Glasfasernetze: Telekom setzt aufs Turbokabel

Glasfasernetze: Telekom setzt aufs Turbokabel

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Bisher reagierte die Telekom unter Chef René Obermann nicht sehr ambitioniert auf den Wunsch nach schnellem Internet. Jetzt muss sie reagieren

von Jürgen Berke

Mit noch schnelleren Glasfasernetzen will Telekom-Vorstandschef René Obermann die Kabel-TV-Anbieter stoppen.

Aufsteiger wie René Obermann stehen gerne auf dem Siegertreppchen. Das beste Netz, die besten Produkte und den besten Service – mit diesem Credo liefert sich der ehrgeizige Chef der Deutschen Telekom seit Jahren ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Erzrivalen Vodafone.

Oft geht Obermann als strahlender Sieger durchs Ziel. Doch wenn – wie in diesem Jahr – der britische Mobilfunkriese die Spitze übernimmt, dann empfindet der Telekom-Chef das als persönliche Niederlage. Das deutsche Management-Team muss zum Rapport antreten und konkrete Vorschläge vorlegen, wie die Bonner Vodafone schlagen wollen. Von seinen Zielen rückt Obermann keinen Millimeter ab: „Wir müssen die Marktführerschaft zurückerobern.“ Ansonsten, das ist jedem in der Konzernzentrale klar, werden Köpfe rollen.

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Kabel Deutschland-Chef "Telekom hat das falsche Netz verkauft"

Der Vorstandschef von Kabel Deutschland, Adrian von Hammerstein, will der Telekom mit dem schnellsten Internet noch mehr Kunden abjagen.

Vorstandschef Adrian von Hammerstein Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche


Telekom droht der Abstieg

Die harte Gangart schlägt Obermann jetzt auch im Festnetz an, wo sich die Lage im Geschäft mit schnellen Internet-Anschlüssen zuspitzt. Intensiv diskutiert der Telekom-Vorstand, wie das Unternehmen die Kundenverluste in den Ballungszentren stoppen kann. Mit großer Sorge beobachtet Obermann, wie stark von Stadtwerken kontrollierte Regionalanbieter wie Netcologne in Köln und M-Net in München sowie die Kabel-TV-Anbieter mit superschnellen 100-Megabit-Anschlüssen auftrumpfen und der Telekom den Nimbus des Technologieführers streitig machen. Der Ex-Monopolist ist zwar noch der Platzhirsch mit bundesweit 12,4 Millionen DSL-Kunden und einem Marktanteil von 45 Prozent. Doch in den Städten droht der Telekom der Abstieg in die Zweitklassigkeit.

Langsame Telekom.

Wie schnell das Internet über die verschiedenen Infrastrukturen in die Wohnung kommt. (Zum Vergrößern anklicken)

Viele Neukunden wechseln

Die größte Gefahr geht vom umgerüsteten Kabel-TV-Netz aus. In mehr als der Hälfte aller deutschen Haushalte bieten die beiden größten Anbieter – Kabel Deutschland und Unitymedia – schon Spitzengeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde und ziehen damit locker an der Telekom vorbei. Das Vorzeigeprodukt der Deutschen Telekom, der mit Glasfaser beschleunigte VDSL-Anschluss, schafft maximal 50 Megabit pro Sekunde – und das auch nur in 50 ausgewählten Großstädten. Das Gros der Neukunden wechselt deshalb mit dem Internet ins überlegene Kabel-TV-Netz. Der langsamere VDSL-Anschluss der Telekom konnte dagegen nicht den Durchbruch schaffen und liegt mit 700 000 Kunden weit hinter den Planvorgaben zurück.

In den nächsten Jahren wollen die Kabel-TV-Anbieter noch stärker in den Kundenbeständen der DSL-Anbieter wildern. „Die richtig guten Zeiten kommen erst noch“, prophezeit Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein. Genaue Zahlen nennt von Hammerstein nicht, doch Marktforscher schätzen eine Verdopplung des Marktanteils auf 30 Prozent in den nächsten vier bis fünf Jahren durchaus als realistisch ein.

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