Facebook: Wachstum trotz Moral-Debatte

Facebook: Wachstum trotz Moral-Debatte

, aktualisiert 04. Mai 2017, 06:40 Uhr
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Mobile Werbung ist der Wachstumstreiber des Sozialen Netzwerks.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Hasskommentare, Mordvideos, grausame Live-Streams: Die Diskussion um die dunklen Seiten des sozialen Netzwerks haben die Werbeeinnahmen von Facebook bislang nicht beeinträchtigt. Umsatz und Gewinn stiegen deutlich.

San FranciscoSeit Wochen spricht Silicon Valley über kaum etwas anderes als die grausamen Videoinhalte bei Facebook. Von dem Vater in Thailand, der live streamt, wie er sein elfjähriges Baby stranguliert oder dem Mann in Cleveland, Ohio, der ein Mordvideo im sozialen Netzwerk veröffentlicht. Doch die aktuellen Konzernergebnisse von Facebook leiden kaum unter der Debatte. Bislang jedenfalls.

Der Umsatz des Unternehmens von Mark Zuckerberg stieg im ersten Quartal 2017 um 49 Prozent auf gut acht Milliarden Dollar. In den ersten drei Monaten des Vorjahrs lag der Wert bei 5,3 Milliarden Dollar. Auch beim Gewinn legte die Firma zu. Er stieg um 76 Prozent von 1,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal des Vorjahrs auf nun 3,1 Milliarden Dollar. Grund dafür war vor allem das Werbegeschäft des blauen Riesen. Die Umsätze mit Anzeigen stiegen um 51 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar – auch dank eines Preisanstiegs pro Klick um 14 Prozent.

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Auch bei den Facebook-Aktien stehen die Zeichen auf Wachstum: Seit dem letzten Jahr stieg der Kurs für die Anteilsscheine um knapp 30 Prozent. Der Boom rührt vor allem daher, dass das Netzwerk wie kaum ein anderes Unternehmen den Medienwandel für sich zu nutzen weiß.

Verstärkte Kontrolle von Inhalten

„Der Mobilmarkt ist unser Wachstumstreiber“, sagt Facebooks Finanzchef Dave Wehner. Mobile Werbung trägt inzwischen 85 Prozent zum gesamten Werbegeschäft des Unternehmens bei. Laut Analyse des Marktforschers E-Marketer besitzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg damit inzwischen 16 Prozent des weltweiten Marktes mit digitaler Werbung, hinter Google mit 33 Prozent.

Damit der Aufschwung anhält, demonstriert Zuckerberg, dass er die Befürchtungen der Öffentlichkeit und Werbekunden bezüglich der Inflation an Horrorinhalten ernst nimmt. Er stockt das Team auf, das entsprechende Inhalte von der Plattform entfernen soll. 3000 weitere Mitarbeiter sollen die 4500 Angestellten unterstützen, die bereits heute gemeldete Beiträge oder Filme kontrollieren. „Wir arbeiten weiter daran, eine globale sichere Gemeinschaft zu bauen, in der sich jeder sicher und gut fühlt”, sagte Zuckerberg.

Noch bei der Entwicklerkonferenz F8 hatte Zuckerberg verkündet, die Videos vor allem mithilfe von künstlicher Intelligenz bekämpfen zu wollen. Nun erklärt er: „Künstliche Intelligenz wird im Laufe der Zeit besser darin werden, Inhalte zu markieren, die wir uns genauer ansehen müssen.“ Es werde jedoch „einige Jahre“ dauern, bis die Ergebnisse zufriedenstellend seien. „Egal wie viele Mitarbeiter wir für den Job engagieren, wir werden nie dazu in der Lage sein, alles zu sehen, was im Netzwerk vorgeht.“

Tatsächlich dürfte der Job, die Inhalte von inzwischen 1,94 Milliarden monatlich aktiven Nutzern zu beobachten, für die 7.500 Mitarbeiter eine große Herausforderung sein. „Wir bekommen Millionen von Meldungen jede Woche“, sagt Zuckerberg. Jedes fünfte Video bei Facebook übertragen Nutzer sogar live. Gegenüber dem vergangenen Jahr habe sich die Summe der Echtzeit-Bilder vervierfacht.

Geschäftsführerin Sandberg äußert sich zu Sexismusvorwürfen

Die Personalaufstockung darf getrost auch als Schadensbegrenzung betrachtet werden. Denn selbst wenn die Videos bislang keinen negativen Effekt auf das Werbegeschäft haben, drohen sie doch den Gesetzgeber zu alarmieren, der den blauen Riesen inzwischen immer argwöhnischer betrachtet. Der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) will mit einem Gesetz gegen Hasskommentare und Falschmeldungen im Internet vorgehen und droht mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro.

Auch zu den jüngsten Sexismusberichten nahm das Unternehmen Stellung. Von einer Ex-Facebook-Mitarbeiterin an die Öffentlichkeit gebrachte interne Firmeninformationen hatten gezeigt, dass Programmiercodes aus der Feder weiblicher Entwickler 35 Prozent häufiger zurückgewiesen wurden als die von Männern. Die Frauen mussten zudem länger warten, bis sie eine Antwort erreichte und erhielten mehr Rückfragen und Kommentare zur ihrer Arbeit.

Facebook traf dieser Vorwurf besonders, steht doch Geschäftsführerin Sheryl Sandberg nach ihrem feministischen Bestseller „Lean In“ wie kaum eine andere Top-Managerin für Führungsfragen ein. „Wir nehmen solche Vorwürfe sehr ernst“, sagte Sandberg. Eine interne Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass die Autorin auf der Basis „ungenügender Daten“ operiert habe. Frauen seien nicht aufgrund ihres Geschlechts zurückgewiesen worden, sondern wegen ihrer Position in der Hierarchie des Unternehmens.

Der Effekt dürfte jedoch der gleiche sein. Laut des jüngsten Diversity-Reports beschäftigt Facebook in technischen Positionen nur zu 17 Prozent Frauen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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