Dietmar Hopp: "Langfristig eigenständig"

Dietmar Hopp: "Langfristig eigenständig"

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SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp sieht den Vorteil SAPs darin, nach der Gründung vor 40 Jahren genügend Zeit gehabt zu haben, um sich zu entwickeln.

von Michael Kroker

Der Mitgründer des Softwarekonzerns sieht für das Unternehmen keine Notwendigkeit mehr, unter das Dach eines US-Riesen zu schlüpfen.

WirtschaftsWoche: Herr Hopp, warum ist SAP bisher der einzige deutsche IT-Konzern mit Weltgeltung, und weshalb gibt es hierzulande kein Unternehmen wie Google oder Facebook?

Hopp: Als wir vor 40 Jahren SAP gründeten, hatten wir schlicht den Luxus der ausreichenden Zeit, um uns zu entwickeln. Wir haben die ersten zehn Jahre weitgehend unbehelligt an unseren Systemen gearbeitet und sind erst danach richtig in die Öffentlichkeit gegangen. Google oder Facebook als relativ junge Unternehmen bekommen keine zehn Jahre Zeit mehr. Sie müssen schnell Umsätze liefern. Das ist besonders schlimm für Biotech-Unternehmen, wie ich sie in meinem Beteiligungsportfolio habe. Hier sind die Entwicklungszyklen schlicht länger, und man benötigt als Investor einen langen Atem.

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Weshalb erhalten Gründer in den USA deutlich einfacher Risikokapital als in Deutschland?

Das liegt unter anderem an der Steuergesetzgebung. Kein Risikokapitalgeber kommt nach Deutschland, wenn die Verlustvorträge bei Gesellschafterwechsel ganz oder teilweise verloren gehen – ein Zustand, der ausländische Investoren komplett aus Deutschland fernhält und deutsche Investoren empfindlich trifft. Ich lasse bei Beteiligungen daher von vornherein durchrechnen, ob ich ein Unternehmen komplett allein durchfinanzieren kann. Wenn später weitere Geldgeber benötigt werden, lasse ich lieber die Finger davon. Das Problem betrifft alle Startups.

Die Entwicklung von SAP

  • 1972: Der Urknall

    Gründung als SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim; 1976 Umbenennung in Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung; 1977 Umzug nach Walldorf.

  • 1973: Der Startschuss

    Fertigstellung der ersten Finanzbuchhaltungssoftware namens System RF - Grundstein für das spätere Komplettpaket R/1 als umfassende betriebswirtschaftliche Standardsoftware.

  • 1988: Die Expansion

    Die 1979 erstmals angebotene Software R/2 boomt: Bis Jahresende setzt SAP 245 Millionen Mark um. Im Oktober geht das Unternehmen für umgerechnet 380 Euro je Aktie an die Börse.

  • 1991: Der Megaseller

    Auf der Computermesse Cebit zeigt SAP erstmals die Software R/3, an der die Entwickler seit 1987 arbeiteten. Für den Mittelstand konzipiert, erweist sich R/3 als Megaseller für Konzerne.

  • 1998: Die Globalisierung

    Zur Untermauerung der Auslandsexpansion und zur Eroberung des US-Marktes notiert SAP im August an der New York Stock Exchange. Umsatz 4,3 Milliarden Euro.

  • 2007: Die Beschleunigung

    SAP kauft für 4,8 Milliarden Euro den französischen Softwareanbieter Business Objects. 2010 folgt der Kauf des US-Softwarehauses Sybase für 4,6 Milliarden Euro. Die Basis für neues Wachstum ist geschaffen.

  • 2010: Der Neuanfang

    Nach weniger als einem Jahr muss Léo Apotheker als Chef seinen Hut nehmen. Oberkontrolleur Hasso Plattner beruft Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Nachfolger.

  • 2011: Der Angriff

    Dem Chefduo Snabe und McDermott gelingt das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Ende 2011 kündigen sie die Übernahme des US-Anbieters SuccessFactors an. Damit schalten sie um auf neue Produkte im zukunftsträchtigen Mobil- und Cloud-Computing-Geschäft.

  • 2012: Das Durchstarten

    Mit der Milliardenübernahme des US-Anbieters Ariba verstärken die Co-Chefs Snabe und McDermott ihr neues Cloud-Geschäft weiter. Zugleich erhält SAP ein riesiges Internet-basiertes Beschaffungs-Netzwerk für Geschäftskunden.

  • 2013: Die Umwandlung

    Im Frühjahr gibt SAP bekannt, sich in eine europäische Aktiengesellschaft SE umwandeln zu wollen. In der Belegschaft weckt das Befürchtungen, der Konzern könne mittelfristig seinen Firmensitz weg von Walldorf verlagern.

  • 2014: Der Alleinherrscher

    Auf der Hauptversammlung im Mai wird McDermott alleiniger SAP-Chef. Sein bisheriger Kompagnon Snabe rückt in den Aufsichtsrat. McDermott will SAP noch schlanker und flexibler machen sowie das Unternehmen ganz auf die Cloud trimmen.

Profitieren US-amerikanische IT-Startups nicht auch durch die englische Sprache, die ihnen von Anfang an einen viel größeren Markt beschert?

Das mag sein. Außerdem ist die Gesellschaft dort Neuerungen gegenüber aufgeschlossener. In Deutschland sorgt man sich eher über die Risiken, während man in den USA primär die Chancen sieht.

Wieso haben Sie es trotzdem geschafft, aus einer kleinen Fünf-Mann-Bude einen Weltmarktführer zu zimmern?

Wir hatten zur richtigen Zeit die gute Idee, eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware zu konzipieren, die nur noch im jeweiligen Unternehmen angepasst werden muss. Das war damals revolutionär. Dennoch hat es dann noch 17 Jahre bis zu unserem Börsengang 1988 gedauert, bis wir beim Umsatz die 100-Millionen-Euro-Schwelle überschritten haben. Dass wir mal ein Konzern mit inzwischen bald 15 Milliarden Euro werden würden, hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet.

Im Gegensatz zu früher hat SAP in den vergangenen Jahren für mehrere Milliarden Euro andere Unternehmen geschluckt, um technisch voranzukommen. Sind die Entwicklungstruppen in Walldorf nicht mehr gut genug für eigene Innovationen?

Mitnichten, das sehen Sie ja an der neuen Datenbanklösung Hana. Es wäre schlicht unwirtschaftlich gewesen, neue Märkte wie etwa analytische Anwendungen bei Business Objects oder die Mobiltechnologie von Sybase selber zu entwickeln. Auch ich war lange Zeit ein Verfechter des organischen Wachstums. Ich war der Meinung, dass Zukäufe Probleme bringen, vor allem durch die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Aber die Übernahmen, die SAP getätigt hat, sind deutlich kleiner als die des amerikanischen Wettbewerbers Oracle.

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Erwarten Sie, dass SAP weiter alle zwei bis drei Jahre mit einer Übernahme von sich reden machen wird?

Das ist weniger eine Frage des Zeitrhythmus als der Notwendigkeit. Und wenn man das Gesamtgebilde durch Zukäufe weiter stärken kann, wird man das sicher tun. Aktuell ist SAP meines Erachtens aber sehr gut aufgestellt.

Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass SAP und Microsoft über eine Partnerschaft bis hin zu einer Übernahme durch den US-Softwarekonzern gesprochen haben. Sie hatten diese Verbindung als „Hochzeit im Himmel“ bezeichnet. Sehen Sie das immer noch so?

Nein, das sehe ich inzwischen anders. Unter den damaligen Umständen sollte eine solche Partnerschaft von SAP als eigenständige Einheit innerhalb von Microsoft die Zukunft sichern. Die ist durch die Stärke von SAP inzwischen aber auch so gesichert. Ich gehe davon aus, dass SAP langfristig eigenständig bleiben kann.

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