Medizin-Apps: Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Dr. Google

Medizin-Apps: Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Dr. Google

Quelle:Handelsblatt Online

Dass Patienten ihre Krankheit googeln, ist ein alter Hut. Informierte Patienten finden die meisten Ärzte sogar gut. Jetzt aber drängen Diagnose-Apps für Smartphones auf den Markt. Aber viele sind Schrott, sagen Experten.

Klingt ja erst einmal praktisch: Ein Tütchen aufs Handy stecken und pusten, ob man nach dem Zechen noch fahren kann. Ein Foto vom Urinteststreifen schießen und das Display verrät, ob es tatsächlich eine Blasenentzündung ist. Vom Bett aus die Symptome eintippen und schon kommt die Diagnose: Grippe. Medizin-Apps boomen. Aber viele sind Schrott, sagen Experten.

Beispiel Schwarzer Hautkrebs. Wer gefährdet ist, lässt Leberflecke regelmäßig vom Arzt kontrollieren. Könnte diese „Blickdiagnose“ nicht auch ein Kameraauge übernehmen? Mehrere Apps bieten genau das an. Mittels Algorithmen wird die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass der Fleck bösartig ist. „Eine Studie hat bewiesen, dass selbst die App mit dem vermeintlich besten Erkennungserfolg nach dieser Methode knapp ein Drittel der Testfälle falsch negativ klassifizierte“, weiß Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover.

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Bereits 2011 gab es laut Branchenverband Bitkom bereits 15.000 Gesundheits-Apps. Nur die wenigsten bieten echte medizinische Hilfen wie Fieber- und Blutzuckermessen, Alkohol- oder Sehtests; meist handelt es sich um Angebote wie Schrittzähler für Jogger oder Trainingsprogramme mit Fitnessübungen. Auch wenn die Technik noch so gut wäre: „Keine Diagnose-App kann das Expertenwissen, die Erfahrung, das Einfühlungsvermögen eines guten Arztes ersetzen. Dazu ist eine Maschine nicht in der Lage“, sagt Albrecht.

Älter als Med-Apps fürs Smartphone sind Webseiten zur Selbstdiagnose, zum Beispiel wie was-fehlt-mir.net oder washabich.de. Infos zu Krankheiten bieten viele Portale, etwa krank-gesund.de oder medicoconsult.de - die neuen Apps sind oft nur mobile Ableger der alten Seiten. Hat sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient dadurch verändert? Fachliteratur in der Unibibliothek nachgelesen hat kaum einer - mal schnell seine Symptome googeln macht fast jeder.

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