Facebook-Chef in Berlin: Der Staatsbesuch von König Zuckerberg

Facebook-Chef in Berlin: Der Staatsbesuch von König Zuckerberg

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Facebook-CEO Mark Zuckerberg in Berlin

von Christian Schlesiger

Zwei Tage lang inszeniert sich der Gründer und Chef von Facebook in der Hauptstadt als Problemlöser der Welt. Bei einem Kamingespräch ohne Kamin spricht der 31-Jährige über die Zukunft des Unternehmens. Fragen sind verboten. Das Motto der Veranstaltung soll lauten: Facebook ist einfach „amazing“.

Mark Zuckerberg nickt und lächelt. Sein Rücken ist durchgedrückt, mit seinen Hände stützt er sich auf seinen Beinen ab. Je mehr sein Sitznachbar erzählt, umso kräftiger wird das Nicken des Facebook-Chefs. Yann LeCun philosophiert neben ihm über die Forschungsergebnisse zur künstlichen Intelligenz. LeCun ist Leiter der Abteilung bei Facebook. Und er entwirft Szenarien, wie Facebook daran mitwirken will, Maschinen in Zukunft intelligenter und sozialer zu machen – mit einem Sinn für menschliche Interaktion. Zuckerberg ist begeistert.

Begeistert sollen auch die Zuhörer sein, die an diesem Donnerstagnachmittag in den „Innovation Hub“ von Facebook gekommen sind, einem Pavillon direkt gegenüber dem Bundesfinanzministerium. Facebook hat ihn sich für vier Tage errichten lassen, als Showroom und Veranstaltungsort.

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Rund 50 Politiker, Unternehmer und ein paar Journalisten sollen sich ein Bild von der guten Seele Facebooks machen. „Unsere DNA“, sagt Zuckerberg, „ist es, technologische Probleme der Zukunft zu lösen.“ Facebook sei „eine technology company“, die immer mehr Menschen ins Internet bringen wolle.

Die Veranstaltung in Berlin gerät zur perfekt orchestrierten Selbstbeweihräucherung. Neben Zuckerberg – wie gewohnt ihm grauen T-Shirt, blauen Jeans und Nike-Turnschuhen – sitzt auch Martin Ott, der Nord- und Zentral-Europa-Chef von Facebook. Ott stellt die Fragen, Zuckerberg antwortet. Auf dessen Botschaften reagiert Ott mit Ausbrüchen der Begeisterung: „amazing“ und „that’s interesting“. Es hat schon Züge von Realsatire, wie ein Manager von Facebook den Chef von Facebook interviewt.

Deutschland ist ein wichtiger Markt für Facebook

In diesen Tagen eröffnet das Unternehmen sein neues Hauptstadt-Büro mit bis zu 50 Leuten mit Blick auf Bundestag und Kanzleramt. Es sei ein Bekenntnis zum Standort Deutschland, heißt es bei Facebook. Alles andere wäre sicher eine Überraschung gewesen. Inzwischen nutzen 28 Millionen Deutsche Facebook, davon drei Viertel sogar jeden Tag. Auch das Foto-Netzwerk Instagram, seit 2012 eine Tochter des Konzerns, vereint inzwischen neun Millionen aktive User in Deutschland. Allein die schiere Masse macht Deutschland zu einem wichtigen Markt.

Doch vielmehr will sich Facebook-Gründer Zuckerberg bei seiner Stippvisite in die Hauptstadt als Treiber sozialer Innovationen darstellen. Er will das lästige Image des Datensammlers und Verbreiters von Hasskommentaren abschütteln. In dem Pavillon präsentiert Facebook deshalb seine neusten Produkte und Forschungsergebnisse.

So sieht die gewöhnliche Facebook-Nutzung aus

  • 94 Prozent

    Bei 94 Prozent der Nutzer gehört der Besuch bei Facebook genauso zur Alltagsroutine, wie Zähne putzen.
    Quelle: The Facebook Experiment: Does Social Media Affect the Quality of our Lives?

  • 86 Prozent

    86 Prozent lesen ihren Facebook-Newsfeed oft oder sehr oft.

  • 78 Prozent

    Mehr als drei Viertel der Nutzer verbringen 30 oder mehr Minuten pro Tag auf Facebook.

  • 69 Prozent

    Bilder sagen mehr als Worte: Mehr als zwei Drittel posten Fotos von großartigen Dingen, die sie erlebt haben.

  • 61 Prozent

    Mein Haus, mein Auto, mein Boot: 61 Prozent posten auf Facebook, was ihnen Gutes wiederfahren ist.

Besucher können sich über die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, die im Frühjahr auf den europäischen Markt kommt, in Spielwelten beamen. Kameras erkennen auf Bildern mit Tieren, um welche Hunderassen es sich handelt. Und die solarbetriebene Drohne Aquila soll Menschen in entlegenen Regionen der Welt Zugang zum Internet ermöglichen. Über die Facebook-Initiative Internet.org bietet das Unternehmen gar kostenlose Basisdienste für Menschen in der Dritten Welt.

Wie bei einem Staatsbesuch ist jeder Schritt von Zuckerberg getaktet. Seit Monaten arbeiten die Marketing-Leute am publikumswirksamen Auftritt. An diesem Donnerstagnachmittag steht nun der „Fireside Talk“ an, das Kamingespräch. Allerdings ohne Kamin.

Die Eingeladenen müssen durch ein Spalier von Empfangspersonal und Sicherheitsleuten. Obwohl genügend Platz für mehrere interessierte Medien wäre, blieben renommierte Redaktionen der Hauptstadtpresse außen vor. Einigen der Eingeladenen soll das Heckmeck zu groß gewesen sein, so dass sie noch am Eingang wieder kehrtmachten.

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