Deutsche Telekom: Was nun, Herr Obermann?

Deutsche Telekom: Was nun, Herr Obermann?

, aktualisiert 20. Dezember 2011, 11:25 Uhr
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Rene Obermann, Chef der Deutschen Telekom.

Quelle:Handelsblatt Online

Schwerer Rückschlag für Telekom-Chef Obermann: Der milliardenschwere Verkauf von T-Mobile USA an AT&T ist endgültig geplatzt. Jetzt muss eine neue Lösung für die schwächelnde US-Tochter her. Die Zeit ist knapp.

BonnRené Obermann hat alles versucht, um den Deal mit AT&T noch zu retten. Persönlich war der Telekom-Chef nach Washington gereist, um gemeinsam mit AT&T-Chef Randall Stephenson vor dem Kongress den Verkauf von T-Mobile USA an den amerikanischen Telekom-Riesen zu verteidigen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte Obermann mobilisieren, die laut Konzernkreisen bei US-Präsident Barack Obama kurz nach Bekanntgabe des Deals angerufen hat, um für das Geschäft zu werben. Alles umsonst.

Die Deutsche Telekom bleibt auf ihrer ungeliebten Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen. Der US-Branchenriese AT&T hat nach dem Widerstand der Wettbewerbshüter in Washington die 39 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) schwere Übernahme abgeblasen. Es ist unklar, wie es nun mit T-Mobile USA weitergeht, dem viertgrößten Mobilfunkanbieter des Landes. Noch schwerer wiegt das Scheitern aber für Obermann und seine Telekom.

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Zwar erhält der Bonner Großkonzern von AT&T ein Trostpflaster in Höhe von drei Milliarden Dollar in bar plus Roaming-Rechte und begehrte Funkfrequenzen. Doch ursprünglich hatte die Telekom auf einen Erlös in Höhe von 25 Milliarden Dollar in bar und 14 Milliarden über einen Aktientausch gehofft.

Mit einem Teil des Geldbatzens sollten dann Verbindlichkeiten des Unternehmens um mindestens 13 Milliarden Euro verringert und für weitere fünf Milliarden Euro eigene Aktien zurück gekauft werden. Verglichen damit sind drei Milliarden ein Klacks - ganz abgesehen davon, dass sich die Telekom ja nicht nur wegen schrumpfender Kundenzahlen weitgehend aus dem US-Markt zurückziehen wollte, sondern vor allem auch wegen anstehender Milliardeninvestitionen. T-Mobile USA ist ein echter Problemfall.


„Ein harter Rückschlag für Obermann“

Und ein ähnlich potenter Käufer wie AT&T ist weit und breit nicht in Sicht, und selbst eine Kooperation mit dem nächstgrößeren Mobilfunkanbieter Sprint dürfte auf das Missfallen der Wettbewerbshüter stoßen, die gerne den Status quo beibehalten würden.

Immerhin verschaffen die Kompensationszahlungen von AT&T den Deutschen nun etwas Zeit für einen möglichen neuen Anlauf. Von zwölf bis 24 Monaten geht WestLB-Analyst Wolfgang Specht aus. Schafft es T-Mobile in der Zeit nicht, in diesem Zeitraum einen neuen Partner zu finden, werde das Geld knapp. Auf lange Sicht scheine es demnach unmöglich, T-Mobile USA alleine laufen zu lassen, sagte Specht der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Alles, was jetzt kommt, ist nur die zweitbeste Lösung”.

LBBW-Analyst Stefan Borscheid erwartet, dass die Telekom nun zügig mit der Suche nach einem neuen Partner beginnen dürfte. Optionen wären eine Netzwerkpartnerschaft mit Clearwire oder eine Zusammenarbeit mit dem drittgrößten US-Mobilfunker Sprint Nextel. Da die Telekom aber am liebsten den USA komplett den Rücken kehren wolle, ist auch ein Verkauf an Finanzinvestoren nicht ausgeschlossen, betonte der Marktexperte.

Ursprünglich wollte Obermann mit dem Verkauf werde die Position der Telekom in Europa stärken. „Wir können uns nun stärker auf den Ausbau der schnellen Netze in Europa und die Entwicklung moderner Internetprodukte konzentrieren”, hatte Obermann noch gesagt. Das ist nun vorbei.

Die Quittung an der Börse für die geplatzte Übernahme erfolgte prompt. Die Telekom-Papiere verloren am Dienstag im frühen frühen Handel zwischenzeitlich 1,6 Prozent und gehörten zu den schwächsten Werten im Dax. „Das ist ein harter Rückschlag für Telekom-Chef Obermann“, sagte ein Händler.


Telekom hält Dividendenversprechen

Dennoch rechnet die Telekom für das laufende Jahr weiter mit einem operativen Gewinn von 19,1 Milliarden Euro. Zudem hält der Konzern sein Dividendenversprechen aufrecht und will für dieses und nächstes Jahr jeweils 70 Cent pro T-Aktie an die Anteilseigner ausschütten. Größter Aktionär ist der Bund mit gut 30 Prozent.

Immerhin: Zeit genug hatten Obermann und Co, um sich auf das Aus des Deals  vorzubereiten. Die Hinweise darauf hatten sich in den vergangenen Wochen verdichtet. In den USA war das 39 Milliarden Dollar schwere Vorhaben auf massiven Widerstand gestoßen. So hatte das Justizministerium und jüngst auch noch die Telekommunikationsaufsicht FCC große Bedenken gegen den Deal geltend gemacht.

Ex-Telekom-Chef Ron Sommer hatte im Jahr 2000 den US-Anbieter Voicestream erworben und sich dabei hoch verschuldet. Der Kaufpreis für die dann in T-Mobile umbenannte neue Tochter wurde damals auf rund 28 Milliarden Dollar taxiert, ist aber wegen schwankender Aktienpreise nicht vergleichbar. Zudem steckte die Telekom in der Zwischenzeit viel Geld in das Netz. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten galt das US-Geschäft eine Zeit lang als Ertragsperle. Vor einigen Jahren wurde jedoch deutlich, dass es als Nummer vier im US-Markt schlicht an Größe fehlt, von der AT+T und der zweite Riese Verizon Wireless profitieren.

Vor dem US-Kongress hatte Obermann immer wieder betont, dass es zu einer Übernahme durch AT&T für seine US-Tochter keine attraktiven Alternativen gebe. Nun wird er wohl doch eine brauchen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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