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Deutscher Handelskongress Berlin: Überleben in der digitalen Einkaufswelt

von Kirsten Ludowig Quelle: Handelsblatt Online

Cross-Channel, Multi-Channel: Was mitunter kryptisch klingt, bezeichnet die Überlebensstrategien für den Handel. Wer auf allen Kanälen zum Kunden kommt, hat gute Überlebenschancen in der digitalen Shopping-Welt.

Die Infrastruktur für das digitale Portemonnaie im Handy steht - aber trotz vollmundiger Ankündigungen spielt die Geldbörse der Zukunft im Alltag bislang kaum eine Rolle. Dafür heizt sich in diesem Jahr der Wettkampf von Kassen-Systemen für das Smartphone auf. Quelle: dpa
Die Infrastruktur für das digitale Portemonnaie im Handy steht - aber trotz vollmundiger Ankündigungen spielt die Geldbörse der Zukunft im Alltag bislang kaum eine Rolle. Dafür heizt sich in diesem Jahr der Wettkampf von Kassen-Systemen für das Smartphone auf. Quelle: dpa

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Berlin

Wenn gestandene Handelsmanager in einem großen, holzvertäfelten Saal mit wuchtigen Kronleuchtern über die Zukunft des Verkaufens – und damit des Einkaufens – diskutieren, wird es mitunter kryptisch. Sie erzählen dann gerne von ihren sogenannten Multi- und Cross-Channel-Strategien, die nicht weniger sein sollen als ein Garant für das Überleben in der digitalisierten Shopping-Welt. Denn eins wissen sie alle: Der Online-Handel wächst rasant und mindert den Umsatz in den Läden. Wer sich nicht im Netz etabliert, hat keine Chance.

Telekommunikation

Die Telekommunikationsunternehmen spielen ihre Stärken im Mobilfunkbereich voll aus. Die Branche erreicht erreicht den höchsten Durchschnittswert bei mobilen Aktivitäten. So nutzt Vodafone zum Beispiel eine App zur direkten Kundenkommunikation. Die T-Mobile-App bietet den Kunden an, jederzeit auf ihre Datenzugreifen zu können. Auch O2 bemüht sich, den Kundenkontakt über soziale Netzwerke zu verbessern.

Bild: dapd

"Dass es in Zeiten des Wandels Gewinner und Verlierer gibt, ist nicht neu", sagte Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE) zur Eröffnung des zweitägigen Branchentreffs ins Berlin. "Neu ist, dass prominente Unternehmen aus dem Markt verschwinden." In diesem Jahr gingen der einstige Drogeriemarktführer Schlecker und der traditionelle Versandhändler Neckermann pleite, auch die Baumarktkette Praktiker stand kurz vor der Insolvenz. Diese Entwicklung ist mal weniger, mal mehr dem Online-Boom geschuldet, fest aber steht: Das Internet hat den Handel "ordentlich durcheinander gewirbelt", so Sanktjohanser.

Prognosen vom Institut für Handelsforschung (IfH) belegen das. Lag der E-Commerce-Umsatz in Deutschland 2005 gerade Mal bei rund acht Milliarden Euro, beziffern die IfH-Experten ihn in diesem Jahr auf rund 32 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 7,5 Prozent an den Erlösen des gesamten Einzelhandels. 2025 könnten ein Fünftel aller Einzelhandels-Güter online gekauft werden, schätzt Sanktjohanser.

Besonders häufig im Internet bestellt werden Mode, Schuhe, Bücher und andere Medien, Unterhaltungselektronik sowie Computer und Zubehör. Auch Möbel, Drogerie- und Baumarktartikeln werden große Chancen im Netz eingeräumt. Zudem nutzen viele Kunden das Internet zur Recherche.

Erfolgsfaktoren für Web-Shops

  • Front-End und Back-End

    Sie müssen nahtlos miteinander integriert sein. Das heißt, wenn der Besucher im Shop eine Bestellung auslöst, muss dieser Prozess in den nachgelagerten Warenwirtschafts-, Kundenwirtschafts- und Produktmanagementsystemen sauber abgebildet werden.

  • Multi- und Cross-Channel

    "In Zukunft wird es immer wichtiger sein, mehrere Kanäle gleichzeitig zu bedienen und diese gut miteinander zu vernetzen", so Reupert. Beispielsweise können integrierte Prozesse in den Webshops von Einzelhändlern eine Funktion bieten, über die der Besucher herausfindet, ob ein Artikel in einer bestimmten Filiale vorrätig ist. "Denn nach wie vor informieren sich viele Kunden im Internet und kaufen dann doch im stationären Handel."

  • Mobile Enablement

    Der Trend zum Smartphone hält an und darum ist es für Shop-Betreiber elementar, den Shop-Content auch mobil zur Verfügung zu stellen, um Kunden nicht an technisch fortschrittlichere Konkurrenten zu verlieren.

  • Produktdatenqualität

    Studien haben gezeigt, dass rund ein Drittel der Kaufabbrüche in einem Web-Shop auf der Produktdetailseite erfolgen. Daher ist die Qualität von Produktbeschreibungen und Produktbildern elementar wichtig. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, rät Reupert: Besser als die Mitbewerber über Produkte informieren, bessere Usability und effektive Suchmaschinenoptimierung.

    Quelle: Achim Reupert, Experte des Dienstleisters Nionex, auf Mittelstandsmanager.de

Laut einer Umfrage des E-Commerce-Center Handel informieren sich 65 Prozent der Bevölkerung online, bevor sie in den Laden gehen und einkaufen. Sie vergleichen Preise und Qualität der Produkte, lesen Kundenbewertungen und tauschen sich in Foren und via Facebook aus. Die steigende Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs fördert das noch.

Was also steckt hinter dem "Megatrend Multi-Channel", wie HDE-Präsident Sanktjohanser es nennt? Im Grunde nur eins: Die Fähigkeit der Händler, die Kunden auf ihrer Shopping-Tour durch möglichst viele Absatzkanäle zu begleiten – und sie dabei vor allem zu binden.

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Bernhard Orth
Thomas Franzl
Bernhard Orth ist leitender Unternehmensberater bei IBM und verantwortet das Beratungsgeschäft für Smarter Commerce. Er berät seit mehr als 25 Jahren Kunden aus den Branchen Handel und Konsumgüterindustrie. Frage stellen
Thomas Franzl leitet den Lösungsvertrieb der IBM Software Group in Deutschland. Er berät Kunden in der Produktauswahl für ihr individuelles Smarter Commerce Business. Frage stellen

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