Erstes Windows-Phone: Nokia probt sein Comeback

Erstes Windows-Phone: Nokia probt sein Comeback

, aktualisiert 26. Oktober 2011, 13:34 Uhr
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Nokia-Chef Stephen Elop zeigt das neue Nokia Lumia 800 Smartphone bei der Nokia World 2011.

von Helmut Steuer und Dana HeideQuelle:Handelsblatt Online

Der Handyhersteller Nokia sucht den Weg aus der Smartphone-Krise. Konzernchef Stephen Elop hat heute das erste Smartphone mit Windows vorgestellt und eine Gerätefamilie, die vor allem in Schwellenländern punkten soll.

London Mit zwei neuen Smartphones, die mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 laufen, sowie diversen neuen Diensten will der einstige Branchenprimus den Anschluss an die Weltspitze wiederherstellen. Helfen sollen dabei vor allem die beiden neuen Windows Phone-Geräte Lumia 800 und Lumia 710. "Die Lumia-Geräte sind die ersten richtigen Windows-Handys", sagte Elop. Und die rund 3000 Kunden, Analysten und Journalisten bei der jährlichen Hausmesse Nokia World applaudierten.

Bei beiden Handys sind viele Apps bereits vorinstalliert, sodass der Kunde das Gerät direkt aus der Packung herausnehmen und direkt anwenden kann. "Ohne Einloggen, ohne Konto, einfach benutzen", erklärte Elop. Beide Geräte sind mit hochwertigen Kameras ausgestattet und haben die Nokia-Navigationssoftware bereits an Bord. Nokia hat ebenfalls soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook in die Geräte integriert.

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Lumia 800 wird im November in Deutschland, Frankreich, Spanien, Niederlanden und Großbritannien erhältlich sein. Lumia 710 soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Preislich legt sich Nokia trotz Komplettausstattung unter das Niveau der Konkurrenz: Ohne Subventionen und Mehrwertsteuer soll das Lumia 800 rund 420 Euro kosten. Das kleinere Modell wird es für 270 Euro geben. Die neuen Smartphones sehen Apples iPhone ziemlich ähnlich: rechteckig, abgerundete Ecken, schmaler Rahmen, drei Bedienelemente unten, in der Mitte das Windows-Zeichen.

Anwesende Analysten geben den neuen Geräten gute Chancen, sich erfolgreich gegen die deutlich teurere Konkurrenz von Apple, Samsung und HTC durchsetzen zu können.

Ab sofort wird in den fünf europäischen Ländern eine umfassende Werbekampagne gestartet. Außerdem haben die Finnen in den vergangenen Wochen mit allen großen Telekom-Konzernen verhandelt. Wie das Handelsblatt erfuhr, hat die Deutsche Telekom das neue Windows-Gerät umfassend getestet und ein sehr positives Urteil abgegeben. Das ist wichtig für Nokia, da das Unternehmen davon abhängig ist, dass die Telekom-Konzerne die neuen Geräte subventionieren.

Das zweite Modell, das das Unternehmen bei der Nokia World vorstellt, trägt den Namen Asha. Die neue Modellreihe arbeitet noch mit dem Betriebssystem Symbian und soll vor allem Menschen in den aufstrebenden Schwellenländern ansprechen. Die Geräte werden zwischen 60 und 115 Euro kosten und Ende des Jahres sowie Anfang 2012 auf den Markt kommen. Das Unternehmen wolle „die nächste Milliarde Menschen ins Internet bringen“ sagte Elop. Das Smartphone verfügt sowohl über einen Touchscreen als auch einen Tastatur und erinnert optisch an das Blackberry von RIM. „Asha kommt aus der Hindi-Sprache und bedeutet Hoffnung“, sagte Elop.


Nokia hat den Touchscreen unterschätzt

Für Nokia ist die diesjährige Hausmesse enorm wichtig. Denn der Konzern ist mächtig ins Schlingern gekommen und muss seit mehr als einem Jahr mit negativen Schlagzeilen leben. Erst vor einer Woche musste das Unternehmen einen Verlust von 68 Millionen Euro im dritten Quartal ausweisen. Vor einem Jahr hatte Nokia noch einen Gewinn von 529 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch der Umsatz ging um 13 Prozent auf knapp neun Milliarden Euro zurück. 

Nokia hatte 2007, als Apple sein iPhone präsentierte, die enorme Faszination der intuitiven Bedienung auf dem Touchscreen völlig unterschätzt und konnte erst andertalb Jahre später ein Smartphone mit ähnlichen Bedienungsmöglichkeiten auf den Markt bringen. Das war zu spät, da vor allem auch die Konkurrenz, die auf das Google-System Android setzte, nicht geschlafen und eine Vielzahl der digitalen Alleskönner auf den Markt gebracht hatte.

Der finnische Konzern, der zu seinen besten Zeiten einen Handy-Weltmarktanteil von 40 Prozent hielt, rutschte binnen zwei Jahren auf nunmehr nur noch knapp 23 Prozent ab. Ein Grund für den Absturz des Riesen war das in die Jahre gekommene Betriebssystem Symbian, das für viele der neuen Smartphone-Funktionen nicht geeignet war. 

Deshalb beschloss der erst vor einem Jahr angetretene neue Nokia-Chef Elop einen radikalen Schnitt: Erstmals in der Firmengeschichte, so verkündete er im Februar dieses Jahres, wird sein Konzern in alle neuen Smartphones das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 integrieren. "Heute startet ein völlig neues Kapitel der Nokia-Geschichte", sagte Elop am Ende seiner mit Spannung erwarteten Präsentation.

Nach jüngsten Zahlen der Marktforscher führt Apple (USA) den weltweiten Markt der Smartphone-Hersteller an, vor Samsung (Südkorea), Nokia (Finnland), RIM (Kanada) mit seinen Blackberry-Geräten, HTC (Taiwan) und Motorola (USA), das inzwischen von Google übernommen wurde. Samsung und HTC stellen sowohl Windows- als auch Android-Smartphones her. Bei den Software-Plattformen für die Computer-Handys liegt Android vor dem Apple-System iOS und Blackberry. Das vor gut einem Jahr eingeführte Windows Phone 7 hat den Marktforschern zufolge bislang erst einen Anteil von weniger als zwei Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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