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Wirtschaft und Informatik: Der Mittelstand hinkt bei Datenanalyse hinterher

von Anja Steinbuch Quelle: Handelsblatt Online

Datenbanken? Mathematische Analyse? Digitale Absatzprognose? Vielen Mittelständlern sind moderne IT-Prozesse völlig fremd. Dabei speichern die Firmen viele Daten, die sich als wahre Goldgrube entpuppen können.

Wer den Bestand an Material noch immer nicht statistisch festhält, könnte bald ins Hintertreffen geraten, warnen IT-Experten. Quelle: AP
Wer den Bestand an Material noch immer nicht statistisch festhält, könnte bald ins Hintertreffen geraten, warnen IT-Experten. Quelle: AP

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Gute 350 Tonnen wiegt der erste Block des Rumpfes der "Norwegian Breakaway", der in das Dock II der Meyer- Werft in Papenburg gehoben wird. 70 weitere Teile werden folgen. Die niedersächsische Werft gilt in der Schiffbaubranche als besonders innovationsstark. Eine ihrer Stärken: die ausgeklügelte Logistik. Bei Meyer kann ein Meister per Tastendruck feststellen, wie sich seine Personalkosten entwickeln, wenn er einen Tag früher fertig werden muss oder die Reederei noch nachträglich Sonderwünsche einbringt. Und das, ohne dass der Zeitplan für den extrem komplexen Fertigungsprozess des Schiffes durcheinanderkommt. Der Weg dorthin ist nicht einfach - aber lohnend.

"Viele Unternehmen sitzen auf riesigen Datenmengen, werten diese aber nicht so aus, dass sie aus den im Haus vorhandenen Informationen lernen können", kritisiert Norbert Gronau. Der Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität Potsdam und seine Mitarbeiter haben mehrere Hundert Unternehmen zwischen Nordsee und Alpen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: "Deutschlands Mittelständler müssen schlauer werden", urteilt Gronau. Die meisten Betriebe nutzen noch nicht oder nur unzureichend vorhandene Analysemethoden. "Die Betriebe schauen hauptsächlich in den Rückspiegel, anstatt ihre Organisation auf Basis ihrer Informationen erfolgreich in die Zukunft zu führen."

Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer.

Bild: dpa

Doch ein Sinneswandel setzt ein. Langsam erkennen immer mehr Mittelständler, dass ihnen solche Analysesysteme etwas bringen. So nutzt zum Beispiel das Preisvergleichsportal Verivox ein solches System und kann seitdem Kundenverhalten vorhersagen. So wissen die Verivox-Manager, an welchen Tagen und zu welchen Stunden besonders viele Verbraucher anfragen. Anette Almer, Beraterin beim Business-Analytics-Anbieter SAS erklärt: "Das hilft dem Dienstleister beispielsweise, seinen Personaleinsatz optimal zu planen."

Auch die Arvato-Bertelsmann-Tochter Deutschland-Card steuert ihre Marketingkampagnen nach Analysen der Ergebnisse früherer Werbeaktionen sowie der Transaktionen und Punkte-Konten ihrer Teilnehmer. Laut Geschäftsleitungsmitglied Clemens Schäffner bildet die Analyse "das Gehirn und den Motor" der Kampagnen.

Big Data Wer hebt das Datengold?

Motorenhersteller, Supermärkte, Gebrauchtwagenhändler: Wie es Unternehmen inzwischen gelingt, aus der Informationsflut im Netz großen Profit zu schlagen.

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Verkaufsförderung: Der Weinhändler The Wine House hat mit Hilfe von Business-Analytics seinen Warenbestand elektronisch im Blick und kann ihn unter verschiedenen Aspekten beleuchten: nach Lieferanten, Abteilungen, Alter und Mengen. So lassen sich Flaschen ausmachen, die sich nur langsam oder gar nicht verkaufen. Und: Die Weinprofis wissen mittlerweile, welche Altersgruppe nur selten kalifornischen Weißwein kauft oder in welcher Region die Verkaufszahlen gerade zurückgehen. Dadurch kann der Weinhändler mit Preisreduzierungen oder gezielter Werbung gegensteuern.

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Bernhard Orth
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Bernhard Orth ist leitender Unternehmensberater bei IBM und verantwortet das Beratungsgeschäft für Smarter Commerce. Er berät seit mehr als 25 Jahren Kunden aus den Branchen Handel und Konsumgüterindustrie. Frage stellen
Thomas Franzl leitet den Lösungsvertrieb der IBM Software Group in Deutschland. Er berät Kunden in der Produktauswahl für ihr individuelles Smarter Commerce Business. Frage stellen

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