgangs drosselt Infineon seine Investitionen nicht. Wie im Vorjahr will der Konzern 887 Millionen Euro in die Zukunft seines Geschäfts stecken. „Das Unternehmen ist vom langfristigen Wachstumspotenzial seiner Zielmärkte überzeugt und sichert sich mit den geplanten Investitionen im Geschäftsjahr 2012 seine Wettbewerbsfähigkeit und weiteres Wachstum über das Jahr 2012 hinaus“, teilte Infineon mit.

 Ende Oktober hat der Halbleiterkonzern einen neuen Vorstand für Vertrieb und Strategie berufen und baut erneut seine Spartenstruktur um. Ab Januar rücke der bisherige Chef der Division Industrie und Multimarket (IMM), Arunjai Mittal, in das Führungsgremium auf, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der Vorstand werde so auf vier Personen erweitert.

 Der 40-jährige Inder Mittal solle sich vor allem um Wachstum in den asiatischen Märkten kümmern. „Voraussetzung für den weiteren Erfolg ist ein ausgeprägtes Verständnis künftiger Anforderungen unserer Kunden. Asien und hier besonders China bieten großes Marktpotential für Infineon. Deshalb hat sich der Aufsichtsrat entschlossen, einen weiteren Vorstand zu berufen, der die Marktdurchdringung besonders in den Wachstumsregionen weiter forciert“, erklärte Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber.


Umbau im Vorstand

Neben den Themengebieten Vertrieb, Marketing und Strategie übernimmt der Elektroingenieur Mittal, der nicht mit der gleichnamigen Stahl-Dynastie verwandt ist, überraschend auch die Verantwortung für Akquisitionen. Der frühere Finanzchef Marco Schröter hatte bei Infineon hingeworfen, weil er diese Kompetenz für sich beansprucht hatte, im Streit mit Vorstandschef Peter Bauer allerdings unterlegen war. Die weitreichende Befugnisse, mit denen Mittal ausgestattet wird, deutet daraufhin, dass er den 51-jährigen eines Tages Bauer beerben könnte.

 Zugleich spaltet Infineon das Segment IMM auf: Künftig gebe die Einheit Energiemanagement und Multimarket (PMM) und Industrielles Energiesteuerung (IPC). „Die Aufteilung des Geschäftsbereichs in zwei Divisionen ermöglicht es uns, bei starkem Wachstum und zunehmender Komplexität der Anwendungen, schneller und flexibler auf die Kundenwünsche und die Marktanforderungen zu reagieren“, erklärte Konzernchef Bauer.

Die häufige Zusammenlegung und Aufteilung von Geschäftssparten hat bei Infineon wie bei der einstigen Mutter Siemens lange Tradition. Im Durchschnitt werden die Segmente alle paar Jahre umorganisiert.

 Den Bereich IPC werde künftig Helmut Gassel leiten, der bislang an der Spitze des Chipkartensegments von Infineon steht. Seinen bisherigen Posten übernimmt Stefan Hofschen, der aus dem Automobilbereich des Konzerns kommt. Bei PMM rückt Peter Schiefer auf.

Quelle:  Handelsblatt Online
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