Ebay-Chef Donahoe: "In Deutschland wird Ebay nicht richtig wahrgenommen"

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Ebay-Chef Donahoe: "In Deutschland wird Ebay nicht richtig wahrgenommen"

von Matthias Hohensee

Der Vorstandschef des Online-Händlers Ebay John Donahoe ärgert sich über sein Image in Deutschland und will mit Übersetzungssoftware das grenzüberschreitende Geschäft forcieren.

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John Donahoe, seit 2008 Vorstandschef von Ebay, spricht über die Entwicklung des Unternehmens und geht der Frage nach, wieso das Geschäft in Deutschland nach wie vor hapert

WirtschaftsWoche: Mr. Donahoe, Ebay ist 17 Jahre alt und damit ein Veteran unter den Internet-Unternehmen. Gibt es überhaupt noch Kunden, die Ebay zum ersten Mal entdecken?

Donahoe: Absolut, vor allem in aufstrebenden Märkten wie Brasilien, Russland, Indien, China sowie anderen Ländern. 75 bis 80 Prozent aller neuen Internet-Nutzer kommen von dort. Und viele können wir als Kunden gewinnen.

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Wird der Zustrom Ebay verändern?

Unsere Transaktionen werden immer internationaler, 30 Prozent sind schon jetzt grenzübergreifend, bei unserem Bezahldienst Paypal sind es etwa 25 Prozent. Wir hatten schon immer viele Verkäufer aus Asien, jetzt bekommen sie noch zusätzliche Käufer aus Ländern wie Russland und Brasilien.

Ist der Geschäftsverkehr dort überhaupt für den Online-Handel geeignet?

Jedes Land ist anders. In Russland hapert es am Bezahlsystem und an der Zustellung der Ware. In Brasilien erwarten die Käufer, dass sie in Raten zahlen können. In Indien nutzt die Mehrzahl der Neukunden Ebay über ein günstiges Smartphone statt über den Computer. Dort wiederum ist die lokale Zustellung supergünstig. Es gibt eine Menge Herausforderungen, aber eben auch viel Potenzial.

Ist das Vertrauen im grenzüberschreitenden Geschäft groß genug, um hier kräftig zu wachsen? Ebay-Verkäufer in den USA schließen häufig Kunden aus Russland oder Indonesien aus, weil es Ärger bei der Zustellung oder Bezahlung gibt.

"Das Kaufverhalten hat sich geändert. 70 Prozent unseres Angebots sind Neuwaren"

Wir arbeiten sehr eng mit den Behörden in den jeweiligen Ländern zusammen, um das zu verbessern. Wir sind dabei, auch die Abstimmung zwischen Verkäufer und Transportunternehmen zu verbessern und von vornherein Missverständnissen vorzubeugen. Wenn ein deutscher Verkäufer sein Angebot listet, soll er das künftig noch stärker als bisher weltweit tun können, indem beispielsweise sein Angebot automatisch in andere Sprachen übersetzt wird, in russisch oder portugiesisch.

Wie weit sind Sie damit?

Momentan bieten wir nur die Übersetzung vom Russischen ins Englische und umgekehrt. Aber wir arbeiten an weiteren Sprachen.

Profitiert Ebay von den wirtschaftlich schweren Zeiten, in denen die Menschen Teile ihres Besitzes zu Geld machen müssen und auf Schnäppchenjagd gehen?

Nein. Das Ebay-Geschäft ist nicht antizyklisch. Aber das Kaufverhalten hat sich geändert. 70 Prozent unseres Angebots sind mittlerweile Neuwaren. Wir sehen in den USA immer mehr Offline- Händler, die Waren der vorherigen Saison oder der Generation davor über Ebay verkaufen, um ihre Lager zu räumen. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland.

Ebay ist als Versteigerer von Gebrauchtwaren groß geworden. Was bedeutet der Trend zu Neuwaren für Sie?

Ebay hat sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert und sich weitaus stärker auf die Bedürfnisse der Käufer eingestellt. Wir haben niedrigere Preise und ein viel größeres und interessanteres Angebot. Die Anforderungen an unsere Top-Verkäufer sind gewachsen. Die müssen ihre Waren in der Regel 24 Stunden nach Verkauf versenden sowie günstige Beförderungspreise und Rücknahme anbieten. Wenn sie mehrfach schlecht bewertet werden, dann verlieren sie den Status als Top-Seller.

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