Gesamtumsatz steigt um zwei Prozent: Wie Plattner SAP umbaut

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Gesamtumsatz steigt um zwei Prozent: Wie Plattner SAP umbaut

, aktualisiert 21. Oktober 2013, 07:21 Uhr
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Junge Truppen: In Indien sitzt das größte Entwicklungszentrum außerhalb von Walldorf.

von Michael Kroker

Mitgründer Hasso Plattner treibt die Umwandlung des Softwareriesen in eine Europa-AG voran – nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Verlagerung des Firmensitzes in die USA? Heute hat SAP Quartalszahlen vorgelegt.

Der Softwarekonzern SAP hat nach einer eher enttäuschenden ersten Jahreshälfte die Schwäche in Asien überwunden, wird aber vom starken Euro ausgebremst. Der Gesamtumsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr lediglich um zwei Prozent auf 4,05 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Vor allem die Entwicklung von US-Dollar und japanischem Yen hätten sich negativ auf die Umsätze ausgewirkt, sagte Finanzvorstand Werner Brandt. Analysten hatten mit einem stärkeren Plus gerechnet. SAP sieht sich dennoch auf dem besten Weg zu seinen Jahreszielen.

Auch die beiden Wachstumsfelder Cloud-Services und die superschnelle Datenbanktechnologie Hana seien auf Kurs, hieß es. Die Cloud-Umsätze hätten hochgerechnet auf ein Jahr die Marke von einer Milliarde Euro übertroffen. Unterm Strich verdiente der Softwarekonzern mit 762 Millionen Euro 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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SAP SAP-Quartalszahlen: Die offenen Fragen in Walldorf

Investoren richten ihr Hauptaugenmerk beim Softwarekonzern SAP auf die steigenden Währungsbelastungen sowie die Zukunft im Cloud Computing.

SAP-Logo Quelle: dpa

Nach der Bundestagswahl dürfte vor allem ein Unternehmer erst mal durchgeschnauft haben: Hasso Plattner, Mitgründer und Aufsichtsratschef von SAP. Plattner warnte in den Monaten vor der Wahl eindringlich vor den Folgen einer Vermögensteuer, so wie sie SPD und Grüne einführen wollen. Kein Wunder: Schließlich hält der 69-Jährige noch rund zehn Prozent der Aktien im Wert von aktuell 6,7 Milliarden Euro an dem Softwarekonzern aus dem badischen Walldorf. Von einer Vermögensteuer sah Plattner sein Lebenswerk bedroht, weil er dann kontinuierlich Aktien verkaufen müsste, um die Steuer zu bedienen. Dadurch könnte SAP, so seine Befürchtung, mittelfristig in fremde Hände fallen.

Dennoch arbeitet Plattner weiter daran, SAP vor einem künftigen Zugriff des Fiskus zu befreien – und hat dabei möglicherweise bereits den großen Wurf angepeilt. „Ich gehe davon aus, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre die Verlagerung des Firmensitzes in die USA stattfindet“, unkt ein SAP-Betriebsrat. Die geplante Umwandlung in eine Europa-AG sei dazu nur ein Zwischenschritt. Ein Gang in die USA dürfte Unruhepol Plattner nicht nur aus steuerlichen Gründen reizen: Er will die Belegschaft dynamischer und wettbewerbsfähiger machen.

Behäbigkeit in der Provinz

Denn Plattner nervt insbesondere die vermeintliche Behäbigkeit in der nordbadischen Provinz. Die hat aber teilweise einen hausgemachten Grund: Während vor allem in den SAP-Entwicklungsstandorten im Ausland kontinuierlich junge Programmierer an Bord kommen, fehlt hierzulande die personelle Erneuerung. „Da rast ein demografischer GAU auf SAP in Deutschland zu“, sagt ein Betriebsrat aus Walldorf, der ungenannt bleiben möchte.

SAP Plattner will mit SAP nach Amerika

SAP-Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner spielt offenbar mit dem Gedanken, den Sitz des Konzerns langfristig von Waldorf bei Heidelberg in die USA zu verlagern. Geht es schon bald ins Silicon Valley?

SAP-Firmensitz in Walldorf Quelle: dpa

Plattner, der sich erst kürzlich in einem Interview mit der WirtschaftsWoche als „guter Diktator“ bezeichnete, macht seinem selbst verpassten Ruf einmal mehr alle Ehre. Seit geraumer Zeit treibt er den Umbau des Unternehmens voran. Das Vorbild lautet dabei stets Amerika. Kein Wunder, sitzt der Aufsichtsratschef doch gut die Hälfte der Zeit im SAP-Entwicklungszentrum im kalifornischen Palo Alto. Inspirieren lässt er sich dort laut eigener Aussage von der „besonderen Mischung von Leuten“. Diese sind zwar im Schnitt genauso alt wie die Entwickler in Deutschland. Aber Plattner schätzt sie vor allem deshalb, weil sie zu 50 Prozent aus Indien stammen, Chinesen sind oder Auswanderer aus Europa. Grund: „Ihr Wille zu gewinnen, ist enorm – höher als in Deutschland“, sagt Plattner.

Sprüche wie diese empfinden SAPler im heimischen Walldorf als Ohrfeige, zumal Plattner auch öffentlich an der angeblichen Langsamkeit seiner Landsleute verzweifelt: „Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: Bewegt euch schneller!“, sagte er kürzlich. Und in einer internen E-Mail von Ende Juli an seine Mitarbeiter, die der WirtschaftsWoche vorliegt, schreibt der SAP-Übervater: „Hauptquartiere von Unternehmen werden gerne bürokratisch – genau so ist es uns ergangen.“

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