
Das Ende der Einbahnstraße betrauert Carina van Vlerken nicht. "Moderne Kommunikation", sagt die für Westeuropa zuständige Marketing- und Kommunikationsmanagerin des Computerherstellers Lenovo, "verläuft heute über viele Kanäle, in hoher Geschwindigkeit und mit ständiger Rückkopplung." Das Publikum ist nur einen Klick entfernt, nie zuvor konnten Kunden so schnell und direkt mit Unternehmen in Kontakt treten. "Dadurch steigen natürlich auch ihre Erwartungen", folgert van Vlerken, die sich um die Social-Media-Aktivitäten der Marke kümmert.

Mal geht es um ein technisches Problem, dann wird der richtige Ansprechpartner gesucht, mal tauchen Fragen nach speziellen Produkten auf. Der Arbeitsalltag der 40-jährigen Niederländerin ist vielseitig. Dabei ist entscheidend, dass sie Anfragen, Hinweise und Kommentare der Lenovo-Kundschaft an die richtigen Stellen weiterleitet. "Als Social Media Manager sollte man deshalb gut im Unternehmen vernetzt sein", sagt van Vlerken, die bei Lenovo bereits mehrere Marketingpositionen bekleidet hat.
Social Media wird in naher Zukunft zur Normalität im Geschäftsalltag und unabdingbar für wirtschaftlichen Erfolg. Zu diesem Schluss gelangt unter anderem die Studie "Social Media in Unternehmen" des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), für die branchenübergreifend 186 Personen aus Firmen unterschiedlicher Größe befragt wurden.
Bild: dapdTelekommunikation
Die Telekommunikationsunternehmen spielen ihre Stärken im Mobilfunkbereich voll aus. Die Branche erreicht erreicht den höchsten Durchschnittswert bei mobilen Aktivitäten. So nutzt Vodafone zum Beispiel eine App zur direkten Kundenkommunikation. Die T-Mobile-App bietet den Kunden an, jederzeit auf ihre Datenzugreifen zu können. Auch O2 bemüht sich, den Kundenkontakt über soziale Netzwerke zu verbessern.
Bild: dpaSport Fashion
Adidas liegt bei den Unternehmen im Sport Fashion-Segment ganz vorne. Der Branchen-Primus verfolgt eine beispielhafte Mobile-Strategie und hat zudem viele serviceorientierte Apps im Angebot. Damit können User zum Beispiel persönliche Trainingsfortschritte messen oder über Outfits abstimmen. Auf ihren Webseiten nutzen die bekannten Marken bisher nur wenige interaktive Tools, um die Kundenanbindung zu stärken. Um so stärker konzentrieren sie sich auf die Social-Media-Kanäle.
Bild: dapdVerbrauchsgüterindustrie
Die Verbrauchsgüterindustrie kennt die Bedeutung starker Marken sehr gut. Im Digital Activity Index 2012 spielt sich diese Branchenerfahrung allerdings nicht wider. Nur wenige Unternehmen stechen positiv hervor. Darunter auch Coca Cola und Pampers. Beide Unternehmen setzen auf eine Mischung aus App-Angeboten und sind in den sozialen Netzwerken stark vertreten. Die nationalen und regionalen Player sind deutlich weniger im Internet aktiv und senken den Durchschnitt drastisch. Somit landet die Verbrauchsgüterindustrie auf dem letzten Platz des Index in der Branchensicht.
Bild: APRetail
Sehr uneinheitlich ist das Bild im Retail-Bereich. Lidl erreicht im Social-Media-Segment sehr gute Werte. bei den Webseiten wiederum liegt Tchibo mit einer langen Verweildauer der Kunden auf der Seite vorne. Mobil sind vor allem Aldi, Ikea und Edeka aktiv, die solide Apps für iOS und Android anbieten.
Bild: dapdBaugewerbe
Verglichen mit den reinen Verbrauchermarken erreicht der Bau- und die Zuliefererindustrie gute Werte für ihre Webseiten. So bieten etwa Grohe und Hansgrohe Interaktionsfeatures an, die die Kundenbetreuung beschleunigen. Die Apps in dieser Branche sind vor allem Prospekt-Apps, in denen die eigenen Produkte beworben werden.
Bild: dpaFashion
Die Fashion-Unternehmen punkten vor allem mit ihren Webseiten. Einzelfälle, wie Hugo Boss oder New Yorker, tummeln sich auch im Bereich Social Media. Hugo Boss präsentiert sich vor allem mit Videos von Fashion-Shows auf der Plattform YouTube. Bei den mobilen Anwendungen liegt s.Oliver vorne. Das Unternehmen bietet eine App mit Fashion-Memory-Spiel an. Street One und Gerry Weber vernachlässigen die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, sich mit mobilen Anwendungen zu positionieren.
Bild: PresseHotels und Touristik
Unter den Hotels gibt es keine "digitalen Stars", obwohl Unternehmen wie Best Western, Marriott und NH Hotels mit mobilen Anwendungen erfolgreich auf dem Markt sind. Eigene Apps zeigen an, wie viele Zimmer noch frei sind und leiten Reservierungen weiter. Die Nutzer honorieren das und bewerten gerade diese Apps als sehr nützlich.
Bild: dapdAirlines
Einer der großen "digitalen Stars" der Studie ist die Lufthansa. Die deutsche Airline erreicht Spitzenwerte in sämtlichen Kategorien. Die Lufthansa-App ermöglicht es, die gesamte Reise mobil zu buchen. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Ein Großteil der Airlines liegt mit den Webseiten annähernd im Star-Bereich. Grund für das gute Angebot sind ganz klar die Kundenbedürfnisse. Der meiste Umsatz der Airlines wird derzeit im Internet generiert. Eher schlecht schneiden in der Studie Thomas Cook, Ryanair und Sun Express ab.
Bild: REUTERSBanken und Versicherungen
Laut Studie schneidet vor allem die Allianz mit hervorragenden Internetaktivitäten in allen Kategorien positiv ab. Bei den Apps stechen die Sparkasse und die Commerzbank heraus. Beide bieten auf allen Plattformen sichere Banking-Apps. Auch diese Apps werden von den Usern gut bewertet. Ansonsten steht die Branche eher schlecht da.
Bild: dpaMedien
Die größte "Star-Dichte" findet sich im Mediensektor. Die Branche bietet ein ausgewogenes Angebot bei den drei untersuchten Komponenten. Die Branche hat erkannt, dass die Menschen vor allem Unterwegs gerne und viel Nachrichten konsumieren.
Telekommunikation
Die Telekommunikationsunternehmen spielen ihre Stärken im Mobilfunkbereich voll aus. Die Branche erreicht erreicht den höchsten Durchschnittswert bei mobilen Aktivitäten. So nutzt Vodafone zum Beispiel eine App zur direkten Kundenkommunikation. Die T-Mobile-App bietet den Kunden an, jederzeit auf ihre Datenzugreifen zu können. Auch O2 bemüht sich, den Kundenkontakt über soziale Netzwerke zu verbessern.
Die Ergebnisse belegen, dass die meisten deutschen Unternehmen soziale Netzwerke als einen Teil ihrer Kommunikationsstrategie verstehen und die Ressourcen ausbauen wollen beziehungsweise bereits ausgebaut haben. Schon jetzt arbeiten in jedem zweiten deutschen Unternehmen Spezialisten für soziale Medien: Berufseinsteiger, die mit ihnen aufgewachsen sind, ebenso wie gestandene Kommunikationsexperten, die mit großen Budgets ein junges, onlineaffines Publikum ansprechen.
Große Unternehmen beschäftigen schon ganze Social-Media-Abteilungen. Vor allem Großunternehmen wollen vom direkten Kontakt mit den Nutzern der neuen Medien profitieren. Die Deutsche Bank beschäftigt allein schon zehn Social-Media-Experten.
Weiterbildungsmöglichkeiten
Know-how erweitern
Die Nachfrage nach entsprechenden Seminaren und Zertifikaten, mit denen Berufstätige ihr Know-how in Sachen Social Media erweitern und belegen können, ist groß. Crashkurse vermitteln höchstens Grundlagenwissen. Berufsbegleitende Kurse Kurse, wie der Fachwirt Social Media der DDA oder die Weiterbildung an der Leipzig School of Media, sind sinnvoller, denn sie vermitteln darüber hinaus, wie sich Social Media in die Unternehmenskommunikation einbinden lässt und wie man das Budget dafür kalkuliert.
Leipzig School of Media
Die Bildungseinrichtung bietet eine sechsteilige Kursreihe für Social-Media-Manager in spe: Sie erfahren etwa, wie sich Kommunikationsstrategien an Online-Zielgruppen anpassen oder Krisenkommunikation per Web organisieren lassen. Die eintägigen Seminare kosten 350 Euro.
Deutsche Dialogmarketing Agentur
Fachwirte für Social Media lernen, wie sich Twitter und Co. in die Kommunikation einbinden lassen. Weitere Inhalte des achtmonatigen Seminars für 7.770 Euro: Konzepte für Marketing und Vertrieb.
Digitale Kompetenzen wollen die meisten Unternehmen in erster Linie nicht durch Neueinstellungen, sondern durch Schulungen und Fortbildungen eigener Mitarbeiter gewinnen. Laut BVDW-Studie bevorzugen insgesamt 62 Prozent der befragten Unternehmen diesen Weg. Daneben werden gezielt Experten von außerhalb angeheuert. Jochen Mai ist dafür ein gutes Beispiel. Der 43-Jährige arbeitet seit Dezember 2011 als Leiter Social Media bei Yello Strom und steuert dort ein sechsköpfiges Team.
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