Schwarze Null: Zalando hastet Richtung Gewinnzone

Schwarze Null: Zalando hastet Richtung Gewinnzone

von Rebecca Eisert

Zalando meldet für Deutschland, Österreich und die Schweiz eine schwarze Null. Mit einem so raschen Sprung in Richtung Gewinnzone hatte kaum jemand gerechnet.

Es steht noch ein Minus vor dem Gesamtergebnis vor Steuern und Zinsen des Onlinehändlers Zalando. 90 Millionen Verlust weisen die Berliner für 2012 aus - im Vorjahr waren es minus 60 Millionen. Trotzdem dürften die Geschäftszahlen des Internetportals die stationären Mode- und Schuhhändler wie ein Hammerschlag treffen.

Zalando ist erst seit 2009 am Markt und hat nun erstmals für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz ein ausgeglichenes Ebit gemeldet. In diesen Länder ist Zalando am längsten aktiv und macht dort mehr als die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes. Für Zalando ein Beleg für den Erfolg des Geschäftsmodells, so Geschäftsführer Rubin Ritter. Im Vergleich zu 2011 hat das Management um Rubin Ritter und die Gründer David Schneider und Robert Gentz den Umsatz auf 1,15 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Damit sei Zalando das erste europäische Unternehmen, das bereits vier Jahre nach der Gründung einen Netto-Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde erwirtschaftet haben, meldet Zalando stolz. Nicht ganz ohne Grund.

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Zalando auf einen Blick

  • Die Gründer

    Die Berliner Robert Gentz und David Schneider starteten im Oktober 2008 mit dem kleinen Online-Schuhshop Zalando. Ihr Büro diente als Warenlager, der Service lief über ihre Mobiltelefone.

  • Die Investoren

    Zu den Investoren zählen die Tengelmann-Gruppe (6 Prozent), der Facebook-Investor Digital Sky Technologies DST (9 Prozent), Holtzbrinck Ventures (8 Prozent) sowie die Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander über ihren Berliner Startup-Entwickler Rocket Internet und European Funders Fund (17%). Die schwedische Investment AB Kinnevik hat mehrfach aufgestockt und hält mittlerweile 36 Prozent an Zalando direkt und indirekt via Rocket Internet. Damit sind die Schweden die größten Gesellschafter des E-Commerce Unternehmens. Im August 2013 stieg die Mode-Gruppe Bestseller von Anders Holch Povlsen mit 10 Prozent ein. Er kaufte u.a. Holtzbrinck und Tengelmann Anteile ab. Weitere Investoren wie der russischen Dotcom-Finanziers Yuri Milner halten insgesamt zusammen 13,5 Prozent.

  • Die Strategie

    Zalando expandierte in den vergangenen vier Jahren extrem schnell und aggressiv in ganz Europa und ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Dafür setzte das Unternehmen große Summen für das Marketing, vor allem TV-Spots ein. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen berechnete die Ausgaben für die Spots im Jahr 2011 allein in Deutschland auf 90 Millionen Euro. Der Bekanntheitsgrad der Marke Zalando liegt in der werberelevanten Zielgruppe bei 95 Prozent. In Frankreich kennt den Online-Händler nach einem Jahr am Markt bereits jeder Zweie.

  • Die Umsatzentwicklung

    Laut Bundesanzeiger wies Zalando für 2009 einen Fehlbetrag von 1,6 Millionen aus. 2010 waren es 20,4 Millionen. Der Umsatz lag 2010 bei 150 Millionen Euro. 2011 waren es bereits 510 Millionen Euro, 2012 hat Zalando die Milliarden-Marke mit 1,15 Milliarden Euro Nettoumsatz geknackt und den Vorjahresumsatz verdoppelt. 2013 kletterte der Umsatz um 52 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Dabei steht aber ein Rekordverlust von 100 Millionen Euro in den Büchern.

  • Mitarbeiter und Logistik

    Zalando beschäftigt aktuell mehr als 1200 Mitarbeiter. In Berlin entsteht ein neuer Bürokomplex mit 20.000 Quadratmetern für mehrere hundert Mitarbeiter. Ab Sommer 2013 sollen weitere Büroflächen in Berlin Mitte angemietet werden. In Erfurt eröffnet Anfang Dezember das erste eigene Logistikzentrum, mit dem Bau eines weiteren hat der Online-Händler in Mönchengladbach begonnen, hier sollen bis zu 1000 Beschäftigte arbeiten.

Dass das Start-up derart schnell profitabel werden könnte, hatten nur wenige für möglich gehalten. Die Ausgaben für die schrille TV-Werbung mit dem Slogan 'Schrei vor Glück' muss das Unternehmen jährlich an die 100 Millionen Euro kosten schätzen Branchenkenner. Außerdem hat Zalando extrem schnell expandiert und ist bereits in 14 europäischen Ländern aktiv. Allein 2012 kamen sieben neue Märkte hinzu. Im vergangenen Jahr haben die Durchstarter zudem begonnen, ihr Logistik-Netzwerk massiv auszubauen und vor wenigen Wochen erstes selbst konzipiertes Logistikzentrum in Erfurt in Betrieb genommen.

Den Grundstein für einen zweiten Logistikknotens in Mönchengladbach hat Zalando vor wenigen Wochen gelegt, bis zu 1000 neue Mitarbeiter sollen hier arbeiten. Die Quote der Zeitarbeiter soll bei Zalando übrigens nicht mehr als zehn Prozent steigen. Aktuell steht Onlinehändler Amazon nach einer Dokumentation der ARD in der Kritik. Das Unternehmen soll Leiharbeiter unter katastrophalen Arbeitsbedingungen beschäftigt haben, die vor allem zu den Hochzeiten kurz vor Weihnachten aus ganz Europa angekarrt werden.

Die Gewerkschaft Verdi spricht von 5000 zusätzlichen Hilfskräften. Das gebe es bei Zalando nicht, beruhigt Geschäftsführer David Schneider: "Bei uns verteilt sich das Bestellaufkommen viel gleichmäßiger, wir wachsen auch kontinuierlich, daher haben wir auch einen ganz anderen Bedarf an Arbeitskräften."

Die Investitionen in den Markenaufbau, Marketing, IT und Bezahlsysteme in sieben weiteren Ländern, sowie der Auf- und Ausbau der Logistik sorgte für das Negativergebnis, das noch höhere ausfiel als 2011. Geschäftsführer Rubin Ritter nimmt es gelassen: "Anlaufverluste nehmen wir in Kauf, sie sind Teil unserer Strategie beim Eintritt in neue Märkte." Entscheidend sein, dass sich die Margen bereits in allen Regionen positiv entwickelten. Die Richtung stimmt.

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