Neue Zielgruppen: Der Handel braucht einen Migrationshelfer

Neue Zielgruppen: Der Handel braucht einen Migrationshelfer

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Das Schweizer Unternehmen Migros setzt auf deutsche Produkten für die Deutschen in der Schweiz.

von Kerstin Dämon

Egal ob Wurstbrot oder Peynirli Pide: Menschen freuen sich in der Ferne über Kulinarisches aus der Heimat. Eine Schweizer Kette bietet deshalb typisch deutsche Spezialitäten an. Nur der deutsche Handel stellt sich stur.

Deutschland ist nicht das einzige typische Einwanderungsland. Bei unseren Nachbarn in der Schweiz leben acht Millionen Menschen, 23 Prozent davon sind Ausländer oder haben einen ausländischen Hintergrund. Die größte Gruppe bilden die Italiener mit rund 290.000 Menschen, dann kommen die Deutschen mit rund 276.000 Menschen, dann rund 224.000 Portugiesen, 102.000 Serben sowie Franzosen (99.500), Asiaten (95.000), Amerikaner (72.000), Kosovaren (72.000), Türken (70.000), Spanier (66.000), Mazedonier (61.000) und Afrikaner (60.600).

Maggi Fix und Spreewaldgurken in der Schweiz

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Mit diesen Menschen lässt sich Geld verdienen. Auch viele Schweizer Einzelhändler haben das begriffen. So führt Migros, das größte Einzelhandelsunternehmen der Schweiz, "deutsche Lieblingsprodukte" im Sortiment.

Für die zweitgrößte Ausländergruppe des Landes stehen in 30 Filialen in Zürich Duplo, Erasco-Eintöpfe, Pfanni-Knödel, Spreewaldgurken, Löwen-Senf, Leipniz-Kekse sowie Maggi Fix und Tütensuppen von Knorr im Regal. Für das Unternehmen lohnt es sich, deutsche Produkte anzubieten: Mit mehr als 30.000 Menschen bilden die Deutschen die größte Ausländergruppe in Zürich, sogar noch vor Italienern, Serben und Montenegrinern. "Wir konnten bei der Sortimentsauswahl von Erfahrungen der "Migros Deutschland" profitieren", sagt Andreas Reinhart von der Genossenschaft Migros Zürich. "Gleichzeitig haben wir Deutsche in unserem Umfeld direkt nach Ihren Bedürfnissen gefragt." Dementsprechend gut funktionieren Kohlroulade und Co. "Der Absatz ist erfreulich, wir sind sehr zufrieden", sagt Reinhart. Mittlerweile sei ein regelrechter Dialog mit den deutschen Kunden entstanden, die sich Lebensmittel aus der alten Heimat auch im neuen Zuhause wünschen.

Die Wurzeln der deutschen Konsumenten

  • 16 Millionen

    Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei über 16 Millionen. Das heißt, dass knapp 20 Prozent der Bevölkerung Eltern oder Großeltern haben, die nicht in Deutschland geboren wurden.

  • 7 Millionen

    Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland haben eine ausländische Staatsangehörigkeit.

  • 3 Millionen

    Ein Großteil der Migranten in Deutschland, nämlich rund drei Millionen Menschen, haben einen türkischen Familienhintergrund.

  • 2,5 Millionen

    Rund 2,5 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, stammen aus einem der Staaten, die aus dem Zerfall der Sowjetunion hervorgingen. Heißt: 2,5 Millionen Menschen haben ihre Wurzeln ursprünglich in Armenien, Aserbaidschan, Weißrussland, Estland, Georgien, Kasachstan,

    Kirgisistan, Lettland, Litauen, Moldawien, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, der Ukraine oder Usbekistan.

  • 1,3 Millionen

    1,3 Millionen Menschen stammen jeweils aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Polen.

Die deutschen Kunden sind aber nicht die Einzigen, die der Schweizer Einzelhandel umgarnt. Das ohnehin umfangreiche Ethno-Sortiment der Migros verändert sich immer wieder, wie Reinhart erzählt. "Die jüngsten Zugänge kommen aus Österreich: Kaiserschmarrn und Semmelknödel im Convenience-Regal." Auch das zweitgrößte Handelsunternehmen Coop, das seinen deutschen Pendants schon beim Thema Lebensmitteltransparenz einiges voraus hat, hat erkannt, dass sich mit den Migranten in der Schweiz ein gutes Geschäft machen lässt. Bei Coop gibt es im Sortiment auch türkische Produkte - und auch hier wird das Sortiment für diese Zielgruppe regelmäßig erweitert.

Nur der deutsche Handel lässt, abgesehen von Wellness oder In-Food wie Sushi, das sogenannte Ethno-Marketing links liegen. Es scheint, als würde der deutsche Lebensmitteleinzelhandel auf Umsätze in Millionenhöhe verzichten, weil er so tut, als gäbe es keine Migranten in Deutschland.

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