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„Der Medicus“: Deutsches Millionengeschäft mit dem Film

von Hans-Peter Siebenhaar Quelle: Handelsblatt Online

Die Filmgesellschaft Ufa investiert 26 Millionen Euro in die Verfilmung des Literatur-Bestsellers „Der Medicus“. Gedreht wird auf Englisch, die Vermarktung ist international. Ein britischer Filmstar dient als Zugpferd.

Die Schauspieler Tom Payne als Rob Cole (l) und Ben Kingsley als Ibn Sina posieren in Köln anlässlich der Dreharbeiten zu „Der Medicus“. Quelle: dpa
Die Schauspieler Tom Payne als Rob Cole (l) und Ben Kingsley als Ibn Sina posieren in Köln anlässlich der Dreharbeiten zu „Der Medicus“. Quelle: dpa

KölnEin abgeschlagener Schädel mit pechschwarzem Haar liegt inmitten einer Blutlache. Das Körperteil wurde im bezaubernden Ambiente des weitläufigen Palasts des Schahs von Persien zentimetergenau platziert. Im Studio 54 der Kölner MMC-Studios überlässt Regisseur Philipp Stölzl, der sich mit dem Bergdrama „Nordwand“ einen Namen gemacht hat, nichts dem Zufall.

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Denn bei der Verfilmung von Noah Gordons Bestseller „Der Medicus“ geht es um sehr viel Geld. 26 Millionen Euro investiert Ufa Cinema, die Filmtochter des Medienkonzerns Bertelsmann, in ihr bislang größtes Kinoprojekt. Internationale Filmstars wie Ben Kingsley („Gandhi“), Stellan Skarsgard („Melancholia“) und Olivier Martinez („Untreu“) wurden eingekauft.

Ufa-Chef Wolf Bauer hat lange um das teure Projekt gekämpft. Jahrelang besaß der Arzt und Bestseller-Autor Dietrich Grönemeyer, Bruder des Musikers Herbert Grönemeyer, die Filmrechte an dem Erfolgsroman. Doch aus den hochfliegenden Plänen einer Verfilmung wurde trotz zahlreicher Anläufe nichts. Schließlich waren die Rechte wieder frei, Bauer griff zu.

Die Abenteuergeschichte hat das Zeug zu einem Kassenknüller. Denn die literarische Vorlage war mit über 21 Millionen verkauften Büchern ein Welterfolg. Allein in Deutschland gingen sechs Millionen Exemplare über den Ladentisch.

Die Verfilmung ist ein Projekt der Superlative. Allein in das Set im Kölner Studio 54 investierte die UFA 800.000 Euro. Nach historischen Vorlagen wurde der persische Palast des 11. Jahrhunderts unter der Beratung von Geschichtswissenschaftlern nachgebaut.

Vor der Halle stehen Lastwagen voll mit opulenten historischen Kostümen. Es ist der 34. Drehtag von insgesamt 63. Bald geht es nach Marokko. Dort sollen die Dreharbeiten im September beendet werden.


Die Rechtehändler sind optimistisch

Ben Kingsley guckt im Kölner Palast-Set angestrengt und konzentriert. Der Oscar-Preisträger spielt den Arzt, Wissenschaftler und Philosophen Ibn Sina. Auf dem Hollywoodstar ruhen die Markthoffnungen. Der berühmte Brite ist das Zugpferd für den internationalen Verkauf des auf Englisch gedrehten Films.

Die ersten Erfahrungen der Rechtehändler sind unterdessen ermutigend. Die Nachfrage auf dem Filmmarkt im Frühjahr in Cannes war gut, obwohl es damals nur ein Drehbuch gab. „Der Film ist auf erhebliche Resonanz gestoßen“, berichtet Produzent Dirk Schürhoff von der Münchener Beta Film, die für den Verkauf der internationalen Filmrechte zuständig ist.

Die Geschichte des Films ist universell. Der „Medicus“ ist die Lebensgeschichte des Waisen Rob Cole (Tom Payne), der im 11. Jahrhundert aus dem frühmittelalterlichen England ins persische Isfahan reist, um dort beim legendären Arzt Ibn Sina Medizin zu lernen. In dem Epos zwischen Orient und Okzident muss der Protagonist auf seiner zweijährigen Reise viele Abenteuer bestehen. Doch am Ende wird sein unbeirrtes Verlangen nach Wissen unabhängig von der jeweiligen Kultur belohnt.

Die aufwendige Verfilmung der Abenteuergeschichte ist ein wirtschaftlicher Kraftakt für alle Beteiligten. Auch der Steuerzahler hilft bei der Finanzierung kräftig mit. Aus Mitteln der Filmstiftung NRW kommen zwei Millionen Euro. „Meine Strategie ist es, auf große Projekte zu setzen“, sagt Filmstiftungschefin Petra Müller zur Begründung. Außerdem ist die Degeto, die Filmtochter der ARD, mit von der Partie. Das Erste wird den „Medicus“ in zwei Teilen ausstrahlen. Zuvor bringt der Verleiher Universal Pictures eine kürzere Fassung in die Kinos. „Amphibienfilme“ nennt die Branche solche Produktionen, die sowohl in den Filmtheatern als auch im Fernsehen vermarktet werden können.

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