Folgen des Telekom-Chefwechsels: Jetzt kommt Sparkommissar Höttges

27. Dezember 2012
von Jürgen Berke

Der designierte Vorstandschef Timotheus Höttges wird die Deutsche Telekom stärker als sein Vorgänger auf Rendite trimmen. Insider glauben bereits an einen Machtwechsel im Mai.

Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom hatten immer etwas Dramatisches. Ron Sommer flog aus dem Amt, als sich die Wut der gebeutelten T-Aktionäre an seinen viel zu teuren Zukäufen im Ausland entlud. Nachfolger Kai-Uwe Ricke musste gehen, als die Festnetzkunden mit fliegenden Fahnen zur Konkurrenz wechselten und der Telekom auf dem Heimatmarkt Deutschland das Vertrauen entzogen. Mit René Obermann geht der dritte Vorstandsvorsitzende früher als geplant. Doch dieses Mal hat der Vorstandschef den Zeitpunkt seines Ausscheidens selber bestimmt.  Vorstand und Aufsichtsrat suggerieren, dass die für Ende 2013 beabsichtigte Übergabe des Staffelstabes an Timotheus Höttges in geordneten Bahnen verlaufe. Von einem „geeigneten Zeitpunkt für einen geordneten Übergang“ ist die Rede. „Wir haben in den vergangenen Jahren Lösungen für die wesentlichen Baustellen gefunden“, klopfte sich Obermann bei der Bekanntgabe seines überraschenden Rückzuges selber auf die Schulter. Obermann will den Eindruck erwecken, als hinterlasse er ein geordnetes Haus. Doch davon kann eigentlich keine Rede sein.

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Diese Probleme muss Obermann noch lösen

  • Schwächelnde Aktie

    Ins Amt kam Obermann unter anderem auch, um den Aktienkurs der Telekom endlich zu beflügeln. Als er am 13. November 2006 den Chefsessel im Vorstand von Kai-Uwe Ricke übernahm, reagierten die Anleger entsprechend erfreut: Die T-Aktie machte damals zwischenzeitlich einen Satz von mehr als dreieinhalb Prozent auf 13,62 Euro - war damit aber immer noch meilenweit entfernt von ihrem Höchststand knapp über der 100-Euro-Marke.

  • Schwache Auslandsmärkte

    Ein Grund für die Schwäche an der Börse sind die gravierenden Probleme der Telekom auf einer Reihe von ausländischen Märkten - allen voran den USA. Seit Jahren versucht Obermann die Tochter in Übersee wieder flott zu bekommen oder zu verkaufen und musste dabei immer wieder Rückschläge einstecken.

  • Kartell-Probleme in den USA

    So scheiterte ein Verkauf an den deutlich größeren lokalen Rivalen AT&T Ende Dezember 2011 am Widerstand der US-Kartellbehörden. Nun will die Telekom ihre Amerika-Tochter mit dem Anbieter MetroPCS zusammenlegen - und musste dafür Milliarden abschreiben. In dem Geschäft wird T-Mobile USA nicht so hoch bewertet, wie in den Büchern des Mutterkonzerns. Die neuerliche Wertberichtigung sorgte im dritten Quartal für einen Konzernverlust von 6,9 Milliarden Euro.

  • Steuerprobleme in Südosteuropa

    Auch die Engagements in Südosteuropa machen dem Konzern wegen der massiven Auswirkungen der Finanzkrise wenig Freude. Hinzu kommen regulatorische Eingriffe und Sondersteuern in mehreren Ländern. So musste die Telekom auch für ihre Beteiligung in Griechenland zuletzt Wertberichtigungen in Milliardenhöhe vornehmen.

  • Schwierige Geschäftslage in Deutschland

    Schwierig gestaltet sich für die Telekom auch der Heimatmarkt: So ringen die Bonner regelmäßig mit Vodafone um die Marktführerschaft im Mobilfunk. Zudem drückt die aggressive Preispolitik der kleineren Wettbewerber die Margen. Zugleich fließen aber große Summen in den Ausbau der Netze mit dem Hochgeschwindigkeitsfunk LTE.

Richtig ist: Obermann als Vorstandsvorsitzender und Höttges als mächtiger Finanzvorstand bildeten ein nahezu perfektes Team. Als enge Freunde spielten sich die beiden oft gegenseitig die Bälle zu. Obermann gefiel sich in der Rolle des weitsichtigen Strategen, der für die Telekom neue Wachstumsmärkte im heftig umkämpften Internet erobern wollte und zum Schluss sogar selber die Verantwortung für das verwaiste Ressort Innovationen übernahm. Höttges dagegen zog als Herr über die Zahlen seine Strippen, achtete streng auf die Renditeziele und redete dabei auch dem Vorstandsvorsitzenden das ein oder andere teure Abenteuer aus. Er war und ist der Architekt vieler Sparprogramme, die dem Konzern all die Umstrukturierungen in den vergangenen Jahren bescherten.

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