European Games Group: Das Geschäft mit dem Gaming

European Games Group: Das Geschäft mit dem Gaming

, aktualisiert 05. Februar 2016, 15:47 Uhr
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Gözalan vermarktet Online-Games, die nebenher auf dem Rechner oder dem Handy gespielt werden können.

von Axel HöpnerQuelle:Handelsblatt Online

Das Geschäft mit Gratis-Spielen für Gelegenheits-Daddler boomt weiter. Auch der Münchener Unternehmer Johannes Sevket Gözalan mischt da mit. Er will seine European Games Group zu einem Branchenriesen machen.

MünchenFür ein kleines Computerspiel nebenher während der Arbeit hat Johannes Sevket Gözalan wohl weder die Zeit, noch die Muse. Der Münchener ist leidenschaftlicher Unternehmer. Im blauen Anzug mit rosa Hemd sitzt der 55-jährige Deutsch-Türke in einem Münchener Luxushotel und erläutert mit intensiven Gesten und leuchtenden Augen sein Geschäftsmodell. „Ich bin kein Gamer“, sagt er, „doch ich wollte schon immer Games machen.“

Das Potenzial von Online-Spielen hatte Gözalan schon früh gesehen. Als Chef des Spielemagazin-Herausgebers Computec gründete er einst die größte Online-Internetseite für World-of-Warcraft-Spieler. „Mir war immer klar, dass Spiele einer der großen Treiber im Internet sein wird.“ Heute vermarktet er Online-Games, die nebenher auf dem Rechner oder dem Handy gespielt werden können.

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Dabei setzt er auf eine in der Branche ungewöhnliche Arbeitsteilung: Spiele-Entwickler können mit fertig und auf eigene Kosten entwickelten Spieler zu einer European Games Group kommen. Die vermarktet das Spiel dann weltweit. Die Einnahmen werden geteilt. „Du brauchst als Entwickler heute keinen mehr, der dich enteignet“, sagt Gözalan. Er selbst muss im Gegenzug nicht das oft große und kostspielige Risiko der Spiele-Entwicklung tragen.

Bislang geht die Rechnung auf. Mit Spielen wie „Hero Zero“ oder dem aus Frankreich kommenden Kochspiel „Tasty Tale“ will die Gruppe den Nettoumsatz im laufenden Jahr auf 14 Millionen Euro erneut verdoppeln, wenn die aktuelle Finanzierungsrunde klappt. Mittelfristig sollen die Erlöse dann auf 45 Millionen Euro steigen. Auf längere Sicht hält Gözalan auch mehr als 100 Millionen Euro bei operativen Umsatzrenditen von mehr als 25 Prozent für möglich, wenn die Gruppe bei den Hits das richtige Händchen hat.

Gözalans Vision ist es, dass die European Games Group das größte Entwicklernetzwerk der Welt wird. Derzeit wirbt der Mehrheitseigentümer bei Investoren für eine neue Finanzierungsrunde. Mit dem Erlös soll vor allem die weltweite Marketingkraft verstärkt werden. „Natürlich kann ich mir auch irgendwann einen Börsengang vorstellen“, sagt Gözalan.

Die Computerspielebranche ist zwar keine einfache, aber eine attraktive. Laut den Marktforschern von der GfK gibt es mehr als 33 Millionen Computerspieler in Deutschland. Der Markt für Computer- und Videospiele ist ohne die Hardware knapp zwei Milliarden Euro groß.

Die European Games Group ist auf sogenannte Browser-Games spezialisiert, die sich ohne spezielle Konsole spielen lassen. Bei Kindern beliebt ist derzeit zum Beispiel Minion Rush vom Konkurrenten Gameloft, nach eigenen Angaben weltgrößter Entwickler und Herausgeber von Spielen für mobile Geräte. In früheren Jahren war Farmville von Zynga sehr erfolgreich. Weltweit erfolgreichstes Browsergame war zuletzt Candy Crush Saga mit allein 11,7 Millionen täglichen Nutzern auf Facebook. Entwickelt hat das Spiel King, der achtgrößte Spiele-Herausgeber weltweit mit einem Umsatz von zuletzt 1,5 Milliarden Euro. An der Spitze steht Sony mit knapp zehn Milliarden Euro.


Das Unternehmen besetzt eine Nische

Gözalans Games Group setzt auf Spiele, die umsonst gespielt werden können. „Wenn die Leute es lieben, wollen sie dann auch Geld ausgeben“, sagt Gözalan. Das können die Nutzer innerhalb der Spiele. Dabei betont der Unternehmer, dass es bei ihm kein „pay-to-win“ gebe. Die Spiele können auch ohne, dass man etwas zahlt, zu Ende gebracht werden. Allerdings können sich die Spieler Zeit sparen, indem sie zum Beispiel für eine Figur zum Weiterspielen neue Energie kaufen, die sonst erst am nächsten Tag wieder zur Verfügung stünde. Laut dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware gaben die Spieler in Deutschland im ersten Halbjahr 2015 rund 264 Millionen Euro für Mikrotransaktionen in Spielen aus, also zum Beispiel für virtuelle Güter. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Anstieg von 15 Prozent.

Bei Eltern sind solche Spiele nicht unbedingt beliebt. Besteht doch die Gefahr, dass die Kinder erst kostenlos in ein Spiel gelockt werden, um dann dort Geld auszugeben. „Ich muss meine Kinder erziehen, dass sie nicht jedem Impuls nachgeben“, sagt Gözalan, der selbst fünf Kinder hat. Er biete aber auch keine Spiele mit Suchtfaktor für Kinder an. Tasty Tale ist vor allem bei älteren Frauen beliebt, und ist auch in den USA eingeschlagen.

Die European Games Group besetzt eine Nische. Da gibt es zum einen die großen Spielekonzerne wie Sony, Nintendo und Electronic Arts, die Games entwickeln lassen und vermarkten. Daneben können Entwickler ihre Spiele zunehmend einfach selbst herausbringen – doch dann fehlt ihnen die Marketing-Power. Hier will Gözalan mit seinem Bündnis ansetzen. 37 Mitarbeiter beschäftigt er schon, Tendenz steigend.

Der Unternehmer, der leichten Münchener Dialekt spricht, hat schon eine bunte Karriere hinter sich. Nach dem BWL-Studium leitete er mehrere Familienunternehmen im Bereich der Filmproduktion, später baute er die türkische Niederlassung von Warner auf. Später arbeitete er unter anderem als Vorsitzender der Geschäftsführung beim Verlag Hüthig Fachinformationen. Neue Medien waren dabei stets ein Spezialgebiet.

Eine Erkenntnis, die er dabei gewann: Anwendungen müssen heutzutage plattformübergreifend funktionieren. Games zum Beispiel werden immer öfter auf dem Handy oder Tablet gespielt. Im ersten Halbjahr 2015 wuchs der Markt für Spiele-Apps laut Branchenverband BIU um 54 Prozent. „Das von der Spiele-Branche entwickelte Modell der Free-to-Play-Spiele erfreut sich insbesondere auf Mobilgeräten weiter steigender Beliebtheit“, sagte BIU-Geschäftsführer Maximilian Schenk. Durch das Kostenlos-Angebot könnten auch Smartphone-Nutzer erreicht werden, die sonst gar nicht spielen.

Der Markt also ist da, Gözalan muss nur auf die richtigen Spiele setzen. Eine ganze Reihe von Spielen testet er, bevor zwei bis drei dann wirklich großflächig vermarktet werden. Genug kreative Köpfe gibt es seiner Meinung nach in der Entwicklerbranche. „Für mich ist ein Programmierer wie ein Komponist.“

Quellle:  Handelsblatt Online
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