Ex-Telekom-Chef: Obermanns Traum ist geplatzt

KommentarEx-Telekom-Chef: Obermanns Traum ist geplatzt

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Am 2. Januar hatte René Obermann seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des niederländischen Kabel-TV-Anbieters Ziggo angetreten. Jetzt ist der ehemalige Telekom-Chef seinen Job schon wieder los.

von Jürgen Berke

Das Internet frisst seine Pioniere. Gerade erst gestartet, muss Ex-Telekom-Chef René Obermann seinen Chefposten beim Kabel-TV-Anbieter Ziggo auch schon wieder quittieren.

Das Intermezzo hätte kaum kürzer ausfallen können. Am 2. Januar hatte René Obermann seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des niederländischen Kabel-TV-Anbieters Ziggo angetreten. Jetzt ist der ehemalige Telekom-Chef seinen Job schon wieder los. Der US-Kabelkonzern Liberty Media kündigt heute die Übernahme von Ziggo für knapp sieben Milliarden Euro an. Und damit ist auch Obermanns Schicksal besiegelt. Als verlängerter Arm von US-Medienmogul John Malone den europäischen Telekommunikationsmarkt aufmischen, dies war mit Obermanns Zukunftsplänen nicht vereinbar. Bei einer kleinen Company wieder stärker im operativen Geschäft mitmischen – diese Vision lässt nun nicht mehr verwirklichen.

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Dabei war das Fiasko schon Ende vergangenen Jahres absehbar. Wenn Liberty Global einen Kabel-TV-Anbieter ins Visier nimmt, das zeigen alle bisherigen Erfahrungen, dann ziehen die das auch durch. Liberty Global war schon Anteilseigner bei Ziggo. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis John Malone erneut zuschlägt, die Anteile aufstockt oder sich Ziggo ganz einverleibt. Doch alle Vorhaltungen seiner Weggefährten, dass er das falsche Unternehmen für seine Selbstverwirklichung ausgewählt habe, wies Obermann noch bis kurz vor Weihnachten zurück. Bis zu seinem letzten Arbeitstag am 30. Dezember denke er nur an die Telekom, erst nach seinem offiziellen Antritt am 2. Januar richte er seine ganze Aufmerksamkeit auf Ziggo, hatte Obermann noch kurz vor seinem Abschied in Bonn erklärt.

Die fehlende Weitsicht wird Obermann nun zum Verhängnis. Ausgerechnet der Telekom-Lenker, der öffentlich wie kein anderer vor der sich abzeichnenden Übermacht der US-Konzerne im Internet und der sich abzeichnenden Fusionswelle in Europa gewarnt hat, gerät nun zwischen die Räder. Um Obermanns Zukunft braucht man sich allerdings keine Sorgen zu machen. Die bisher so bilderbuchmäßig verlaufende Karriere bekommt zwar einen ersten Dämpfer, doch ins Bodenlose fällt Obermann nicht. Abhaken, weitermachen und nach einem neuen Chefposten Ausschau halten.

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Die Headhunter werden schon heute zum Telefonhörer greifen und schicke Angebote vorlegen. Die Frage ist nur: Gibt es in Deutschland oder in den angrenzenden Nachbarländern überhaupt noch smarte, schnell wachsende Internet-Unternehmen, die nicht von der Konsolidierungswelle erfasst werden und eine langfristige Überlebenschance besitzen.

Chef eines leicht überschaubaren Internet-Unternehmens ohne lähmende Konzernstrukturen zu werden, ist in diesen Tagen gar nicht so einfach. Vor dem nächsten Schritt sollte sich Obermann die Fallstricke noch genauer anschauen.

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