Führungswechsel: Samsung riskiert seine Zukunft

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Führungswechsel: Samsung riskiert seine Zukunft

von Martin Fritz

Der absehbare Führungswechsel beim weltgrößten Handyhersteller scheint niemanden zu beunruhigen. Dabei sollte er das. Zweifler fragen, ob der Sohn des schwersterkrankten Konzernpatriarchen die erforderliche Eignung und den notwendigen Erfolgshunger besitzt.

Man stelle sich vor, der reichste und mächtigste Wirtschaftsführer einer Industrienation erleidet einen Herzinfarkt, wird notoperiert und ins künstliche Koma versetzt. Die Firmengruppe, die dieser Mann ganz allein kontrolliert, erbringt über 30 Prozent der Wirtschaftsleistung und fast 20 Prozent der Exporte des Landes. Dennoch lagern keine Reporter vor dem Krankenhaus, und am Aktienmarkt bleibt ein Erdbeben aus.

Die ungewöhnliche Begebenheit spielt sich gerade in Südkorea ab. Der Mann heißt Lee Kun-hee und herrscht in zweiter Generation über das Konglomerat rund um den Technologiegiganten Samsung Electronics. Der Zustand des 72-Jährigen ist seit dem 10. Mai besorgniserregend. Lee Kun-hee reagiert gerade einmal auf äußere Reize und kann nur seine Hände und Füße „ein bisschen“ bewegen, heißt es. Damit ist der weltgrößte Produzent von Smartphones, Speicherchips und Fernsehern im zweiten Monat führungslos.

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Dass weder Politiker in Südkorea noch Analysten und Aktionäre nervös sind, leuchtet vordergründig ein. Denn erstens hat Lee Kun-hee die operative Führung seiner Firmen stets professionellen Managern überlassen. Und zweitens hat er seinen einzigen Sohn Lee Jay-yong frühzeitig zum Nachfolger aufgebaut und ihn Ende 2012 als Stellvertreter bei Samsung Electronics installiert.

Die Geschichte von Samsung

  • Konzern mit langer Geschichte

    Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

  • Trockennahrung und Getreidemühlen

    Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

  • Umzug im Korea-Krieg

    Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

  • Lebensversicherungen

    1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

  • Fernseher und Kühlschränke

    Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

  • Telekommunikationsausrüstung

    1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

  • Generationswechsel und Umstrukturierung

    Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

  • Autotelefone und Smartphones

    In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

  • Tablet-Computer und intelligente Uhren

    Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Also alles gut, wenn der Patriarch einmal nicht mehr ist? Der Eindruck täuscht. Der Generationenwechsel bei dem Giganten birgt Gefahren, die bisher kaum in die breite Öffentlichkeit drangen. Offen sind die künftige Strategie, die Führungsqualitäten und die Reputation des Nachfolgers.

Vor allem weiß niemand, wie der heutige Kronprinz das Unternehmen einmal führen wird. Bislang lief der 46-Jährige bei gemeinsamen Auftritten immer zwei, drei respektvolle Schritte hinter seinem Vater, wie es die konfuzianisch geprägte Tradition verlangt. „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich (die Nachfolge) nicht als Last empfinde, aber ich hatte gute Eltern und bei Samsung ausgezeichnete Vorgesetzte“, sagte er bescheiden, wie es sich eben für den Zögling des Patriarchen, aber auch dessen Untertanen geziemt.

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Foto von Kai Hillebrandt Quelle: Presse

Genau darin aber liege die Gefahr, meint Kim Yong-cheol, Ex-Chefjurist bei Samsung und Kritiker des Konzerns. Gebe Lee Jay-yong seine Zurückhaltung auf, sobald er alleine das Sagen habe, wachse das Risiko unternehmerischer Fehlentscheidungen, weil kaum ein Manager es wagen dürfe, den Repräsentanten der Gründerfamilie zu kritisieren.

Der jetzt erkrankte Konzernherrscher beschränkte sich auf die Rolle des Mahners und Motivators, warnte vor Arroganz und forderte ein ständiges Krisenbewusstsein. „Er gibt keine konkreten Befehle, sondern stellt nur scharfe Fragen“, beschreibt der Samsung-Kenner Chang Sea-jin das Führungsverhalten des Patriarchen. Ob sein Sohn, der sich außerhalb Koreas Jay Lee nennen lässt, diesen Führungsstil fortsetzt, ist unklar.

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