Deutsche Telekom: Vorstand verpasst die Kampfansage

KommentarDeutsche Telekom: Vorstand verpasst die Kampfansage

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Niek Jan van Damme, Deutschland-Chef der Deutschen Telekom, informierte über die zukünftige Ausrichtung des Geschäftes der Deutschen Telekom auf dem deutschen Markt.

von Jürgen Berke

Die Deutsche Telekom will die Marktführerschaft in Deutschland bis 2018 ausbauen. Einige Planzahlen hören sich theoretisch toll an - sind praktisch aber überhaupt nicht ambitioniert.

Kai-Uwe Ricke, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, hat Kunden und Investoren einmal einen tiefen Einblick geboten, wie all die von der Telekom an die Außenwelt abgegebenen Mittelfrist-Prognosen einzuschätzen sind: „Ich veröffentliche nur Planzahlen, die wir auch einhalten können“, hatte der Konzernchef in einer seiner ersten Pressekonferenzen kund getan.

Die Botschaft an die Finanzwelt war damals klar. Die Zahlen sind so niedrig angesetzt, dass sie die Telekom mit hoher Wahrscheinlichkeit übertrifft. Der Chef hat geliefert und gerät auch nicht in die Kritik, weil die Messlatte zu hoch angesetzt worden ist.

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Heute hat Niek Jan van Damme, der für das Deutschland-Geschäft zuständige Vorstand, die Strategie der Telekom bis zum Jahr 2018 vorgestellt. „300 Kollegen“, sagte van Damme, hätten in den vergangenen Monaten einen Blick in die Glaskugel geworfen und hochgerechnet, wie sich der Wettbewerb im Festnetz und Mobilfunk entwickelt.

Wie hoch die Umsätze und Gewinne dann sind, wollte er nicht verraten. Aber wie sich die Kunden zwischen der Deutschen Telekom und ihren Konkurrenten verteilen, davon hat der Deutschland-Chef sehr genaue Vorstellungen. „Wir sind der Marktführer in Deutschland“, schrieb van Damme als fortlaufende Überschrift auf all seine Charts. Und diese Marktposition will die Telekom nicht nur sichern, sondern auch ausbauen.

Doch die Prognosen für das Jahr 2018, die van Damme dann vorstellte, wirken nur auf dem ersten Blick ambitioniert. So will der Telekom-Vorstand die Zahl der Telekom-Kunden mit einem superschnellen Glasfaseranschluss in den nächsten vier Jahren auf zwölf Millionen Haushalte steigern. Aktuell sind es gerade mal 1,5 Millionen Haushalte. Die Telekom will also 10,5 Millionen Haushalte dazugewinnen. Das hört sich viel an, ist es aber nicht.

Nur jeder zweite der nach derzeitigen Ausbauplanungen potenziell möglichen 24 Millionen Haushalte würde solch einen superschnellen Glasfaseranschluss auch nutzen. Mehr noch: In dieser Zahl sind auch die Anschlüsse mit eingerechnet, auf die Konkurrenten wie United Internet, Telefónica (O2) und Vodafone als Untermieter der Telekom zurückgreifen.

Die Zahl der Glasfaserkunden, die von der Telekom direkt betreut werden, könnte also deutlich unter der Zehn-Millionen-Marke liegen.  Die Telekom würde es dann schwer fallen, den heutigen Marktanteil von rund 43 Prozent bei leitungsgebundenen Breitbandanschlüssen in diesem zukunftsweisenden Marktsegment zu halten.

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Richtig rentabel sind die Milliardeninvestitionen in das Verlegen von Glasfaser bis zu den Verteilschränken am Straßenrand auch nur dann, wenn die Kunden zusätzliche Dienste wie das konzerneigene TV-Produkt Entertain dazu buchen. Doch auch hier sind die Planziele alles andere als ambitioniert. Van Damme will die Zahl der TV-Kunden von heute zwei auf fünf Millionen Haushalte im Jahr 2018 steigern. Nur jeder fünfte der dann ans Glasfasernetz angeschlossenen 24 Millionen Haushalte würde dann über die Telekom hochauflösendes Fernsehen schauen. Damit hat die Telekom ihre ursprünglichen Verkaufsziele für das TV-Produkt Entertain nach unten korrigiert.

Als der heutige Konzernchef Timotheus Höttges noch für die Geschäfte in Deutschland zuständig war träumte er davon, genauso stark im angestammten Fernsehgeschäft der Kabel-TV-Gesellschaften wildern zu können wie dies die Kabel-TV-Gesellschaften Kabel Deutschland und Unitymedia mit superschnellen 100-Megabit-Anschlüssen im angestammten Internetgeschäft der Telekom tun. Die Rechnung ging nicht auf.

Die Kabel-TV-Gesellschaften haben seit dieser Zeit doppelt so viele Internet-Kunden gewonnen wie die Telekom Fernseh-Kunden. Und Vodafone will nach der Übernahme von Kabel Deutschland noch aggressiver um Neukunden werben und die Verkaufszahlen für superschnelle Internetanschlüsse noch weiter steigern. Drei Millionen zusätzliche TV-Kunden bis 2018 sind unter diesen Vorzeichen keine echte Kampfansage.

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