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Freie Entwickler: Wie externes Wissen Unternehmen voranbringt

von Jens Koenen Quelle: Handelsblatt Online

Der IT-Riese IBM setzt in Zukunft stark auf freie Entwickler. Das soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch die jeweils beste Lösung bringen. Auch intern krempelt IBM die Arbeitsabläufe um.

IBM setzt für optimale Lösungen auf freie Programmierer. Quelle: ZB
IBM setzt für optimale Lösungen auf freie Programmierer. Quelle: ZB

FrankfurtEs ist auf den ersten Blick schwer vorstellbar, wie ein IT-Riese wie IBM bei Kundenaufträgen stärker auf die freie Entwickler-Community zurückgreifen will. Schließlich geht es bei solchen Projekten oft um sensible Bereiche großer Geschäftskunden. Doch die Pläne sind bereits ausgereift und gut durchdacht.

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So wird der Konzern unter anderem die Dienste der US-Firma TopCoder Inc. aus Glastonbury nutzen. Sie ist eine Art Business-Netzwerk, also eine Art Xing für Entwickler. Firmen können über TopCoder freien Entwicklern gezielt Aufgaben stellen. TopCoder veranstaltet dann einen Programmierwettbewerb. Anschließend kann sich der Kunde die für ihn beste Lösung aussuchen – und muss auch nur für diese Arbeit bezahlen. Dabei wird für die freien Entwickler oft nicht ersichtlich, auf welches Großprojekt sich die konkrete Aufgabe bezieht. Denn durchweg müssen die Entwickler nur Teilaufgaben lösen.

Nach eigenen Angaben sind bei TopCoder derzeit über 387.000 Entwickler registriert. Sie haben alle ein eigenes Profil und können an den Ausschreibungen teilnehmen. Das ist eine geballte Entwicklerkompetenz, die unter anderem auch von Alcatel-Lucent oder Facebook genutzt wird.

Doch nicht nur Kompetenz ist attraktiv, auch das Einsparpotenzial. Wie hoch das sein kann, darüber berichtete im August 2011 Patrick Howard, Vize-Präsident von IBM, auf einer Handelsblatt-Veranstaltung. Die ersten 30 Monate Erfahrung mit TopCoder hätten gezeigt, dass die Kosten um 33 Prozent reduziert werden konnten.

Wie eng die Verbindung von IBM und TopCoder ist, verdeutlicht auch eine Personalie. Seit einiger Zeit sitzt dort Nicholas M. Donofrio im Verwaltungsrat. Er war zuvor 44 Jahre bei IBM, hat sich dort den Titel des „IBM Fellow Emeritus“ erworben. Das sind Persönlichkeiten, die sich in Wissenschaft und Forschung besonders verdient gemacht haben.

Dabei ist die Idee von IBM nicht ganz neu. Immer mehr Unternehmen greifen auf das Wissen zurück, das außerhalb des Unternehmens liegt. Moderne IT-Systeme und spezielle Plattformen beschleunigen diese Entwicklung. So hat die Lichttochter von Siemens vor einiger Zeit mit „Emotionalize your light“ im Netz dazu aufgerufen, neue Ideen für Leuchten vorzustellen. Die Resonanz war gewaltig. Der Nivea-Hersteller Beiersdorf wiederum hat mit „Pearlfinder“ ein geschütztes Internetportal ins Leben gerufen, auf dem der Konzern Partner um Lösungsvorschläge für Probleme bittet.

Wie erfolgreich diese Strategie sein kann, zeigt der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Sein Spezialreiniger Mr. Clean Magic Eraser ist eine Idee, die außerhalb des Unternehmens entwickelt wurde.

Allerdings: Diese neue Offenheit setzt bislang in der ganzen Welt kein Unternehmen so radikal um, wie es IBM nun plant. Selbst intern werden die Arbeitsabläufe umgekrempelt. So hat IBM unter dem Namen Geno im Intranet eine Art Ebay für Projekte aufgebaut, ein Auktionshaus für die tägliche Arbeit. Kommt ein Auftrag, ein neues Kundenprojekt herein, können sich IBMler, die gerade Zeit haben, um eine Mitarbeit bewerben. Damit beginnt ein neuer Wettbewerb um die Arbeit: Sie liegt nicht mehr morgens am Platz, sie will gesucht und umworben werden.

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