Digitalmarkt: "Die Zeit der Europäer wird kommen"

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InterviewDigitalmarkt: "Die Zeit der Europäer wird kommen"

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Ist die Dominanz US-amerikanischer Unternehmen im Internet- und Onlinehandel nur eine Momentaufnahme?

von Mark Fehr

Noch dominieren US-Firmen wie Google, Facebook oder Amazon das Internet und den Onlinehandel. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, sagt der Digitalexperte Philipp Freise vom Finanzinvestor KKR.

WirtschaftsWoche: Herr Freise, Sie haben nach Ihrem Berufsstart beim Beratungshaus McKinsey ein Unternehmen gegründet, das eigentlich in vielversprechende Start-ups investieren sollte. Heute arbeiten Sie aber bei einer großen Investmentfirma. Funktioniert Unternehmertum in Deutschland nicht?

Freise: Doch, Deutschland ist bekannt für exportstarke Unternehmen, die mit ausgetüftelten Produkten – oft aus dem Maschinenbau – die internationale Kundschaft begeistern. Allerdings ist die Bereitschaft junger Leute, Unternehmen zu gründen und aufzubauen, traditionell eher schwach ausgeprägt. Aber das ändert sich rasant. Als ich Mitte der 90er Jahre meinen Abschluss an der Koblenzer Wirtschaftshochschule WHU gemacht habe, hat sich dort nur ein sehr geringer einstelliger Prozentsatz als Gründer versucht. Heute sind es 15 Prozent eines Absolventenjahrgangs, die ein eigenes Unternehmen aufbauen wollen.

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Trotzdem sind die Amerikaner offenbar unangefochtene Champions, wenn es darum geht, Start-ups in erfolgreiche Großunternehmen zu verwandeln. Was machen Deutsche und Europäer falsch?

Es stimmt, dass US-Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook, die erst vor kurzer Zeit entstanden sind, derzeit das Internet und den Onlinehandel dominieren. Aber die amerikanische Dominanz ist eine Momentaufnahme, wie wir in einer aktuellen KKR-Studie aufzeigen. Die Zeit der Europäer wird kommen und es wird unserer Ansicht nach demnächst mehr europäische Champions in der Internetwirtschaft geben. Wie stark sich die strategischen Gewichte verschieben können, zeigen Zahlen des Marktforschungsunternehmens Comscore zum globalen Digitalmarkt: 1996 waren zwei Drittel aller privaten Internetnutzer US-Amerikaner, doch mittlerweile hat sich das Netz so stark in der ganzen Welt verbreitet, dass nur noch 13 Prozent der Nutzer in den Vereinigten Staaten sitzen.

Philipp Freise, Leiter des europäischen Medien- und Digital-Investmentteam des US-Finanzinvestors KKR, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Philipp Freise, Leiter des europäischen Medien- und Digital-Investmentteam des US-Finanzinvestors KKR, im Interview mit WirtschaftsWoche.

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Was bedeutet das für Europa?

Der europäische Digitalmarkt ist sogar größer als der in den USA. Dazu gibt es ein paar auf den ersten Blick trockene Zahlen, die ich aber spektakulär finde: Allein in den EU-Staaten leben 368 Millionen Internetnutzer und 193 Millionen Facebook-Mitglieder. Denen stehen nur 245 Millionen US-Netznutzer und 166 Millionen amerikanische Facebook-Profile gegenüber. Zudem verfügen 72 Prozent der Europäer über einen schnellen Breitbandinternetzugang. Solche Anschlüsse sind damit in Europa sogar etwas weiter verbreitet als in den USA. Und die Bereitschaft der Konsumenten, das Internet zu nutzen, scheint zum Teil sogar stärker ausgeprägt zu sein. In Großbritannien etwa haben bereits 87 Prozent der Internetnutzer schon online eingekauft, in den USA waren es nur 43 Prozent.

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