Fusion mit den Franzosen?: Deutsche Telekom flirtet heftig mit Orange

Fusion mit den Franzosen?: Deutsche Telekom flirtet heftig mit Orange

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Der Vorstandsvorsitzende von France Telecom, Stephane Richard und der zukünftige Telekom-Chef Timotheus Höttges. Der Telekom bleibt nur die Fusion mit den Franzosen, um ihre Vormachtstellung in Europa zu verteidigen. Schon jetzt teilen die Bonner mit der Orange-Gruppe den Einkauf, Infrastruktur auf dem polnischen Markt und ein Joint-Venture in Großbritannien.

von Jürgen Berke

AT&T ante Portas, Telefónica und Vodafone auf Einkaufstour – um ihre Vormachtstellung in Europa zu verteidigen, bleibt der Telekom nur die Fusion mit den Franzosen.

Für ihr Gipfeltreffen haben die Häuptlinge der größten europäischen Telekomkonzerne einen noblen Rahmen gefunden. Im restaurierten Ballsaal des Grandhotels Steigenberger, einer der vornehmsten Adressen in der Brüsseler City, treten am heutigen 8. Oktober die Vorstandschefs von Deutsche Telekom, Telefónica und Orange (früher: France Télécom) gemeinsam auf die Bühne vor den Mitgliedern des Verbands der europäischen Telekomanbieter (Etno). Offiziell, so sieht es die Tagesordnung vor, wollen der designierte Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges, César Alierta von Telefónica und Orange-Lenker Stéphane Richard über die kürzlich vorgelegten EU-Reformpläne für einen einheitlichen europäischen Telekommarkt debattieren.

Doch die offizielle Tagesordnung interessiert am Dienstag nur am Rande. In Wahrheit geht es um die Neuordnung der europäischen Unternehmenslandschaft in der Branche. Denn ein prominenter Gast verleiht dem Elefantentreffen eine besondere Würze: Randall Stephenson, Vorstandschef des mächtigen US-Riesen AT&T, hat sein Kommen angekündigt. „Live on Stage“ will Stephenson erstmals öffentlich vor diesem erlesenen Auditorium erklären, warum ein Sprung über den Atlantik plötzlich ganz oben auf seiner Expansionsagenda steht und welche strategischen Ziele er dabei ins Visier nimmt.

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Der Auftritt ist mehr als ein Höflichkeitsbesuch. Gezielt sucht AT&T in Europa nach Übernahmekandidaten. In der Madrider Zentrale von Telefónica sollen Abgesandte von Stephenson schon angeklopft und erste informelle Gespräche geführt haben. Auch der britische Mobilfunkriese Vodafone, so kolportieren es mit dem Geschehen auf dem Markt vertraute Investmentbanker, passt in das Suchraster von AT&T.

Deutsche Telekom

Märkte und Umsatz der Deutschen Telekom in Europa (zum Vergrößern bitte anklicken)

Stephenson plant Großes in Europa. Die Amerikaner, an der Börse mit rund 135 Milliarden Euro fast drei Mal so hoch bewertet wie die Deutsche Telekom, wollen einen Big Deal stemmen und mit einem Schlag zu einem der größten Telekomanbieter in Europa aufsteigen. Die Spekulationen beflügeln schon die Aktienkurse: Fast alle Telekommunikationswerte zogen in den vergangenen Wochen kräftig an. Die Telekom-Aktie schaffte nach Jahren des Siechtums sogar den Sprung über die magische Zehn-Euro-Marke.

Es geht um die Vorherrschaft in Europa. Aus dem zersplitterten Markt mit weit mehr als 100 vorwiegend national tätigen Mobilfunk- und Festnetzanbietern soll binnen weniger Jahre ein einheitlicher europäischer Binnenmarkt mit drei bis vier starken Spielern werden. Nur so, ist die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes überzeugt, könne Europa den großen Rückstand bei superschnellen Internet- und Mobilfunknetzen aufholen und ein Gegengewicht schaffen gegen die Dominanz amerikanischer und asiatischer Konzerne.

EU-Kommissarin Neelie Kroes "Die Telekombranche muss mit dem Jammern aufhören"

EU-Kommissarin Neelie Kroes fordert Telekom-Konzerne auf, neue Geschäftsmodelle voranzutreiben, statt über ein Roaming-Verbot zu jammern. Zumal Deutsche Telekom und Co. große Ersparnisse verschweigen.

Quelle: dpa

Ansonsten droht ein Ausverkauf. Portugal Telecom schlüpfte in der vergangenen Woche bereits bei der brasilianischen Oi unter.

Fressen oder gefressen werden – bei den größten europäischen Telekomanbietern ist die Botschaft aus Brüssel angekommen. „Jeder spricht derzeit mit jedem“, sagt ein Londoner Investmentbanker, der nicht genannt werden will. „Wie Jongleure halten sie alle ihre Optionen in der Luft, um im richtigen Moment die schönsten Bälle herauspflücken zu können.“

Wie man zum starken Gegenpart der Giganten in den USA und in Asien aufsteigen kann, wird in den Konzernzentralen heftig diskutiert. Ob Vodafone, Deutsche Telekom, Telefónica oder Orange – alle vier großen europäischen Anbieter starteten in den vergangenen Wochen ein „strategic review“ all ihrer Aktivitäten in Europa. Soll heißen: Exakt wird analysiert, wie man sich künftig aufstellt, wo sich die Marktposition durch einen Zukauf verbessern lässt und aus welchen Ländern man sich besser zurückzieht.

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1 Kommentar zu Fusion mit den Franzosen?: Deutsche Telekom flirtet heftig mit Orange

  • Deutsche Telekom und Orange?
    Man sollte die negativen Erfahrungen mit der Airbus Fusion nutzen und darauf bestehen, den Hauptsitz in Deutschland zu belassen. Sonst endet die Telekom wie Airbus Deutschland als "Operations GmbH" ohne Zentralfunktionen wie R&D, Marketing, Management. Als Röhrenbiege- und Montagestandort. Ich hbae als Ing. in vielen Franz-Deu Kooperationen gearbeitet und mein Fazit: NIE WIEDER.

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