
„Solide“, „stabil“, „sehr ordentlich“ – mit diesen Vokabeln garnierte Telekom-Chef René Obermann die heute vorgestellten Geschäftszahlen für das erste Halbjahr. Doch hinter den durchaus ansehnlichen Umsatz- und Gewinnzahlen verbirgt sich ein Problem, dass der Telekom-Vorstand lieber heute als morgen aus der Welt schaffen würde.
Die Schwachstellen der Telekom
Festnetz
Im traditionellen Festnetz könnte die Deutschen Telekom mit Abschalten der alten Analog- und ISDN-Netze und dem Umstellen auf die Internet-Technik 50 Prozent ihres Umsatzes bis 2016 einbüßen.
Mobilmarkt
50 Prozent der Umsätze gegen der Deutschen Telekom bis 2014 beim hochprofitablen Versand von Kurzmitteilungen über internetfähige Smartphones an Startups wie Whatsapp verloren.
Innovation
33 Prozent der Haushalte buchen bei der Deutschen Telekom Telefon, Internet und Fernsehen im Paket. Mit dem Verlust der Bundesligaübertragungsrechte geht LIGA total als Zugpferd verloren.
Auch im zweiten Quartal konnte Vodafone die Anfang des Jahres eroberte Marktführerschaft im Mobilfunkmarkt verteidigen und zum Teil sogar geringfügig ausbauen. Der Mobilfunk-Krone kann sich also im zweiten Quartal in Folge der scheidende Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich Joussen aufsetzen. Für Deutschland-Chef Niek Jan van Damme ist das eine schwere Schlappe. Er hat von Obermann persönlich den Spezialauftrag bekommen, die Marktführerschaft möglichst schnell zurückzugewinnen. Doch das geht aber offensichtlich nicht von heute auf morgen.
Kopf-an-Kopf-Rennen
Bei fast allen wichtigen Kennziffern liegt Vodafone in diesem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen inzwischen vorn. Das zeigen die offiziellen Zahlen. Vodafone betreut mit 35,8 Millionen Kunden exakt 336.000 Kunden mehr als die Telekom. Das wirkt sich natürlich auch auf den Umsatz aus. Mit einem Service-Umsatz von 1,726 Milliarden Euro lag D2 auch im zweiten Quartal um exakt 36 Millionen Euro vor T-Mobile.
Und auch bei den Datenumsätzen auf den populären Smartphones geht Vodafone mit 492 Millionen Euro mit einem hauchdünnen Vorsprung von acht Millionen Euro durchs Ziel.
Ein Großteil des Erfolgs rührt daher, dass Vodafone stärker als früher um Aufträge von Großunternehmen kämpft und wie zuletzt bei Volkswagen auch schon den ein oder anderen Prestigeerfolg landen konnte. „Die Qualität der Mobilfunkprodukte ist in Ordnung, aber auf der Preisseite waren wir zu wenig aktiv“, räumte Finanzvorstand Timotheus Höttges bei der Vorlage der Halbjahreszahlen ein. Deshalb habe die Telekom ein paar große Kunden verloren. Das zu korrigieren, dauert etwas. „Aber wir sind richtig unterwegs.“ Viel Zeit bleibt van Damme nicht. Noch in diesem Jahr sollte der Holländer im Telekom-Vorstand die Trendwende schaffen und zumindest einen Teil der verlorenen Marktanteile zurückgewinnen. Sonst sind seine Tage als Deutschland-Chef gezählt.

























