Datenschutz-Probleme: US-Handelsaufsicht geht gegen Facebook vor

Datenschutz-Probleme: US-Handelsaufsicht geht gegen Facebook vor

, aktualisiert 29. November 2011, 20:48 Uhr
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Die Schatten von Jugendlichen vor dem Schriftzug von Facebook.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Mit seinen beharrlichen Verstößen gegen den Datenschutz hat Facebook die US-Handelsaufsicht FTC auf den Plan gerufen. Diese verlangt nun harte Konsequenzen.

San FranciscoSchluss mit den Wild-West-Manieren: Die US-Handelsaufsicht FTC (Federal Trade Commission) hat der weltgrößten Social-Networkingseite Facebook verbindliche Auflagen für einen besseren Datenschutz gemacht. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Palo Alto hat dem zugestimmt, um ein förmliches Verfahren zu vermeiden und wird zusätzlich auf Dauer von 20 Jahren seine Datenschutzpraxis durch unabhängige Experten überprüfen lassen. Eine ähnliche Vereinbarung zum Datenschutz wurde 2010 bereits mit Google getroffen. Durch die Einigung mit der Aufsichtsbehörde gewinnt Facebook zusätzliche Sicherheiten für den Geschäftsbetrieb, was sich positiv auf einen kommenden Börsengang auswirken kann, so Analysten.

Kein Internet-Unternehmen hat eine solche Historie an beharrlichen Datenschutzverletzungen wie Facebook. Es wurden wiederholt falsche Versprechungen zum Datenschutz gemacht, rügt die Aufsichtsbehörde,  gegebene Versprechen gebrochen und Änderungen in den Datenschutzeinstellungen der Nutzer vorgenommen, ohne deren Erlaubnis einzuholen. Die Liste der Vorwürfe gegen das 2004 von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen ist lang, und die Anwürfe wiegen schwer. „Facebook ist verpflichtet, die Zusagen zum Datenschutz einzuhalten, die es seinen hunderten Millionen Nutzern gemacht hat“, so Jon Leibowitz, Chairman der FTC. „Innovationen dürfen nicht auf Kosten der Privatsphäre der Konsumenten gehen. Die Maßnahmen der FTC werden das sicherstellen.“

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Im Detail wird Facebook untersagt, in Zukunft irreführende Angaben zur Datensicherheit und der Weitergabe von Daten zu machen. So hat Zuckerberg früher versprochen keine persönlichen Informationen mit Werbetreibenden zu teilen und es dann trotzdem getan. „Apps“, kleine Zusatzprogramme, sollten angeblich nur auf wenige Informationen zugreifen dürfen, in Wahrheit jedoch konnten sie sich praktisch frei im Datenbestand bedienen.


Druck in der EU

Weiterhin muss die ausdrückliche Zustimmung eingeholt werden, wenn Änderungen vorgenommen werden, die persönlichen Einstellungen zum Datenschutz überschreiben. Ende 2009 hatte Facebook ohne um Erlaubnis zu fragen die Einstellungen der Nutzer geändert und teilweise vorher gesperrte Informationen öffentlich gemacht.
Inhalte wie Postings, Videos oder Fotos müssen spätestens 30 Tage nachdem ein Nutzerkonto gelöscht worden ist vollständig gesperrt werden. Bislang sind viele Inhalte auch dann weiter sichtbar, wenn ein Nutzer sich endgültig abgemeldet hat.

Das Unternehmen wird weiterhin dazu verpflichtet ein Programm zur Erkennung und Bewertung von Datenschutzrisiken für bestehende und neue Produkte aufzubauen. Die Einhaltung der Vorschriften wird alle zwei Jahre von externen Experten überprüft, alle Änderungen die Facebook vornimmt müssen protokolliert und für die FTC einsehbar gespeichert werden.

Die Einigung ist ein Sieg für die Datenschützer des Electronic Privacy Information Center sowie andere Verbrauchergruppen, die die Beschwerden bei der FTC eingereicht hatten. Analysten bewerten den Vergleich als wichtiges Signal für den im zweiten Quartal 2012 angepeilten Börsengang. Sie gibt den Investoren mehr Sicherheit hinsichtlich des Geschäftsmodells von Facebook, das zum überwiegenden Teil auf personalisierter Werbung und der Weitergabe von Informationen an werbetreibende Unternehmen beruht. Facebook will den Informationen zufolge für zehn Milliarden Dollar Aktien ausgeben und strebt eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Dollar an.
In der Europäischen Union steht das Unternehmen weiterhin unter dem Druck von Datenschützern. Vor allem der „Gefällt mir“-Knopf wird kritisiert, weil mit seiner Betätigung weitreichendes Datenmaterial an die Webseite übermittelt wird, die den Knopf auf ihrer Seite hat. Daneben gibt es Kritik an der automatischen Gesichtserkennung in Fotos.


Quelle:  Handelsblatt Online
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