Facebook und die Fake-News: Gegen die Märchenerzähler

Facebook und die Fake-News: Gegen die Märchenerzähler

, aktualisiert 17. Januar 2017, 14:19 Uhr
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Facebook will gefälschte Nachrichten in Deutschland bekämpfen.

von Johannes Steger und Tina HalberschmidtQuelle:Handelsblatt Online

Facebook sagt den Falschmeldungen auf seiner Plattform den Kampf an und will mit Journalisten diese als solche kennzeichnen. Doch viele Experten sehen den Vorstoß kritisch und fordern weitergehende Maßnahmen.

DüsseldorfSheryl Sandberg ist sich sicher: Facebook übernimmt Verantwortung im Kampf gegen die Fake-News. Wie zum Beispiel mit dem ins Leben gerufenen Journalismus-Projekt, bei dem Facebook mit Medienunternehmen neue Möglichkeiten des Journalismus entwickeln will. Der Kampf gegen Fake-News, er wird auch mit einem Mehr an Qualität gewonnen. Und noch eine weitere Maßnahme soll diese Verantwortung kennzeichnen: In Deutschland will das soziale Netzwerk jetzt eine Meldemöglichkeit für Falschmeldungen einführen und mit dem Recherchezentrum „Correctiv“ zusammen arbeiten.

Das tut Not: In den Vereinigten Staaten sind sich viele Experten einig, dass Falschmeldungen und Halbwahrheiten die Stimmung für Donald Trump beeinflusst haben. Noch scheint das Thema kein großes Problem in Deutschland, doch die Gefahr besteht. Das sagt auch Bundeswahlleiter Dieter Sarreither in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: Darin warnt er vor sogenannten Fake-News. Seiner Einschätzung zufolge könnten die sogar am Wahltag eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel gemeldet würde, dass bestimmte Wahllokale geschlossen seien.

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Falschmeldungen wie diesen will Sarreither „öffentlichkeitswirksam schnell entgegenwirken“. Und auch Facebook erkennt nun endlich seine Verantwortung und hat am Wochenende ein neues Verfahren vorgestellt: Wird eine Meldung als Falschnachricht von den Nutzern erkannt, wird das Recherchenetzwerk „Correctiv“ eine inhaltliche Prüfung vornehmen. Wird die Nachricht als falsch enttarnt, erhält sie einen entsprechenden Hinweis. Vielen Experten ist das noch nicht genug.

Für Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aber ist klar: „Wir wollen nicht entscheiden, was die Wahrheit ist. Sie Und ich glaube, niemand will, dass wir das tun.“ Also müsse man mit Dritten zusammenarbeiten, die Experten sind - mit dem gerade verkündeten Facebook Journalismus Projekt zum Beispiel. „Wenn wir sagen, dass wir das nicht selber übernehmen können, bedeutet das aber nicht, dass wir keine Verantwortung übernehmen wollen. Wir übernehmen Verantwortung“, sagte Sandberg in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung.

In Bezug auf Hasskommentare meint Sandberg zudem, dass man sich an deutsches Recht halten würde. Wenn über illegale Inhalte Kenntnis erlangt würde, werden diese gelöscht: „ Aber unterhalb dieser Schwelle ist es eine gesellschaftliche Herausforderung, die nur gemeinsam von Unternehmen, Politikern und der Zivilgesellschaft gelöst werden kann“, so Sandberg weiter. In diese Maßnahme passt auch die Zusammenarbeit mit „Correctiv“.

Die Kooperation kann aber nicht die einzige sein. Das findet auch „Correctiv“-Leiter David Schraven und schreibt in einem Facebook-Beitrag: „Wir sind davon überzeugt, dass dieser Ansatz alleine nicht ausreicht, Fake News nachhaltig zu bekämpfen. Es müssen viele verschiedene Ansätze gefunden werden.“ Das ganze Projekt sieht er zudem als einen Betatest.


Experten kritisieren Allgorithmen

Facebook hat lange auf sich warten lassen. Zu lange, findet Julia Krüger, freie Autorin beim Blog Netzpolitik.org: In den USA sei das Kind bereits in den Brunnen gefallen. In Deutschland hingegen sei es noch nicht ganz zu spät, der „gefährlichen Polarisierung des Diskurses“ entgegenzuwirken. Doch die vorgeschlagenen Maßnahmen reichten nicht aus, meint Krüger: „Wichtig wäre vor allem, dass Facebook seinen Algorithmus transparent macht.“ Die Sozialwissenschaftlerin ist sicher: Facebook selbst hat einen großen Anteil an der Verbreitung von Fake News. Schließlich bestimmt das Unternehmen völlig intransparent über seinen Algorithmus selbst, welche Nachrichten im Newsfeed der Nutzer angezeigt werden – und welche nicht.

Auch Andre Wolf vom österreichischen Verein Mimikama, der tagtäglich über aktuelle Falschmeldungen aufklärt, hält die Möglichkeit, Fake News markieren zu können, nur für eine „schnelle Interimslösung“. Langfristig müsse es darum gehen, den Nutzern Medienkompetenz zu vermitteln und sie dazu zu befähigen, falsche von echten Nachrichten zu unterscheiden. Wünschenswert sei deswegen zum Beispiel, dass Facebook in die Schulbildung investiere.

Wie schnell sich Nachrichten mit falschem Bezug bei Facebook verbreiten können, das hat das Handelsblatt selbst erlebt: Anfang vergangenen Jahres hatte die zweifelhafte Seite „Deutschland deckt auf“, auf der gegen Flüchtlinge und Andersdenkende gehetzt wird, einen Handelsblatt-Artikel gepostet und dabei die Überschrift verfälscht: „Regiobahn führt Frauenabteile ein, wegen Übergriffe durch Flüchtlinge" stand plötzlich über dem Artikel, obwohl es im Originalartikel keineswegs um Flüchtlinge ging und es auch keine Übergriffe gegeben hatte. Zwar veröffentlichte das Handelsblatt mehrere Tweets und Facebook-Beiträge, um sich von der Manipulation zu distanzieren. Doch die erfundene Überschrift waberte lange weiter durchs Netz und wurde von tausenden Facebook-Nutzern für wahr gehalten. Denn oft werden bei Facebook nur Headlines, nicht aber ganze Artikel gelesen.

„Spiegel Online“ und die „Münchner Abendzeitung“ haben ähnliche Erfahrungen mit der Manipulation ihrer Überschriften gemacht. Tatsächlich kann jeder Nutzer, der eine eigene Facebook-Seite betreibt, mit nur einem Mausklick Überschriften von Nachrichtenseiten ändern und damit ganz einfach Fake News verbreiten. Facebook ist das Problem bekannt. Bereits Anfang letzten Jahres hatte man versprochen, die Funktion zu überarbeiten und nur noch offiziellen Medienseiten das Editieren ihrer Headlines zu erlauben. Getan hat sich bislang aber: nichts.

Quelle:  Handelsblatt Online
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