Erneute Anhörung: Abgeordneter beschimpft Murdoch-Sohn als Mafia-Boss

Erneute Anhörung: Abgeordneter beschimpft Murdoch-Sohn als Mafia-Boss

, aktualisiert 11. November 2011, 07:04 Uhr
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James Murdoch vor dem Parlamentsausschuss.

Quelle:Handelsblatt Online

Als Mafia-Boss beschimpfte ein britischer Abgeordneter James Murdoch bei einer Anhörung zum „News of the World“-Skandal. Der Sohn des Medien-Moguls wies dies zurück - ebenso wie die Vorwürfe er habe gelogen.

LondonDer Medienunternehmer James Murdoch hat in der Affäre um abgehörte Telefone und ausspionierte Prominente in Großbritannien erneut jede persönliche Schuld von sich gewiesen.

Zeugenaussagen, wonach er schon 2008 vom Ausmaß der illegalen Praxis bei der Skandalzeitung „News of the World“ gewusst hatte, seien falsch. Das sagte Murdoch heute vor Abgeordneten des britischen Parlamentsausschusses für Kultur, Medien und Sport. Es war das zweite Mal, dass der 38-Jährige Sohn des Medienzaren Rupert Murdoch vor dem Ausschuss aussagen musste.

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Beim ersten Auftritt gemeinsam mit seinem Vater am 19. Juli hatte der Europa-Chef des Medienkonzerns News Corporation erklärt, er habe erst aus den Medien vom Ausmaß der Abhöraffäre erfahren. Zuvor habe er nur gewusst, dass ein einzelner Reporter Telefone hatte anzapfen lassen. Dieser Reporter war Clive Goodmann, der bereits 2007 inhaftiert worden war.

Mittlerweile haben ehemalige Mitarbeiter, darunter der frühere Chefredakteur der „News of the World“ Colin Myler, die Aussagen von James Murdoch angezweifelt. Konkret geht es um eine E-Mail an einen früheren Chefreporter des Blattes. Die Mail aus dem Jahr 2005 enthalte Abschriften von Mitschnitten, sagte der ehemalige Justiziar von Murdochs britischer Zeitungsgruppe, Tom Crone. Aus ihr sei hervorgegangen, dass das illegale Abhören von Mobilfunktelefonen kein Einzelfall gewesen sei. Crone und Myler hätten sie James Murdoch bereits 2008 vorgelegt.

Murdoch widersprach: „Das wurde mir nicht gezeigt“ und fügte hinzu: „Ich glaube, ihre Zeugenaussage war irreführend.“ Erst in den vergangenen Tagen war bekannt worden, dass die Reporter von „News of the World“ nicht nur die Telefone von Prominenten, Kriegerwitwen und Verbrechensopfern angezapft hatten. Sie setzten auch gezielt Privatdetektive ein, um Prominente wie Prinz William auszuspionieren. Murdoch räumte ein, diese Praxis sei „unakzeptabel“.


„Sie sind ein Mafia-Boss“

Während des zweieinhalbstündigen Verhörs wurde der Manager teils hart angegangen. „Sie müssen der erste Mafia-Boss in der Geschichte sein, der nicht wusste, dass er eine kriminelle Unternehmung führt“, sagte der Labour-Abgeordnete Tom Watson. Murdoch wies den Mafia-Vergleich als „unpassend und unwahr“ zurück.

Die Londoner Polizei geht inzwischen davon aus, dass insgesamt 6000 Menschen von Reportern und Detektiven aus Murdochs britischer Mediengruppe News International ausspioniert wurden. Der Skandal hatte unter anderem der Vorstandsvorsitzenden der Gruppe, Rebekah Brooks, den Job gekostet. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass sie sich mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber auf eine Abfindung in Höhe von 1,7 Millionen Pfund geeinigt hat.

Unter anderem war auch der britische Premierminister David Cameron unter Druck geraten. Sein früherer PR-Berater und späterer Regierungssprecher Andy Coulson war früher Chefredakteur von „News of the World“ gewesen. Cameron stellte Coulson an und verschaffte ihm später ein Regierungsamt, obwohl er wusste, dass Coulson bereits 2007 wegen der Affäre um Clive Goodman als Chefredakteur zurückgetreten war.

Quelle:  Handelsblatt Online
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