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Die digitale Revolution der Wirtschaft

Maschine ruft Maschine: Autos lernen miteinander zu sprechen

15. Februar 2013
Auto auf dem Contidrom, der Teststrecke von Continental Quelle: Picture-Alliance/dpaBild vergrößern
Auto auf dem Contidrom: Auf der Teststrecke von Continental wird die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen getestet. Quelle: Picture-Alliance/dpa
von Martin Wocher und Mark Christian Schneider Quelle: Handelsblatt Online

Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an der Kommunikation zwischen Geräten. Vernetzte Autos sind der erste Schritt in dieses lukrative Geschäft. Weltweit entsteht damit ein milliardenschwerer Markt.

Auf dem Contidrom, der streng abgeschirmten Teststrecke des Autozulieferers Continental zwischen Hannover und Hamburg, dreht die Zukunft bereits ihre Runden. In der Lüneburger Heide verlangsamen speziell umgerüstete Serienmodelle automatisch die Fahrt, wenn hinter der Kurve ein anderer Wagen stehen bleibt, die Fahrbahn vereist ist - oder die Geschwindigkeit angesichts einer roten Ampel zu hoch ausfällt.

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Sie tun das, weil die Fahrzeuge untereinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren: Auto A warnt Auto B per Funk vor der Glätte und dem Stau. Die Ampelanlage ruft Auto C auf demselben Weg zur Mäßigung.

Was Autofahrer noch skurril erscheinen mag ,elektrisiert ganze Industrien. Autohersteller und IT-Konzerne arbeiten mit Hochdruck am Datenaustausch zwischen Maschinen. Die Projekte reichen vom vernetzten Haus über die vollautomatische Produktion bis zur Verwendung von Smartphones als Türöffner.

Allen voran aber treiben sie die Vernetzung von Autos voran. BMW und Volkswagen gehören zu zwölf europäischen Fahrzeugherstellern, die von 2015 an Serienmodelle standardisiert miteinander ins Gespräch bringen wollen. Das Konsortium will den Verkehr damit staufreier und schadstoffärmer machen - und daran gut verdienen. Vernetzte Autos gelten als milliardenschweres Geschäft.

Das elektrisiert neben Autobauern auch die IT-Industrie: Heute verkünden der weltgrößte Netzwerkspezialist Cisco aus den USA und der niederländische Chiphersteller NXP eine strategische Allianz in der Technologie für die Auto-Vernetzung. Dazu beteiligen sich die Unternehmen zu gleichen Teilen an dem australischen Funkspezialisten Cohda - einem Start-up, das eine besonders leistungsfähige Funktechnologie entwickelt hat.
Funken durch Kurven

"Cohdas Funktechnologie ist standardisiert und übertrifft im Leistungsniveau den herkömmlichen drahtlosen WLAN-Standard", erläutert NXP-Vorstand Kurt Sievers im Gespräch mit dem Handelsblatt. Damit könnten Autos sogar durch Hindernisse hindurch und um Kurven funken. Das Trio will seine Stärken zusammenführen: Von NXP kommen die Chips, von Cohda die Software. Cisco bindet beides in Netzwerke ein.

"Die gemeinsame Technologie wird dabei helfen, Unfälle zu vermeiden, Leben zu retten und den CO 2 - Ausstoß zu senken", erwartet NXP-Manager Sievers. Mit einem europäischen Autobauer arbeitet NXP an einer Kommunikationseinheit, die 2015 in Serie gehen soll. Sievers rechnet damit, dass gegen Ende des Jahrzehnts ein Fünftel aller Neuwagen vernetzt sein dürfte.

Mit ihren Hoffnungen steht das neue Trio nicht allein. Neben Autozulieferern wie Bosch und Conti setzen die Deutsche Telekom und Vodafone ebenso wie Google und Microsoft auf die Möglichkeiten vernetzter Automobile. Alle wollen einen möglichst großen Anteil am Zukunftsmarkt.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 15.02.2013, 15:24 Uhrmathias

    IT - SPINNER
    BMW-Motoren verrecken, weil die Steuerung den natürl.Lauf blockiert

    Noch mehr E-Steuerungssysteme ?

    MISSBRAUCH der Wörter: Sicherheit-Lebenretten CO2-Wahnsinn

    Steuerungsfehler sind heute schon kaum zu entdecken - weitere
    Elektronik = Unverantwortlich - Unbezahlbar

    Der "Mensch" wird entmündigt - soll aber die Bußgelder zahlen??

    Datenhandel hat einen WERT?? Sehr fragwürdig!

    Der Autofahrer ist darauf ausgebildet-entscheidungen Situationsbedingt zu treffen.

  • 15.02.2013, 12:41 UhrFreiheitWichtiger

    Jedes Auto und danach jede Kaffeemaschine am Netz? Dann haben wir Orwell hoch 100.

    Selbst beim 20-Euro-Handy beginnt schon das Problem, denn man kann sich vor einer Abfrage der Bewegungs- und Verbindungsdaten nicht schützen und muß damit leben.

    Beim Fernseher mit Internetanschluß kann dann jede angeschaute Sendung protokolliert werden, beim Auto dementsprechend jede Bewegung, beim Smartphone mit Bezahl-App sogar das Portemonnaie, bei der Kaffeemaschine und Waschmaschine dann das Kaffeetrinken und Wäschewaschen.

    Das ist das ideale Werkzeug für den Gutmenschen-Blockwart.

    Diese Schnüffeltechnik braucht der freie Bürger nicht. Von den Begründungen (Sicherheit, Komfort) darf man sich dabei nicht einlullen lassen, denn am Ende wird alles durch den Verlust der Privatsphäre bezahlt. Wer will das?

    Intuitiv haben übrigens in Deutschland die Menschen bei der vergleichbaren Problematik ‚street view’ als einzige in Europa durch massenhafte Auspixelungsanträge die Notbremse gezogen. Daher gibt es diesen Schnüffel-Spuk hier nicht.

    Internetfähige Geräte sollte man generell so wenig wie möglich verwenden. Die Menschen können sich nicht einmal im Ansatz vorstellen, was da heute schon auf einem 50-Euro-Smartphone über ihre Privatsphäre abgefragt wird: Alles. Die Technologie ist so angelegt, daß der Laie vollkommen schutzlos und hilflos ist. Sogar Experten können nur sehr bedingt eingreifen, um sich zu schützen.

    Diese Hinweise haben mit Technikverweigerung nicht das Geringste zu tun. Sie zeigen nur, daß Totalvernetzung zur Totalüberwachung führt. Dafür reichen aus technischer Sicht die heutigen technischen Möglichkeiten eigentlich schon aus. Nimmt man aber die Fortschritte hinzu, von denen der Laie nichts ahnt, die man aber in Forschung und Entwicklung mit dem typischen Vorlauf von Jahren oder Jahrzehnten schon längst bearbeitet, muß man sich wegen der Vernetzung ernsthaft Sorgen um die Freiheit machen.

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