Deutsche Telekom: Timotheus Höttges setzt Notruf nach Berlin ab

Deutsche Telekom: Timotheus Höttges setzt Notruf nach Berlin ab

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Der künftige Telekom-Chef Höttges fordert staatliche Hilfe.

von Jürgen Berke

Timotheus Höttges, der künftige Chef der Deutschen Telekom und Nachfolger von René Obermann, kämpft für ein neues Wettbewerbsmodell ohne Regulierung, das starke europaweite Spieler hervorbringen soll.

Timotheus Höttges kennt alle Spielarten einer modernen Lobbyarbeit: Meist ist es eleganter, mit dem Florett gezielte Stiche zu setzen, um sich bei Politikern gleich welcher Partei Gehör zu verschaffen. Doch dieses Mal wischt der künftige Telekom-Chef diese Grundregel beiseite. Wer als kleiner Europäer von einer Armada kraftstrotzender Web-Giganten aus den USA in die Enge getrieben wird, greift in seiner Not schon mal zum schweren Säbel.

Der Notruf ist ein dreiseitiges Positionspapier, das der WirtschaftsWoche vorliegt und das Höttges in diesen Tagen an Kanzlerin Angela Merkel und andere wichtige Entscheidungsträger in Berlin und Brüssel verschickt hat. Unter der Überschrift "Strategie zur Stärkung der europäischen Telekommunikationsindustrie" entstand eine Wunschliste mit Reformvorschlägen, die erforderlich sind, damit die Deutsche Telekom und andere europäische Marktführer in die Weltspitze zurückkehren können.

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Höttges will Deregulierung

Höttges fordert nicht nur einen völligen Verzicht auf Regulierungsmaßnahmen, sondern auch eine aktive Industriepolitik und weniger strenge Fusionskontrollen, damit die Deutsche Telekom genauso groß und wertvoll werden kann wie die Giganten in den USA. Nur durch "mutige Deregulierungsschritte sei der Rückstand aufzuholen.

Intensiv hat der Finanzvorstand, der spätestens am 1. Januar René Obermann ablöst, die Kräfteverschiebungen im Internet analysiert. Die mit vielen Vergleichszahlen gespickte Bestandsaufnahme zeichnet ein dramatisches Bild: Die Profiteure der rasant wachsenden Geschäfte rund ums Internet haben fast ausnahmslos ihren Firmensitz in den USA oder in Asien. Die Verlierer kommen dagegen aus Europa. "Die einst so bedeutende Stellung der Europäer auf dem Weltmarkt ist verloren gegangen", warnt die Telekom in ihrem Positionspapier. "Die Telekommunikation als kritische und systemrelevante Netzindustrie ist im Vergleich mit den USA und Asien nur noch eingeschränkt konkurrenzfähig."

Im Internet haben die USA die Kontrolle

Höttges’ Botschaft ist unmissverständlich: In zentralen Bereichen des Internets – Hardware, Software und Services – haben Unternehmen aus den USA (Apple, Google, Microsoft, Amazon) und Asien (Samsung) mit stetig steigenden Marktanteilen die Kontrolle übernommen. Europa hat den Anschluss verloren. Jetzt gehe es darum, die verbliebenen Bastionen der Europäer beim Bauen (Ericsson, Alcatel-Lucent, Nokia Solutions Networks) und Betreiben der Netze (Vodafone, Deutsche Telekom, Telefónica, Orange) zu verteidigen. Ansonsten droht auch dort der Ausverkauf. Denn auch die Netzbetreiber schlittern auf eine gefährliche Schieflage zu.

Die EU-Kommission hat inzwischen erkannt, dass es akuten Handlungsbedarf gibt. Doch die bisherigen Reformvorschläge reichen dem Telekom-Chef nicht aus, um den Rückstand aufzuholen. "Die neuen Regulierungsvorschläge aus Brüssel könnten mehr Ehrgeiz vertragen", kritisiert Höttges.

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