Elektronikkonzern: Sony droht der Abstieg in die Drittklassigkeit

Elektronikkonzern: Sony droht der Abstieg in die Drittklassigkeit

von Martin Fritz und Matthias Hohensee

Der einstige Unterhaltungselektronikstar ist wie sein Heimatland Japan nur noch ein Schatten seiner selbst. Wenn die Investitionen 2012 nicht greifen, droht der Abstieg in die Drittklassigkeit.

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Sony-Chef Howard Stringer zieht in die entscheidende Schlacht für den einstigen Paradekonzern der Unterhaltungselektronik.

Die Weltpremiere seiner neuen Bildschirmtechnik erlaubte Howard Stringer einen seiner raren Glücksmomente. Stolz zeigte der Chef des japanischen Sony-Konzerns auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas einen riesigen „Kristall-LED“-Fernseher. „Ihre Augen springen heraus, das Wasser läuft Ihnen im Munde zusammen“, versprach er.

Stringers Gefühlsausbruch Anfang Januar galt dem ersten selbstleuchtenden Fernseher der Welt. Jeder, der das Gerät gesehen habe, schwärmte Stringer, werde seinen Freunden sagen: „Ich habe die Zukunft gesehen – und sie kommt von Sony.“

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Mit solchen Sprüchen geht Stringer in die letzte große Schlacht seiner bisherigen sieben Jahre an der Spitze von Sony – und wohl auch in die entscheidende Schlacht des einstigen Paradekonzerns der Unterhaltungselektronik. Denn wie der bisherige Exportriese Japan zum Importeur und zum Schatten seiner selbst wird, muss Sony verhindern, seinen Nimbus zu verlieren.

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Unprofitabler Elektronikklotz

Während die Konkurrenten Apple und Samsung die Umsatzmarke von 100 Milliarden Dollar deutlich überschritten haben, sackten die Einnahmen der Japaner im zu Ende gehenden Geschäftsjahr auf das Niveau von 2004. Scheffeln die zwei Rivalen Milliardengewinne, schreibt Sony bereits das vierte Jahr in Folge rot. Unter Stringer schrumpfte der Börsenwert um mehr als die Hälfte.

Die Ratingagentur Moody’s stufte die Bonität gerade herunter. Die Geräte, die 70 Prozent des Geschäfts ausmachen, bringen kaum Geld ein. Richtig profitabel sind nur Filme, Musik, Spiele und Finanzdienste. Damit ist Sony nur noch ein Medien- und Finanzkonzern mit unprofitablem Elektronikklotz.

Kein japanisch

Das ist kein Ruhmesblatt für den 69-jährigen Unternehmenschef Stringer. „Natürlich haben wir eine Nachfolgeregelung, schon allein wegen meines Alters“, frotzelte der gebürtige Waliser in Las Vegas im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Neuer Präsident wird vielleicht schon im April sein Kronprinz Kazuo Hirai, auch „Kaz“ Hirai genannt. Stringer bleibt im Schlüsseljahr 2012 aber Chef des Verwaltungsrats und des operativen Geschäfts.

Natürlich hatte der Bummler zwischen zwei Welten, der kein Japanisch spricht und Sony von New York sowie von Tokio aus führt, auch viel Pech: Der starke Yen, der seit der Pleite der US-Bank Lehman 2008 um 40 Prozent gegenüber dem Dollar zulegte, färbt die Zahlen negativ, weil Sony über 80 Prozent des Umsatzes im Ausland macht. Je stärker der Yen, desto weniger erhält Sony pro Dollar oder Euro.

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