Facebook-Nutzer kontern SAP-Vorstand: „Betreuen dann 50 Menschen einen Roboter?“

Facebook-Nutzer kontern SAP-Vorstand: „Betreuen dann 50 Menschen einen Roboter?“

, aktualisiert 25. Januar 2017, 20:53 Uhr
Bild vergrößern

Intelligente Roboter können etliche Jobs erlernen.

von Andreas NeuhausQuelle:Handelsblatt Online

SAP-Vorstand Bernd Leukert glaubt, dass die Digitalisierung keine Jobs vernichtet, sondern Berufsbilder und Ausbildungen verändert. Auf der Facebook-Seite des Handelsblatts widersprechen ihm zahlreiche Nutzer.

DüsseldorfEigentlich sieht Baxter ganz niedlich aus mit seinen treuen Augen. Doch für viele Menschen ist er das Sinnbild ihrer Ängste. Denn Baxter ist ein intelligenter Roboter der amerikanischen Firma Rethink Robotic. Anders als frühere Roboter ist er nicht für bestimmte Arbeiten programmiert, sondern erlernt Arbeitsabläufe durchs Zuschauen.

Allzweck-Roboter wie Baxter werden die Arbeitswelt verändern. Viele Menschen fürchten im Zuge der Digitalisierung und dem Einzug neuer Technologien um ihre Jobs. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber bald. Dabei ist doch das Gegenteil der Fall. Das versicherte zumindest der SAP-Vorstand Bernd Leukert im Handelsblatt-Interview.

Anzeige

Er findet, dass in dieser Diskussion zu viel über negative Szenarien gesprochen wird. Zwar würden intelligente Systeme zunehmend Standardaufgaben übernehmen, aber Leukert ist überzeugt: „Die Digitalisierung vernichtet in Summe kein Jobs. Sie verändert Berufsbilder und die Ausbildung.“

SAP Vom langweiligen Softwarekonzern zum Wachstumsmotor der IT

SAP legt bestechend gute Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2016 vor. Der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware aus Nordbaden hebt seine Mittelfristprognose bis 2020 an. Daran muss sich Chef McDermott messen lassen.

"SAP ist nicht zu stoppen", SAP-Vorstandschef Bill McDermott (rechts) neben Finanzvorstand Luka Mucic auf der Jahrespressekonferenz. Quelle: dpa

Auf der Facebook-Seite des Handelsblatts sorgt das für heftigen Widerspruch. In einer lebhaften Diskussion verweisen einige Nutzer auf Produktionshallen, in denen nur noch ein oder zwei Ingenieure am Leitstand sitzen, die Produktion überwachen und selbst die Wartung und Programmierarbeiten durchführen. Facebook-Nutzer Andreas Meier ist deswegen skeptisch, dass die Digitalisierung für mehr Jobs sorgt. Er schreibt auf Facebook voller Sarkasmus: „Ja genau... Ich sehe es schon, wie in Zukunft 50 Menschen dann einen Roboter betreuen.“

Mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Viele kritisieren den SAP-Chef und nennen Leukerts Aussage „realitätsfern“. Denn die neuen Berufsbilder würden keine Arbeitsplätze für diejenigen schaffen, die gerade ihren Job verloren hätten. Einige Nutzer verweisen darauf, dass in der Aus- und Weiterbildung nicht ausreichend darauf geachtet werde, die Menschen auf die kommenden Jobs vorzubereiten und dafür zu qualifizieren. Wilma Jesche fordert deshalb von den Unternehmen: „Schafft neue Berufe und die passende Ausbildung dazu.“

Andere bringen ihre Angst zum Ausdruck, dass die veränderten Berufsbilder immer mehr Menschen abhängen. „Heute sind es die Geringqualifizierten und morgen sind es die Qualifizierten, deren Berufsfelder immer weniger werden, da die Roboter deren Arbeiten ebenfalls bald übernehmen können“, schreibt Carmen Gollub.

Warum längst nicht alle Nutzer schwarz sehen

Ein anderer Nutzer behauptet gar, dass die Digitalisierung 90 Prozent der Jobs „killen“ werde. Deshalb sieht Oliver Pasch die Gefahr, dass der extremistische Parteien immer mehr Zulauf erhalten: „Wer hohe Bildungsstandards nicht erfüllen kann, wird abgehängt. Diese Gruppe wächst – und wählt ‚Rattenfänger‘.

Wenn immer mehr Arbeiten von Robotern übernommen werden, muss man darüber nachdenken, die verbleibende Arbeit anders zu verteilen – das finden zumindest etliche Nutzer. Johannes Gunder beispielsweise schreibt: „Die Berufswelt wird sich grundlegend verändern, man sollte über ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Güterverteilung und den Begriff ‚Arbeit‘ als Ganzes nachdenken, bevor man hofft, dass die Arbeitsplätze irgendwie ausreichen.

Serie EntscheidungsMacher SAP: Ein Güterzug namens Hana

Die Hochleistungsdatenbank Hana ist eines der wichtigsten Produkte in der Geschichte des Softwarekonzerns – und entstand beim Brainstorming bei einem Glas Wein.

Hasso Plattner Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Allerdings sehen längst nicht alle User schwarz. So verweist Matthias Blaas darauf, dass die Preise vieler Produkten durch einen höheren Grad der Automatisierung sinken werde. Die Menschen hätten also mehr Geld zur Verfügung, was wiederum die Nachfrage nach anderen, neuen Dienstleistungen und Waren anregt. „Da die Bedürfnisse des Menschen unendlich sind, wird Automatisierung nie zu in Summe weniger Arbeitsplätzen führen“, schreibt Blaas.

Kein Panik, lautet der Rat. Ähnliche Befürchtungen habe es schon früher gegeben – etwa als die ersten Maschinen in die Fabriken Einzug erhielten. Dirk Karlipp ist sich sicher: „KI wird sicherlich keine hochqualifizierten Mitarbeiter ersetzen. Allerding werden diese von Routinearbeiten entlastet.“ Schließlich können Roboter 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche arbeiten.

Andere Nutzer empfehlen zur Beruhigung den Blick in die Geschichte. Seit jeher sind die Berufsbilder einem steten Wandel unterworfen. Vor der Industrialisierung arbeiteten noch die meisten Menschen in der Landwirtschaft. Robert Vollmer meint deshalb: „In Summe wurde das menschliche Leben immer angenehmer. Warum sollte es bei der KI dann anders sein?

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%