Google-Chef Schmidt: „Ihre Enkel werden lachen, dass Sie selbst gefahren sind“

Google-Chef Schmidt: „Ihre Enkel werden lachen, dass Sie selbst gefahren sind“

, aktualisiert 10. Juni 2015, 17:01 Uhr
von Miriam SchröderQuelle:Handelsblatt Online

Auf der Noah-Konferenz wird Mr. Google willkommen geheißen. Verwaltungsratschef Eric Schmidt erhält keine unangenehmen Fragen zum Kartellverfahren. Im Gegensatz zu manch einem Verlag zeigen die Start-ups keine Angst.

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Der Google-Verwaltungsratschef gab den netten Onkel aus Amerika.

BerlinEric Schmidt war schon da, bevor er auf die Bühne trat. In beinahe jedem Vortrag, der in den letzten zwei Tagen auf der Noah-Konferenz gehalten wurde, fiel der Name Google. Jetzt strömen die Teilnehmer, die meisten von ihnen selbst Unternehmer, in den Saal, um ihn zu sehen, den Vertreter des mächtigsten Internetkonzerns der Welt.

Eric Schmidt ist nicht nur für diesen Vortrag nach Europa gekommen. der frühere Konzernchef und heutige Verwaltungsrat ist unterwegs, um gute Stimmung für sein Unternehmen zu machen. Er hat Kanzlerin Angela Merkel getroffen und Vizekanzler Sigmar Gabriel, der gerne davon spricht, dass er Google zerschlagen wolle.

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Die EU-Kommission will die Marktmacht von Google brechen und hat ein Verfahren eingeleitet, das den Konzern 6,6 Milliarden Dollar kosten und sein Geschäftsmodell empfindlich einschränken könnte.

Google ist nicht nur die beliebteste Suchmaschine der Welt, sondern hat mit Android auch das am meisten genutzte Betriebssystem für Mobiltelefone in ihrer Hand. Das kann der Konzern nutzen, um seine eigenen Shopping-Portale, Kartensysteme oder Buchungsportale besser beim Kunden zu platzieren. Große Verlage wie Axel Springer beklagen, dass Google ihre Inhalte auf seinen Suchergebnissen anpreist, ohne dafür zu bezahlen. Man könnte sagen, sie haben Angst vor Google.

Auf dieser Bühne der Konferenz, die unter anderem von Axel Springer organisiert wurde, kommt das alles aber nicht zur Sprache. Für die Internet-Szene ist Eric Schmidt kein Vertreter des Bösen, er ist eher so eine Art Rollenmodell. Schließlich hat Google vorgemacht, wovon sie hier alle träumen: Ein Unternehmen aufzubauen aus einer guten Idee heraus, ohne zu wissen, ob man damit jemals Geld verdienen kann.


„Wir sind nur ein kleiner Player in einer Entwicklung“

Innovationen bei Google, erzählt Schmidt, entstünden nicht aus Berechnung, sondern immer aus Bedürfnissen. Das selbstfahrende Auto zum Beispiel: „Denken Sie an die vielen Unfälle, die vielen Familien. Menschen machen Fehler, Maschinen nicht. In hundert Jahren werden Ihre Enkel bei der Vorstellung lachen, dass deutsche Autos einmal von Menschen gefahren wurden.“

Aus guten Ideen Produkte zu machen, das sei die Essenz jeden Unternehmertums. Er sei überzeugt davon, dass die Jobs der Zukunft in kleinen Unternehmen entstehen werden. Google selbst werde alles dafür tun, um das Start-up-System in Europa zu unterstützen. „Wir sind nur ein kleiner Player in einer Entwicklung, die von euch getrieben wird“, sagt Schmidt. Er klingt ein bisschen wie der nette, reiche Onkel aus Amerika.

Er redet auch so – und gibt Europa Tipps: Ihr müsst in Bildung investieren, ihr braucht einen einheitlichen digitalen Markt in Europa, ihr solltet Big Data nicht überregulieren, sondern die Chancen nutzen, die sich daraus ergeben. Ihr in Deutschland seid so weit beim Thema erneuerbare Energien, nutzt das doch, baut intelligente Stromnetze und verkauft sie!

Kritische Fragen erwarten ihn hier nicht. Die Zuhörer wollen wissen, was Schmidt über den Klimawandel denkt und welches die großen Zukunftsthemen für Google sind. Sie wissen: Was Google plant, wird in irgendeiner Weise auch ihr Geschäft berühren. Angst davor haben sie nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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