Elektronikhersteller: Protest gegen Router-Zwang der Netzbetreiber bei DSL-Anschlüssen

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exklusivElektronikhersteller: Protest gegen Router-Zwang der Netzbetreiber bei DSL-Anschlüssen

von Thomas Kuhn und Jürgen Berke

Elektronikhersteller machen mobil gegen Netzbetreiber wie Vodafone, O2 (Alice) und  Kabelgesellschaften, die ihren Kunden vorschreiben, mit welcher Technik sie ins Internet gehen.

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Netzwerktechnik-Hersteller wie AVM wehren sich gegen den Routerzwang der Netzbetreiber

Vergangene Woche haben 16 Hersteller von Netzwerktechnik schriftlich beim Regulierer und beim Bundeswirtschaftsministerium gegen den Hardwarezwang protestiert“, sagte Johannes Nill, Chef des Berliner Router-Herstellers AVM („FritzBox“), der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. Anlass der Beschwerde sind Netzbetreiber, die inzwischen vorschreiben, nur noch von ihnen  vorkonfigurierte Router einzusetzen, um damit ins Internet zu gehen. Das sei so, als würden Mobilfunkgesellschaften ihren Kunden vorgeschrieben, welches Handy sie benutzen müssen, so Nill.

Nach Meinung des FritzBox-Herstellers  verstoßen die Netzbetreiber damit nicht nur gegen die gesetzlich garantierte freie Wahl von Endgeräten seit Beginn der Telefon-Liberalisierung. Zugleich könnten Internet-Anbieter auf diese Weise auch das Online-Angebot mitbestimmen, das die Kunden nutzen. Die Netzbetreiber wollen kontrollieren, welche Internet-Dienste ihre Kunden nutzen und welche sie ihnen – gegen Zuschlag – verkaufen können. Wenn ich den Router kontrolliere, kann ich zum Beispiel verhindern, dass der Kunde alternative Anbieter für Internet-Telefonate einstellt“, kritisiert Nill in der WirtschaftsWoche. Ähnliches gelte für Zugriffe auf Cloud-Dienste, Online-Speicher, Internet-Videotheken oder sehr schnelle Datenverbindungen, die Computerspieler nutzen. „Mit all dem kann ein Netzbetreiber nur Zusatzumsätze machen, wenn der Kunde die Technik nicht mehr frei wählen kann“, sagt der AVM-Chef.

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Verbraucher werden ignoriert

Mitunterzeichner des Positionspapiers sind unter anderem der Telefonanlagenspezialist Auerswald aus Cremlingen, der Powerline-Experte Devolo aus Aachen und der auf WLAN und Standortvernetzung spezialisierte Hersteller Lancom aus Würselen. Mit ihrem Protest reagieren die Unternehmen auf die Entscheidung der Bundesnetzagentur, trotz zahlreicher Proteste von Kunden nicht gegen den Routerzwang der Netzbetreiber einzuschreiten. „Viele Jahre hat die Bundesnetzagentur verbraucherorientiert entschieden. Warum sie das nun aufgibt, ist uns ziemlich schleierhaft“, so Nill in der WirtschaftsWoche.

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