Drohende Insolvenz: Erste Gesprächsrunde macht Hoffnung für Weltbild

Drohende Insolvenz: Erste Gesprächsrunde macht Hoffnung für Weltbild

, aktualisiert 11. Januar 2014, 16:58 Uhr
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Die Zentrale des Weltbild-Verlags in Augsburg: Die Stadtvertreter sehen Anzeichen für die Rettung.

Quelle:Handelsblatt Online

Augsburg übt sich in Optimismus, was die Rettung des Weltbild-Verlags betrifft. Die Zeichen für das Unternehmen seien gut, erklärte Oberbürgermeister Kurt Gribl nach einem Krisengipfel – jedoch ohne Kirchenvertreter.

AugsburgNach der Insolvenz des katholischen Weltbild-Verlags sieht der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) positive Anzeichen für eine Rettung des Unternehmens. Er stützte sich dabei auf die Ergebnisse eines Runden Tisches, zu dem er am Samstag geladen hatte. Nach dem knapp zweieinhalbstündigen Gespräch sagte Gribl, man gehe derzeit von einer positiven Prognose für eine Fortführung des Unternehmens aus.

Nun müsse im Vordergrund stehen, dass der Betrieb mit all seinen Beziehungen zu Kunden und Lieferanten weiterlaufe. Allein in Augsburg stehen 2200 Arbeitsplätze auf der Kippe, insgesamt hat die Verlagsgruppe etwa 6300 Mitarbeiter. Am Freitag hatte der Weltbild-Verlag Insolvenz angemeldet. Die kirchlichen Eigentümer wollten keine weiteren Millionenbeträge in die Sanierung stecken.

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An dem Runden Tisch nahmen neben der Augsburger Wirtschaftsreferentin Eva Weber und den Chefs der Wirtschaftskammern auch Vertreter des Betriebsrats und der Gewerkschaft Verdi sowie der Augsburger Arbeitsagentur teil.

Einmütig betonten die Teilnehmer, dass die kirchlichen Gesellschafter weiter in der Verantwortung für das Unternehmen stünden. „Von den Gesellschaftern wird erwartet, dass sie zum Fortbestand des Unternehmens in erheblicher Weise beitragen“, heißt es in einem Ergebnispapier zu dem Gespräch.

Die katholische Kirche hatte an Vortag ihre Weigerung für weitere Finanzspitzen verteidigt. Die Bemühungen, das Unternehmen wieder zum Erfolg zu führen, seien leider fehlgeschlagen, teilte der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Peter Beer, mit. Beer ist Aufsichtsratschef bei Weltbild. In den kommenden drei Jahre hätten bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen, um die Sanierung umzusetzen. Zudem müsse für die Entschuldung ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag angesetzt werden.

Ein derart hoher finanzieller Aufwand könne angesichts verbleibender Unsicherheiten nicht verantwortet werden. Die Gesellschafter bedauerten diese Entwicklung sehr. „Die Gesellschafter stehen in dieser schwierigen Situation zu ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, sagte Beer. Man werde Mittel zur Abfederung sozialer Härten bereitstellen, hieß an dieser Stelle bereits.


„Der gute Hirte schert seine Schafe, aber zieht ihnen nicht das Fell ab“

Vor Überlegungen zu möglichen Hilfen für das Verlagshaus müsse eine erste Analyse des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz abgewartet werden, erklärte die Augsburger Gesprächsrunde nunmehr am Samstag. Dessen Mitarbeiter hatten bereits am Freitagabend im Augsburger Verlagsgebäude ihre Arbeit aufgenommen.

Betriebsrat und Verdi halten die Entscheidung der Eigentümer zur Insolvenz-Anmeldung für nicht nachvollziehbar. Vertreter vermuteten, die Insolvenz sei eher aus kirchenpolitischen statt aus wirtschaftlichen Gründen angemeldet worden. Es habe ja einen Sanierungsplan gegeben, aber die katholischen Bischöfe hätten plötzlich den Stecker gezogen.

Von den angeblich bis zu 160 Millionen Euro, die laut Aufsichtsrat in den kommenden drei Jahren für die Sanierung nötig sein sollten, sei bisher niemals die Rede gewesen, sagte Verdi-Sprecher Thomas Gürlebeck. Die Bischöfe stählen sich aus ihrer Verantwortung, die Beschäftigten würden zum „kirchenpolitischen Spielball“ gemacht. „Als guter Hirte schert man vielleicht seine Schafe, aber man zieht ihnen nicht komplett das Fell über den Kopf.“

Weltbild ist eines der größten Medienhäuser in Europa und gehört zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin.

Zum Auftakt des Runden Tisches hatte Gribl keine Vertreter der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats eingeladen. Aber er habe sich zuvor telefonisch mit der Verlagsseite ausgetauscht. Die Beratungen sollen voraussichtlich in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

Die Weltbild-Pleite ist nach dem Druckmaschinenhersteller Manroland und Walter Bau die dritte große Insolvenz in Augsburg innerhalb weniger Jahre. Der Verlag litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14.

Quellle:  Handelsblatt Online
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